„Die Schnelle aus Melle“ Zeitschrift erinnert an Luftfahrt-Visionär aus Melle

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Melle. Mitte der achtziger Jahre sorgte Horst Ruschmeyer als Chef eines luftfahrttechnischen Betriebes in Melle für Furore in Fliegerkreisen: Der Visionär wollte weg von den einmotorigen Reisemaschinen der allgemeinen Luftfahrt mit ihrer zwar bewährten, aber angestaubten Technik hin zu einem modernen Flugzeug.

Daran erinnert in seiner neuestens Ausgabe die Zeitschrift „fliegermagazin“. Sie hatte 1991 unter dem Titel „Die Schnelle aus Melle“ bereits über die Anfänge des innovativen Flugzeugbaus am Segelflugplatz informiert und widmet sich jetzt in der Titelstory des Septemberheftes einer der 30 Maschinen, die hergestellt worden waren. Die aktuelle Überschrift: „Ihrer Zeit voraus“.

Das trifft es genau, denn leicht und leise sollte das Flugz eug aus Melle sein und außerdem wenig Sprit verbrauchen. Ruschmeyer wendet sich ab von der herkömmlichen Aluminiumbauweise und setzt auf Kunststoff. Außerdem schwebt ihm ein völlig neuartiger verbrauchsarmer Wankelmotor vor und im Cockpit sollen Bordcomputer die analogen Rundinstrumente ersetzen. Heute ist das - abgesehen vom Wankelmotor - Stand der Technik im Flugzeugbau, aber seinerzeit türmte sich vor dem Meller Konstrukteur ein Berg an technischen und juristischen Problemen auf.

Land förderte Innovation

Mit der am Segelflugplatz beheimateten „Horst Ruschmeyer Aircraft Production Melle“ aber biss sich der Meller Unternehmer zunächst durch. Auch das Land förderte den innovativen Flugzeugbauer. Aus dem Wankelmotor wurde zwar nichts, aber Porsche bot sich als neuer Partner beim Motor an. Damit ging es weiter voran, aber kurze Zeit später folgte der nächste Rückschlag: Porsche wirft angesichts der zu erwartenden niedrigen Stückzahlen das Handtuch und gibt den Flugzeugsektor vollständig auf.

Ruschmeyer hat inzwischen zwar ein hochmodernes Flugzeug gebaut, sah sich nun aber gezwungen, auf die alte Technologie amerikanischer Motoren zurückgreifen. Diese Triebwerke optimiert er zwar noch, aber 1995 muss seine Firma Insolvenz anmelden. Der Traum von Flugzeugen „Made in Melle“ ist geplatzt.

Allerdings nicht ganz. 30 Flugzeuge wurden immerhin produziert und an begeisterte Kunden ausgeliefert. 27 Exemplare davon fliegen noch.

Sohn als Musterbetreuer

Dafür sorgt nicht zuletzt Dirk Ruschmeyer. Der Sohn des Visionärs hatte 1995 gerade sein Studium der Betriebswirtschaft abgeschlossen und stand vor der Frage: Im Bereich der Fliegerei bleiben oder als Dipl. Kaufmann ganz was anderes machen? „Da ich schon als Kind mit Flugzeugen zu tun hatte und den Betrieb meines Vaters in und auswendig kannte, blieb ich in dieser Branche“, sagte er am Freitag unmittelbar nach Erscheinen des Artikels im „fliegermagazin“.

Sohn ist Musterbetreuer

Dazu kam, dass das Luftfahrtbundesamt (LBA) wie für jeden Flugzeugtyp seinerzeit auch für die Ruschmeyer R 90 einen Musterbetreuer vorschreibt. In diese Lücke sprang Dirk Ruschmeyer quasi als Nachfolger des väterlichen Betriebs mit der Firma ATC. Deren Werkstatt und Büro befindet sich seitdem ebenfalls am Meller Segelflugplatz und ATC kümmert sich um alles, was mit der R 90 zusammenhängt. „Wir sorgen für die Lieferung spezieller Ersatzteile, warten die Maschinen und führen Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten durch“, erklärte Ruschmeyer in der Werkstatthalle. Dort befanden sich am Freitag gleich drei der seltenen R 90. Die Kunden kommen mit ihren Flugzeugen aus ganz Europa nach Melle. „Die meisten fliegen allerdings in Deutschland, allein am Flugplatz in Westerstede stehen vier Stück“, sagte Ruschmeyer.

Die raren und auch nach heutigen Maßstäben immer noch modern ausgerüsteten Maschinen sind nach wie vor begehrt. „Wenn irgendwo eine zu kaufen ist, gibt es sofort viele Interessenten“, freut sich Dirk Ruschmeyer.


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