Notschlachtungen sind nicht nötig Meller Landwirt will trotz Ernteausfällen keine „Almosen vom Staat“

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Oldendorf. Mit 30 Prozent beziffert der Westerhausener Milchviehhalter Jens Bösemeyer seine diesjährigen Ernteausfälle durch anhaltende Hitze und Trockenheit. Das bedeutet aber nicht, dass er Tiere wegen Futtermangels schlachten müsste. Die Existenz seines Hofes ist nicht bedroht und „Almosen vom Staat und vom Steuerzahler“ will er auch nicht.

Und das obwohl der Hof Bösemeyer in einem Gebiet mit leichten und sandigen Böden liegt, die wesentlich mehr unter Trockenheit leiden als die fast überall im Grönegau vorherrschenden schweren lehmigen Böden. Dennoch weigert sich der Westerhausener Bauer, in den Chor derjenigen einzustimmen, die jetzt laut nach Milliardenhilfen zum Ausgleich der Schäden durch den Dürre-Sommer rufen.

Ernteausfälle

Dabei hat Bösemeyer Ernteausfälle zu beklagen, wie er sie in seiner eigenen landwirtschaftlichen Praxis noch nicht erlebt hat. Senior-Landwirt Kurt Bösemeyer (81) spricht von den „schlimmsten Trockenheitsschäden seit 1959“. Vor allem habe es selbst an den wenigen Gewittertagen, an denen es in der Umgebung ganz passabel geregnet hat, am Westerhausener Berg keine nennenswerten Niederschläge gegeben. „Wenn der Kalkstein des Wiehengebirges einmal trocken ist, dann ziehen alle Gewitter immer drumherum“ - das weiß der 81-Jährige schon von seinen Eltern und Großeltern.

Weniger Milch wegen Hitze

„Für meine 60 Milchkühe werden die Vorräte an Mais-Gras-Silage vermutlich bis Juni 2019 reichen“, prognostiziert Jens Bösemeyer. Bis jetzt hat er aber nur 60 Rundballen mit Grassilage für Kälber und Rinder, insgesamt 80 weitere Tiere. „Selbst wenn noch ein Grasschnitt Ende September oder Anfang Oktober dazukommt, dann reicht es trotzdem nur bis März“, befürchtet er. Da sei es sein Glück, dass er gerade in diesem Jahr 15 Hektar Mais zusätzlich pachten konnte. Auch wenn der Mais teilweise keine Kolben oder nur kümmerlich gewachsene Kolben hat. (Weiterlesen: Bauern mit starken Dürreschäden bekommen Millionen-Nothilfe)

Ein weiterer Verlust in seiner Betriebsbilanz ist der Rückgang der Milchleistung von 31 Liter auf 26 Liter pro Kuh und Tag. Auch die Einbußen auf dem Ackerland von minus 30 Prozent beim Weizen wie beim Raps verstärken das miese Betriebsergebnis im Dürrejahr 2018. Jens Bösemeyer ist jedoch zuversichtlich, dass es sich um ein Ausnahmejahr handelt: „Wir sind Unternehmer und da gehört das Risiko dazu. Wir geben ja auch nichts ab, wenn wir überdurchschnittliche Erträge einfahren.“

In anderen Teilen der Flächenstadt Melle sind die Einbußen eher weniger schlimm als in Westerhausen, erklärte Landvolk-Sprecher Volker Brinkschulte. Das Spektrum bei Weizen und Raps reicht von fast normalen Erntemengen im Bereich Wellingholzhausen und Buer bis zu vereinzelten 50-prozentigen Verlusten auf sandigen Standorten.

Jammern hilft nicht

„Die angelieferten Erntemengen bei der Raiffeisen-Warengenossenschaft liegen 15 bis 20 Prozent unter dem Vorjahr, der Verlust wird durch die höheren Preise aber ausgeglichen“, hat der stellvertretende Geschäftsführer Ansgar Rietmann festgestellt. „Wenn Großbetriebe mit 500 Milchkühen jetzt nach drei Monaten Trockenheit jammern, dann stimmt dort etwas nicht mit dem Management und der strukturellen Vorbereitung auf Engpässe“, unterstützt Rietmann die verbreitete Haltung unter Meller Bauern, die die vorübergehende Krise selbst meistern wollen und können.


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