24-Stunden-Übung der THW-Jugend Probe für den Einsatz: Erdbeben und Hochwasser in Melle

Von Conny Rutsch

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Bruchmühlen. Es raucht mächtig aus dem verlassenen Bauerngehöft mitten in Bruchmühlen. Hier hat ein Erdbeben seine Spuren hinterlassen. Einsatzfahrzeuge vom Technischen Hilfswerk (THW) stehen bereits auf der vertrockneten Rasenfläche in der Nähe des Hauses: Damit beginnt eine der Übungen der THW-Jugend Melle.

Rund um die Uhr waren am Wochenende 25 Kinder und Jugendliche im Einsatz, die an einer 24-Stunden-Übung teilnahmen. Unter Aufsicht von acht Jugendbetreuern lernten die jungen Leute im Alter von neun bis 16 Jahren, was in Katastrophenfällen zu tun ist, Abenteuer inklusive.

Qualm dringt durch Maueröffnungen

Ohne zu wissen, was sie erwartet, stehen sieben Jugendliche nun also an dem alten Bauernhaus und proben einen Einsatz der besonderen Art. Zunächst wird das Gelände um das Gebäude nach Opfern des vermeintlichen Erdbebens abgesucht. Und tatsächlich. Hinter dem Haus zwischen Schutt und Geröll liegt ein Verletzter – ein Dummy -, an dem die Kinder zeigen, welche Maßnahmen für eine Bergung notwendig sind. „Die lebensgroße Puppe wiegt immerhin 90 Kilogramm“, erklärt Pascal Pfeiff, der Ortsjugendleiter. Vorsichtig wird der Verletzte auf die klappbare Trage gelegt und zum Einsatzfahrzeug gebracht, wo sich Sanitäter um ihn kümmern werden.

Nun weiter. Mutig öffnen die Jugendlichen das grüne Scheunentor. Qualm dringt durch alle Maueröffnungen und nun auch in einem großen Schwall nach draußen. „Im Ernstfall müssten die THWler eine Atemmaske tragen“, erklärt Pascal Pfeiff, aber für Kinder sei das noch nicht erlaubt. Macht in dieser Übung ja nichts. Der Rauch ist völlig ungefährlich. Er kommt aus einer Nebelmaschine, die die Übungsleiter eine Viertelstunde vor dem Einsatz in Gang setzten, um das Szenario perfekt zu machen. Zwei der Kinder im Personenschutzanzug werden angeseilt und begeben sich geduckt und vorsichtig tastend ins Gebäude.

Drei Mädels stehen vor dem Tor und sichern sie an den Seilen. Sara, Sophie und Nele wären auch reingegangen, ganz klar. Aber sichern ist ja auch wichtig. Sara findet das Funken am spannendsten und Nele die richtigen Einsätze wie diesen hier. Justus und sein THW-Kamerad haben schließlich ein weiteres Opfer gefunden, das es zu bergen gilt. Und dann werden sie auch die schmale Treppe zum Speicher hochkrabbeln müssen, denn auch dort haben die Übungsleiter einen Dummy versteckt.

Ein großes Stück Gemeinschaft

Für die Jugendlichen ist es Lernen und Abenteuer zugleich, was die THW-Jugend ihnen mit der 24-Stunden-Übung alle drei Jahre anbietet. Von 11 Uhr am Samstag bis um 11 Uhr am Sonntag werden sie Einsätze absolvieren, darunter dem Erdbeben ein Hochwasser in Eicken und einen Verkehrsunfall unter einer Autobahnbrücke in Melle am späten Abend. Auch den Fernmeldebau, also das Legen von Telefonkabeln und das Funken werden sie üben. Zwölf Helfer aus dem aktiven Dienst des THW Melle haben die Übungen vorbereitet und überwachen die Übungen und sorgen für die Verpflegung.

Die Kids schlafen in der Unterkunft des THW in Bakum und werden den Abend am Lagerfeuer bei Stockbrot ausklingen lassen.

Benjamin Look, der Öffentlichkeitsreferent der THW-Jugend freut sich darüber, dass sich in Melle so viele Jugendliche für diese Arbeit interessieren. „Jeden zweiten Samstag im Monat treffen wir uns von 15 bis 18 Uhr zum Jugenddienst, dort sind interessierte Kinder und Jugendliche herzlich willkommen“, erklärt er. Im Alter von zehn Jahren an dürfen Kinder bei der THW-Jugend mitmachen und mit den Übungen auch ein großes Stück Gemeinschaft erfahren.


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