Trauertattoos in der Kreissparkasse Ausstellung in Melle: Bilder gehen unter die Haut

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Eine außergewöhnliche Ausstellung eröffneten in der Kundenhalle der Sparkasse Carl Martin Becker und Elisabeth Sternberg von der Hospizinitiative Melle, Marion Herdtler und Josef Theißing, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse. Foto: Petra RopersEine außergewöhnliche Ausstellung eröffneten in der Kundenhalle der Sparkasse Carl Martin Becker und Elisabeth Sternberg von der Hospizinitiative Melle, Marion Herdtler und Josef Theißing, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse. Foto: Petra Ropers

Melle Die Bilder gehen wortwörtlich unter die Haut: Tattoos, gestochen in Trauer um einen geliebten Menschen, ziehen noch bis Dienstag, 4. September, in der Kundenhalle der Kreissparkasse die Blicke auf sich.

Die Hospizinitiative holte gemeinsam mit der Kreissparkasse die außergewöhnliche Ausstellung nach Melle.

Das Thema ist noch immer ein Tabu: „In der Gesellschaft wird es nicht gerne gesehen, dass wir nicht unsterblich sind“, stellt Elisabeth Sternberg, Vorsitzende der Hospizinitiative, in ihrer ehrenamtlichen Arbeit immer wieder fest. „Wir sind mehr eine Spaß- und Partygesellschaft.“ Trauer passt in dieses Bild nicht hinein. Und doch ist sie ein unvermeidlicher Teil des Lebens.

Der Umgang der Hinterbliebenen mit dem Schmerz und dem Verlust ist sehr persönlich und ganz individuell. Doch immer häufiger findet er Ausdruck in einer Tätowierung, die eine bleibende Verbindung zu dem oder der Verstorbenen auf die Haut bringt. Die Fernsehjournalistin und Trauerbegleiterin Katrin Hartig und die Künstlerin Stefanie Oeft-Geffarth spürten mit ihrem Projekt „Trauertattoo – unsere Haut als Gefühlslandschaft“ diesem Aspekt der Trauerbewältigung nach.

Sensible Porträts

Zwei Jahre lang trafen sie sich mit Menschen in ganz Deutschland, die ihrer Trauer und der Erinnerung sichtbaren Ausdruck verleihen. In Interviews und Fotoshootings entstanden dabei sensible Porträts, die in ihrer Offenheit bewegen. Auch die Bruchmühlenerin Marion Herdtler ließ sich von den beiden Autorinnen der Ausstellung portraitieren. Nach dem Verlust ihres Sohnes habe sie lange Zeit eine große Rastlosigkeit verspürt, berichtete sie den vielen Besuchern, die zur Ausstellungseröffnung gekommen waren.

Schmerz und Ratlosigkeit

Sie zündete Kerzen auf dem Friedhof an, besuchte Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern, trug Schmuck, der sie an ihren Sohn erinnern sollte. Doch der Schmerz und die Rastlosigkeit blieben. Über das Internet kam sie schließlich auf die Idee, mit einem Tattoo eine dauerhafte Verbindung zu ihrem verstorbenen Sohn zu schaffen: „Meine Suche hatte auf einmal ein Ende.“ Und damit steht sie keineswegs allein. Über 200 Zuschriften gingen bei den Autorinnen auf ihren ersten Aufruf hin ein. Aus ihnen wählten Katrin Hartig und Stefanie Oeft-Geffarth 20 Trauertattoos aus. Und jedes einzelne erzählt eine Geschichte.

Aber passen Tod, Trauer und Tattoos überhaupt zusammen? Nicht nur Josef Theißing, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, stellte sich im Vorfeld diese Frage. Die Antwort gab er zur Ausstellungseröffnung selbst: „Tattoos können Trauer und Erinnerung zeigen, ohne gleich darüber reden zu müssen.“ Marion Herdtler formuliert es ähnlich: „Unsere Tätowierungen sind unsere Sprache.“ Und diese Bild-Sprache darf und soll durchaus auch zum tatsächlichen Gespräch einladen.

Denn allzu oft lässt die Trauer eines anderen die Menschen verstummen. Dabei ist das Gespräch weit heilsamer als verunsichertes Schweigen. „Seien Sie mutig“, forderte Marion Herdtler die Ausstellungsbesucher auf, auf Trauernde zuzugehen. Und die Tattoos dürfen dabei ruhig als Gesprächseinstieg dienen.


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