Im Bahnhof Bruchmühlen Meller Bauamt sieht Gefahr für Bewohner

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Bruchmühlen. Der Druck auf die sechs Bewohner im maroden Bahnhofsgebäude des Meller Stadtteils Bruchmühlen nimmt zu: Die Stadtverwaltung schickte ihnen eine „Ordnungsbehördliche Verfügung mit Anordnung der sofortigen Vollziehung und Androhung der Versiegelung“.

In dem von Bauamtsleiter Rainer Mallon unterschriebenen dreiseitigen Schreiben wird die Nutzung der Wohnungen untersagt und eine Frist bis zum 10. September gesetzt.

Nachdem die stadtnahe Wohnungsbau Grönegau GmbH (WBG) Anfang Juli den Bahnhof von einem Privatmann gekauft hatte, stellte sie erhebliche Mängel an der Stromanlage in dem Gebäude fest. Deswegen wurde die Elektroinstallation vom Netz getrennt. WBG-Geschäftsführer Dirk Hensiek hatte vor wenigen Tagen nach einer Besichtigung bezweifelt, dass das Bauwerk überhaupt noch sanierungsfähig ist (wir berichteten).

Zurzeit erfolgt eine provisorische Stromversorgung mittels eines Baustellenverteilers, der im Keller untergebracht ist. Von dort führen Leitungen in die Wohnungen zu Kabeltrommeln. „Wir dürfen aber keine Wasserkocher, Kaffeemaschinen, Herdplatten oder Waschmaschinen benutzen“, sagten Frührentner Bernd Sawukanis und Gabriele Rautenberg für die weiteren Bewohner. Dabei handelt es sich um den Sohn von Sawukanis und die beiden erwachsenen Kinder von Gabriele Rautenberg, deren Mann im Juli gestorben ist. Lediglich der Vorbesitzer zieht Ende des Monats aus.

Gaskocher in Betrieb

„Momentan machen wir die Pötte auf einem kleinen Gaskocher warm, wir brauchen schließlich warme Mahlzeiten“, erklärte Gabriele Rautenberg. Und Sawukanis ist froh, dass es wenigstens wieder Licht gibt. Er ist gehbehindert, und es sei mühsam gewesen, im Licht des Handys zu hantieren. „Ich bin vom Bau, und die Knochen sind kaputt“, sagte er.

Viel schlimmer für die fünf ist aber jetzt das Damoklesschwert der Zwangsräumung, denn sie wissen nicht wohin. Und sie ärgern sich darüber, dass ihnen angeblich Ersatzwohnungen angeboten worden seien. „Das sind keine Wohnungen, das sind Obdachlosenunterkünfte“, stellten sie klar. Und dahin möchten sie auf keinen Fall. „Da kommt man nicht wieder weg“, sind sie sicher.

Hunde sollen mit

Außerdem wollen sie ihre insgesamt sechs Hunde behalten. „Meine habe ich seit 16 Jahren, die kann ich doch nicht einfach weggeben“, sagte Sawukanis. Auch Gabriele Rautenberg klammert sich an ihre Tiere: Die hätten ihrem Mann gehört und seien für sie gerade jetzt wichtig für die Trauerbewältigung. „Die WBG hat uns mit den Tieren gekauft, jetzt sollen wir sie abschaffen, und uns wollen sie in die Alte Molkerei abschieben“, schimpfte sie. Die Runde der fünf ist sich einig: „Das ist nicht fair gelaufen.“

Das Schreiben der Stadt ist deutlich. Darin ist von nicht abgedeckten Verteilerdosen, ungeschützten Kabelenden und ausgerissenen Lampenanschlüssen die Rede. „Unter anderem sind für die Versorgung der Wohnräume mit Elektrizität einfache Telefonkabel verwendet worden“. Außerdem fehlten eine Erdung und eine Sicherheitsabschaltung der Anlage. Da Leben und Gesundheit deswegen bedroht seien, werde die Nutzung untersagt und kurzfristig durchgesetzt. Sollte die Anordnung nicht befolgt werden, „bin ich berechtigt, unmittelbaren Zwang festzusetzen“. Die Androhung der Versiegelung sei auch deswegen angemessen, weil „ein Zwangsgeld nicht Erfolg versprechend ist“.

Die Bewohner machten deutlich, dass sie mit Blick auf die Wohnungen keine hohen Ansprüche stellen würden. „Mir reicht ein Zimmer“, sagte Sawukanis. Gabriele Rautenberg könnte sich auch mit einem Container arrangieren. Nur weit weg von Melle sollte es nicht sein, da sie und ihre Tochter dort einen Halbtagsjob hätten.

„Hunde dürfen dort mit“

Dirk Hensiek verwies am Dienstagabend darauf, dass die WBG mit dem gefährlichen Zustand in der Immobilie nicht habe rechnen können. Insofern laufe jetzt die Zeit weg, aber die Sicherheit der Bewohner habe absoluten Vorrang. Im übrigen bemühe sich die WBG fieberhaft um eine soziale Lösung. „Die bereits angebotenen Appartements sind nach unserer Einschätzung besser als die jetzige Wohnsituation“, betonte er. Ausnahmsweise dürften dort auch die Hunde mit.

Da sei gemäß Hausordnung bei Mietwohnungen der WBG nicht erlaubt und mit Rücksicht auf die Hausgemeinschaft auch nicht ausnahmsweise möglich.


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