Erfolg blieb aus Wie eine Meller Firma den Gleisbau revolutionieren wollte

Von Uwe Plaß

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Ein Werbeprospekt für das Meller Gerät. Foto:Heimatverein MelleEin Werbeprospekt für das Meller Gerät. Foto:Heimatverein Melle

Melle. Die Firma Bücker war über viele Jahre das führende Bauunternehmen in Melle. 1864 gegründet und 2001 vom Osnabrücker Konkurrenten Köster Bau geschluckt, war Bücker für zahlreiche Hoch- und Straßenbauprojekte in Melle, aber auch in der Region verantwortlich.

Ein wesentliches Standbein war darüber hinaus der Gleisbau, wo man in den 1950er Jahren ganz groß rauskommen wollte.

Anfang in Oldendorf

Die Geschichte nahm ihren Anfang in Oldendorf. Dort hatte der Eisenbahner August Schlendermann bereits seit 1949 ein mechanisches Schaufelgerät für den Gleisbau entwickelt und im Jahr darauf zum Patent angemeldet. Bisher waren Schotterarbeiten zum Unterfüttern der Bahnschwellen reine Handarbeit gewesen – ein Knochenjob. Das sollte sich nun ändern. Selber konnte Schlendermann seine Erfindung allerdings weder produzieren noch vermarkten. Auch sein Arbeitgeber, die Bundesbahn, winkte angesichts der Erfindung eines „Hobbytüftlers“ zunächst dankend ab. Er brauchte also einen erfahrenen Partner und fand ihn in der Firma Bücker. Dort erkannte man das Potenzial der Idee und beide Seiten schlossen einen Vertrag.

Zunächst nicht bewährt

Im Praxistest konnte sich das neue Gerät zunächst nicht bewähren. Es war störanfällig und auch nicht leicht zu bedienen. Lediglich den Splitbehälter betrachtete die Bahn als brauchbar. Die Ingenieure der Firma Bücker machten sich daher an eine Neukonstruktion auf der Grundlage der ursprünglichen Idee.

Nach einer Testphase wurde begonnen, die Maschine unter dem skurril klingenden Namen „Meller Gerät“ zu vermarkten. Was der Hersteller ankündigte, war in der Tat „bahnbrechend“. Bücker bezeichnete seine Konstruktion als epochemachenden Fortschritt, konkurrenzlos und unentbehrlich im Bereich der Gleisunterhaltung. Überdies pries man es als robust, störungsfrei, leicht, einfach zu handhaben, genau zu dosieren.

120 Meter Gleis pro Stunde

Und das Beste kam ja noch: 120 Meter Gleis pro Stunde sollten mit dem Meller Gerät instandgesetzt werden können – eine enorme Zeit- und Kostenersparnis.

Sollte sich dieses bewahrheiten, witterte man das ganz große Geschäft. Sowohl die Bahn als auch alle im Gleisbau tätigen Firmen müssten Bücker dieses Wunderwerk aus den Händen reißen. Firmen in ganz Deutschland wurden mit Werbeprospekten bedacht. Die neue Erfindung stieß auf lebhaftes Interesse und viele potenzielle Kunden baten um Angebote, Referenzen und Vorführungen. Aufgrund der großen zu erwartenden Nachfrage holten die Meller die Osnabrücker Firma Rawie ins Boot, die die Serienproduktion übernehmen sollte.

Allerdings war die Bahn nach eigenen Tests nicht so begeistert von der Grönegauer Erfindung und forderte erhebliche Nachbesserungen.

Keine Wunderwaffe

Der Schotter landete nicht immer wie versprochen unter den Schwellen. Bei Betonschwellen war das Meller Gerät gar nicht zu gebrauchen. Lediglich auf bestimmten Strecken käme eine Benutzung in Frage. Auch wenn manche Probleme wohl auf Bedienfehler zurückgingen und verschiedene Änderungen von Seiten der Firma Bücker vorgenommen wurden, konnte es sich nicht durchsetzen. Vermutlich war auch die Statik für einen Dauergebrauch zu schwach. Das Meller Gerät war zwar für manche Arbeiten eine Zeit- und Kostenersparnis, die Wunderwaffe war es aber nicht. Überdies kritisierte sogar die Firma Rawie die Preisgestaltung der an sich einfachen Konstruktion als abschreckend. Da die Bahn als potenziell wichtigster Abnehmer skeptisch war, blieb auch das Interesse privater Firmen gering. Der Erfolg blieb aus. Ein Werbeträger für den Namen der Elsestadt wurde das Meller Gerät daher leider nie.


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