Saatkrähe brütet wieder Singvogel nach 107 Jahren in Melle zurück

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Eine kleine Kolonie Saatkrähen wurde jetzt in Schiplage nachgewiesen. Foto: Eckhard Lietzow,Eine kleine Kolonie Saatkrähen wurde jetzt in Schiplage nachgewiesen. Foto: Eckhard Lietzow,

Neuenkirchen. Das ist nach Meinung der Mitglieder der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) schon etwas Besonderes für Melle: Nach 107 Jahren kehrt eine Singvogelart als Brutvogel zurück. Es handelt sich um die Saatkrähe.

SON-Vorstandsmitglied Volker Tiemeyer wies jetzt zwei Brutpaare in einem Eichenbestand in Schiplage nach.

Die letzte Meller Saatkrähen-Kolonie war vor 107 Jahre im Diestelkamp bei Buer erloschen. Damals brüteten hier noch 300-400 Paare, doch ihre Nester wurden von Menschenhand vernichtet. Die Saatkrähe war nämlich jahrhundertelang verfolgt worden und wurde infolge dessen in Melle wie in weiten Teilen Deutschland praktisch ausgerottet.

Ihr Pech: schlechter Ruf

Schuld daran war sicherlich ihr schlechter Ruf: Seit den Pestzügen und Hexenverfolgungen im Spätmittelalter waren die Krähen als „Totenvögel“ verschriene. Noch heute gelten die Krähen bei Jägern als „Raubzeug“ und ihre Wiederansieldung ist mancherorts ebenso heiß umstritten wie die Diskussion um Abschussverbote.

Das Spektrum der Attribute für den großen Singvogel ist je nach Einstellung zu ihm weit: Mystisch, faszinierend, intelligent oder aasfressend, unheilverkündend oder räuberisch. Eines aber ist sicher: Die Vögel sind hochintelligent. Deswegen hoffte wohl auch 1953 ein Paar, in der Meller Innenstadt vor den Verfolgungen sicher zu sein. Denn es gab es nach den Unterlagen der Ornithologen noch mal dieses eine kurze Intermezzo.

Im Stammland zurück

„Nachdem die Saatkrähe beispielsweise im westfälischen Grenzgebiet bei Bünde 2012 wieder ansässig geworden ist, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sie ihr historisches Stammland in Mellle zurückerobert“, erklärte SON-Ornithologe Florian Seifert.

Ein gänzlich schwarzes Gefieder mit einem nackten weißlich-grauen Gesicht lassen die Saatkrähe für die meisten Menschen nicht gerade attraktiv erscheinen. Dabei ist sie eine sehr sozial lebende Vogelart, die vorzugsweise in Kolonien brütet. Zum Verwechseln ähnlich sieht sie der Rabenkrähe, die jedoch weder ein graues Gesicht zeigt noch in Kolonien brütet.

Im Gegensatz zur Rabenkrähe ernährt sich die Saatkrähe übrigens stärker von Pflanzenteilen sowie Schnecken, Würmern und Insekten.


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