Atmosphärische Dichte am Flügel Musikfest: Fesselndes Eröffnungskonzert in Melle-Gesmold

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der international renommierte Klaviervirtuose Oleg Maisenberg begeisterte zum Auftakt des Musikfestes in der Remise von Schloss Gesmold. Foto: Petra RopersDer international renommierte Klaviervirtuose Oleg Maisenberg begeisterte zum Auftakt des Musikfestes in der Remise von Schloss Gesmold. Foto: Petra Ropers

Gesmold. Mit außergewöhnlichem Musikgenuss in historischem Ambiente verzauberte am Freitag das Eröffnungskonzert zum ersten Musikfest auf Schloss Gesmold. Der weltbekannte Pianist Oleg Maisenberg interpretierte am Flügel Werke von Schubert, Liszt, Chopin und Debussy.

Der Meller Kulturkalender ist um eine kostbare Facette reicher geworden: Zum ersten Mal lud der vor einem Jahr gegründete Verein zur Förderung der Schönen Künste Gesmold zum Musikfest im Wasserschloss ein. „Für uns ist es eine Ehre, dass wir zum Auftakt einen so berühmten Künstler begrüßen können“, betonte die Vorsitzende Henriette Freifrau von Hammerstein in der zum Konzertraum umgestalteten Remise des Schlosses.

Ihr ausdrücklicher Dank galt den künstlerischen Leitern des Musikfestes, Nadia Mokhtari und Denys Proshayev, der Stadt Melle sowie allen Helfern und Sponsoren: „Ohne die breite finanzielle und ideelle Unterstützung wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich.“ Und die Musikfreunde aus weitem Umkreis wussten das Engagement für die Musik zu schätzen. Sogar aus Tübingen reisten sie an, um einem der renommiertesten Pianisten der Gegenwart zu lauschen.

Durch die Romantik zum Impressionismus

Ihnen präsentierte Oleg Maisenberg ein hochkarätiges und in sich stimmiges Programm, das sich durch die Romantik bis zum Impressionismus bewegte. Schon der Beginn ließ aufmerken. Denn der Pianist, der mit sensiblem Anschlag dem Klavier die feinsten Nuancen entlockte und jeder Phrase, jedem Ton und jeder Pause tiefsinnige Bedeutung verlieh, stellte aus Franz Schuberts Fragmenten in Allegretto und Andantino ein dreisätziges Werk von großer atmosphärischer Dichte zusammen.

Eindringlich und fesselnd in ihrer spannungsreichen Ausgestaltung zwischen düsterer Dramatik, lieblicher Leichtigkeit und sanfter Melancholie entfalteten sich anschließend Franz Liszts Bearbeitungen von Schubert-Liedern. Dabei präsentierte sich die große Virtuosität des Künstlers nie vordergründig als Selbstzweck. Fast beiläufig, mit sacht gestreiften Tasten und natürlicher Dynamik selbst im vorwärtsdrängenden Forte stellte sie sich vielmehr ganz in den Dienst der Musik.

Aus der Tiefe zum Licht

Eintauchen, die Augen schließen und die Welt vergessen: Die unausgesprochene Einladung nahm so mancher Besucher auch in Liszts Variationen über Johann Sebastian Bachs „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ wörtlich. In seiner Verarbeitung des von einer chromatisch absteigenden Basslinie geprägten Bach-Themas verlieh Liszt dem Schmerz über den Tod seiner Tochter Ausdruck. Trauer, Verzweiflung, Fassungslosigkeit und Sehnsucht berührten in der empfindsamen Interpretation von Oleg Maisenberg, bevor das Werk mit dem Schlusschoral aus der Tiefe zum Licht aufstieg.

Geheimnisvoll verhalten

Einen klangschönen und dabei nicht minder virtuosen Kontrast bot Maisenberg nach der Pause mit der zarten Leichtigkeit von Frédéric Chopins Nocturne in Fis-Dur und der zwischen lyrischer Empfindsamkeit und energischer Dynamik variierenden Polonaise fis-Moll. Der Ausflug in den Impressionismus kam mit Claude Debussys „Estampes“. Deren drei Sätze führten die Besucher mal zart wie ein Hauch, mal geheimnisvoll verhalten, dann wieder springlebendig in virtuos kaskadierenden Läufen mit poetischen Klangbildern von Asien über Granada in die Normandie.

Die Musikfreunde ließen Oleg Maisenberg nach dem letzten Akkord nur ungern ziehen: Zweimal riefen sie ihn mit lang anhaltendem Applaus an den Flügel zurück. Doch das Musikfest hielt in den folgenden zwei Tagen noch weitere Höhepunkte bereit. Und auch künftig sollen Klavierkonzerte einen Schwerpunkt der Veranstaltung bilden, verriet Henriette Freifrau von Hammerstein in der kulinarischen Konzertpause. Andere Besetzungen seien aber durchaus denkbar.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN