Gedankenwelt hörbar gemacht Melle: Erklärungskonzert mit Niveau beim Musikfest

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Gesmold. In diesem Jahr würde Johann Sebastian Bach seinen 333. Geburtstag feiern. Grund genug, den Meister der Fuge mit einem ganz besonderen Konzert zu würdigen: Sein „Wohltemperiertes Klavier“ stand im Mittelpunkt des Matinee-Konzertes beim Musikfest auf Schloss Gesmold.

Das Gesprächskonzert – auf der Internetseite des ausrichtenden Vereins zur Förderung der Schönen Künste Gesmold treffender Erklärungskonzert genannt – machte in Wort und Klang jene musikalische Form lebendig, die von Johann Sebastian Bach zur Vollendung gebracht wurde: Der Fuge und dem ihr in aller Regel vorangestellten Präludium widmeten Pianist Denys Proshayev sowie die Moderatoren Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse zwei anregende Stunden in der Remise des Schlosses.

Rasante Virtuosität

„Zum Nutzen und Gebrauch der Lehrbegierigen Musicalischen Jugend“ schrieb Bach laut seinem eigenen Vorwort die insgesamt 24 Präludien und Fugen, die im ersten Teil des „Wohltemperierten Klaviers“ durch alle Dur- und Moll-Tonarten gehen. Dabei avancierte das erste Präludium in seinem sanften Gleichmaß zugleich zu seinem berühmtesten: Charles Gounods mit dem Text des „Ave Maria“ unterlegte Meditation über Bachs C-Dur-Präludium zählt heute zu den populärsten Werken der klassischen Musikliteratur überhaupt.

Denys Proshayev bot das in seiner Schlichtheit bewegende Stück in einem andächtigen Gleichmaß dar, das sich sanft steigerte, um sich in den letzten Takten ebenso wieder gefühlvoll wieder zurückzunehmen. Doch Bachs Kompositionskunst hat gerade im „Wohltemperierten Klavier“ viele Facetten. Und die Fugen – obschon Musik gleichsam vom kompositorischen Reißbrett – entfalten sich mit ganz unterschiedlichem Charakter.

Dabei ließ das Präludium in c-Moll in seiner rasant dahineilenden Virtuosität den Zuhörern kaum Zeit zum Atemholen. Springlebendig mit akzentuiert getupfter Bewegung schloss sich ihm die kunstfertige Fuge an. In sich gekehrte Sanglichkeit im Präludium, archaisch anmutende Strenge in der komplexen Triple-Fuge: Die beiden Sätze in cis-Moll rundeten den ersten Teil der Gesprächskonzertes ab. Als „polyphones Schachspiel“ bezeichnete Hans Christian Schmidt-Banse die cis-Moll-Fuge mit ihrer durchdachten dreifachen Thematik.

„Der Inbegriff der Fuge“

Ganz anders präsentierten sich nach der Pause das still in sich hineinhorchende Präludium mit Fuge in es-Moll. Für Richard Wagner sei letztere „der Inbegriff der Fuge“ gewesen, erfuhren die Besucher. Mit den beiden Sätzen in F-Dur setzten Pianist und Moderatoren quirlige, vergnügte Fingerkunst dagegen. In ruhig fließendem f-Moll kam der Abschluss eines Konzertes, das den Musikfreunden mit den Kompositionen zugleich in niveauvollen Erklärungen die Gedankenwelt des Komponisten näherbrachte.

Internationale Preisträger hatten am Vorabend zunächst in einem mehrstündigen „Klaviermarathon“ die vielen Besucher mit Virtuosität gefesselt. Das Abschlusskonzert kam zu vier Händen am Sonntagnachmittag mit Werken von Schumann, Schubert und Beethoven. Den Musikfreunden bleibt nach drei Tagen kontrastreichem Klaviergenuss nun die Vorfreude auf eine Neuauflage des Musikfestes im kommenden Jahr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN