Europäische und islamische Kultur Renommierte Professorin: Ina Wunn hält Vortrag in Melle

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Mit expressiver Mimik und Gestik trug Ina Wunn in Melle vor. Foto: Michael HengeholdMit expressiver Mimik und Gestik trug Ina Wunn in Melle vor. Foto: Michael Hengehold

Melle. Mit Ina Wunn hat das Jugendzentrum Altes Stahlwerk eine renommierte Spezialistin für Religionen und Kulturen zu einem Vortrag nach Melle geholt. Gut 60 Zuhörer wollten wissen, was sie zum Thema „Europäische Kultur und islamische Welt – Wege zum gegenseitigen Verstehen“ zu sagen hat.

Wunn macht keine Gefangenen, das stellte sie in der Ratsschul-Aula bereits im Vorwort heraus: „Sie werden mich hassen, aber ich werde nicht mit Ihnen diskutieren“, teilte sie den Zuhörern mit, nachdem die stellvertretende Stahlwerks-Leiterin Cynthia Riebeling, deren Einladung Wunn gefolgt war, die Gäste begrüßt hatte. Unverblümt begründete Wunn ihre Position. Sie werde Daten und Fakten präsentieren, den Stand der Wissenschaft mithin, das Publikum könne mangels wissenschaftlicher Qualifikation allenfalls mit Meinungen und Ansichten reagieren – sinnlos. Fragen immerhin würden anschließend möglich sein, aber bitte keine Co-Referate, sprich längliche Ausführungen, am Ende notdürftig mit einer Frage zur erlaubten Gattung der Wortmeldungen hochgejazzt, aber im Grunde doch nichts anderes als die verbetene Wiedergabe des eigenen Weltbildes.

Zwischen Kabarett und Vorlesung

Mit expressiver Mimik und Gestik, in der Darreichung immer wieder an Kabarett erinnernd, in der Sache streng Vorlesung, erläuterte Wunn, Professorin mit Lehrstuhl in Hannover, zwei Doktortitel,  zunächst, was eigentlich Kultur ist. Kurz gesagt, alles, was nicht biologisch ist, also jede erlernte Verhaltensweise von der Sprache bis hin zu den Einstellungen, Werten, Normen.

Seit 2000 Jahren

Die westliche, in starkem Maße christlich geprägte Kultur, ist eine hierarchische. Das begann schon vor 2000 Jahren mit den ersten Bischöfen und hat bis heute Bestand, erfuhren die Zuhörer, überwiegend geladene Gäste, überwiegend dem Bereich Pädagogik zuzuordnen. Aus der gottgegebenen Ordnung wurden Staaten, aus Staaten Nationen. In der Vorstellung vieler hat ein Volk eben eine gemeinsame Herkunft, Sprache, Kultur – so falsch das auch ist, belegte Wunn am Beispiel der dänischen Minderheit in Schleswig oder der Elsässer. Angestrebt wird die freie Entwicklung des Individuums.

Islamische Proto-Demokratie 

Ganz anders die islamisch geprägte Welt, in der ursprünglich alle Menschen gleich waren, bis auch dort eine „islamische Dynastie, die die Kalifen stellte“ dieser frühen, adelfreien Proto-Demokratie ein Ende bereitete.

Siehe Irak

„Bis heute spielen in der islamischen Welt die Stämme eine große Rolle und unterhalb der Stämme gibt es die Familien“, fand Wunn den Übergang in die Jetztzeit und jüngere Vergangenheit, in der es „nie die Möglichkeit gab, Nationalstaaten zu bilden“, denn nach dem Untergang des Osmanischen Reiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden künstliche Staaten geformt, mit geraden Grenzlinien, am Schreibtisch gezogen. Siehe Irak.

Deshalb lassen sich Frauen verheiraten

Und weil sich in der muslimischen Welt zudem nie eine Rechtssicherheit herausgebildet habe, sei die Familie nach wie vor die wichtigste kleinste Einheit, im Gegensatz zum Westen mit seiner Ausrichtung auf den Einzelnen: „Im Mittelpunkt der Existenz steht die Familie. Deshalb auch lassen Frauen sich verheiraten und sind mit ihrer Rolle zufrieden.“

Elementar unterschiedliche Ansätze

Diese elementar unterschiedlichen Ansätze müsse Integration versöhnen. Das dauert. Wunn zufolge ein Generationenprojekt: „Integration funktioniert nicht, wenn man sie erzwingen will. Sondern, wenn unsere Kultur vorlebt, dass sie Lebensmöglichkeiten für alle bietet – wenn das Gesamtkonzept unserer europäischen Kultur überzeugend ist. Und das passiert ja auch“, zog sie ein positives Fazit.

So manch einer hatte sich womöglich konkretere Hinweise auf  beschreitbare „Wege zum gegenseitigen Verstehen“ erhofft, war der anschließenden Fragerunde zu entnehmen. Sie beinhaltete ein Co-Referat.


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