Singen, was Sängern Spaß macht MGV Ober- und Niederholsten wird 125 Jahre alt

Von Conny Rutsch

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Melle. Überall landauf und landab wurde gesungen im vorletzten Jahrhundert, gerne auch in Gesangsvereinen. Der MGV Ober- und Niederholsten pflegt diese Tradition seit 125 Jahren.

Die Gründerversammlung des MGV Ober- und Niederholsten fand im Oktober 1893 statt. Damals verpflichteten sich 20 Personen, dem Verein beizutreten. Laut Paragraph 8 der Vereinsstatuten hieß es damals: „Jedes Vereinsmitglied hat bei seiner Aufnahme ein Eintrittsgeld von 0,50 Mark zu entrichten.“

Schon 15 Jahre später wurde die bis heute erhaltene Vereinsfahne in einem feierlichen Akt geweiht. „Rein wie Gold, stark wie Erz sei das deutsche Sängerherz“ lautete der Fahnenspruch. Der Verein entwickelte sich rasch, und schon 1933 konnte er zum ersten Mal das Kreissängerfest des Sängerbundes Grönegau ausrichten.

Zelter-Plakette

Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, kehrten auch nach dem Zweiten viele Sänger nicht in die Heimat zurück. Aber der Chor fand trotzdem bald zu seiner alten Stärke zurück und feierte 1993 seinen 100. Geburtstag mit einem ganz besonderen Höhepunkt. Zu diesem Anlass erhielt der MGV in Gewandhaus in Leipzig aus den Händen des damaligen Innenministers Rudolf Seiters die Zelter-Plakette mit Urkunde, unterschrieben von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. 1956 war die Zelter-Plakette von Bundespräsident Theodor Heuss als staatliche Auszeichnung für Chöre gestiftet worden, die sich um die Chormusik und das Volkslied verdient gemacht haben.

Fest mit FFN-Frühstyxradio

Viele Höhepunkte kann die Chronik des MGV verzeichnen. Einer davon ist das Volksfest im Jahr 1998. Das bekannte FFN-Frühstyxradio sorgte damals mit Dietmar Wischmeyer und Sabine Bulhaupt für viel Publikum ebenso wie Ecki Stieg und die Top-Fourty-Band „Spaceball“.

Heute hat der MGV Ober- und Niederholsten 27 Sänger im Alter zwischen 20 und 73 Jahren. Insgesamt sorgen 100 aktive Mitglieder für ein reges Leben in dem stattlichen Musikverein.

Von bösen Fröschen

In der Festschrift zum 100. Geburtstag des MGV kamen auch die Plattdeutschen zu Wort, denn auch diese Sprache pflegt der Verein nicht nur im „Holster Lied“. Nach der Melodie der bekannten Nordseewellenmelodie singen die Holster in der ersten Strophe:

„Wor de Wech so steel to Biärg un Brinke geht,

wor so henn un wihe son littket Hüsken steht,

wor de Röben wasset un dat Tabakskrut,

dor is Üörmholsten, dor sin wi tohus.“

Und selbstverständlich ranken sich um den Männergesangverein auch plattdeutsche Geschichten. Wie diese: Gespeist von einem Flüsschen, gab es in Oberholsten etliche Tümpel, an denen die Bauern früher ihren Flachs anbauten. Reutekuhlen wurden die kleinen Gewässer genannt. Hierher kamen im Frühjahr die Frösche, deren Nachwuchs plattdeutsch Poggen genannt werden, um lautstark Hochzeit zu feiern. Die Anwohner schimpften über diese „Reutekuhlenbölker“. Und nun erzählt der Chronist auf plattdeutsch weiter:

„Beuse Tungen behauptet nu, dat düsse Reutekuhlenbölker de Ur-Ur-Urahnen von den Gesangsverein sind. Ower dat stimmt nich, dat weet ich biäter. Wenn de Kerls willt, denn kürnt de singen wi`n Nachtigall, de geiv et dormols nämlich auk noch in Holsten. Dat Bölken geht immer erst dann an, wenn dor torvierl Brannewien tüsken is.“

Frieda- und Anneliese

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, der Theaterbühne also, kann sich der MGV seit dem Jahr 2003 ebenfalls zu Hause fühlen. Und das gleich in großem Rahmen. Am 10. Mai des Jahres fand im „Theater am Aegi“ in Hannover die Premiere zu Dietmar Wischmeyers Theaterstück „Frieda sei mit Euch aber auch Anneliese“ statt. Und ganz am Ende des Stückes als Highlight trat der MGV mit einem Lied auf. Sogar der damalige Ministerpräsident Niedersachsens Christian Wulff war anwesen.

Zwei Jahre lang immer im Herbst tourte der MGV mit diesem Stück über die Theaterbühnen von Bielefeld und Bremen, Cloppenburg, Sulingen und Osnabrück und feierte das Ende seiner Theaterzeit mit einem Schlussauftritt im Tempodrom in Berlin.

Seit 1893 standen zwölf Chorleiter dem MGV musikalisch vor. Waren es in den Anfangszeiten in erster Linie Lehrer, die den Männern das deutsche Liedgut beibrachten, so steht heute eine junge Frau am Pult.

Und die feiert mit ihrem MGV gleich auch ein Jubiläum. Seit zehn Jahren führt Rebecca Stelzl mit großem Engagement „ihre“ Männer nicht mehr ausschließlich durch das tradierte Männerchorrepertoire, sondern setzt sich auch selbst mal übers Notenpapier, um moderne Songs für den MGV singbar zu machen.

Das Repertoire des Chores ist somit sehr umfangreich und umfasst von klassischen Liedern bis zu Hits von den Sportfreunden Stiller alles, was den Sängern und Zuhörern Spass macht. Denn der steht ganz oben auf der MGV-Tagesordnung.

Der Erfolg der vergangenen Jahre ist dem großen Engagement der Chorleiterin Rebecca Stelzl zu verdanken, wie es aus den Reihen des MGV heißt.

Und ein großer Pool an Pianisten und Chorleitervertretungen sorgen ebenfalls für professionelle Unterstützung bei Konzerten wie Lena Pampus, Daria Bergen, Anne-Sophie Lahrmann und Jens Niemann.

Der MGV Ober- und Niederholsten begeht sein Jubiläum am Wochenende vom 24. bis 26. August im Festzelt und mit einem Umzug sonntags ab 14 Uhr Start am Heidering.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN