Spielsüchtig und 100.000 Schulden Meller hat gleich neun Verfahren am Hals

Von Anne Neul

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Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaSymbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Melle/Bünde. Ein junger Meller hat sich vor dem Bünder Amtsgericht im dritten von mindestens neun Verfahren verantwortet. In einem Jahr hatte er 100.000 Euro Schulden angehäuft, das Geld bei Sportwetten verspielt und mit Betrügereien neues besorgt.

Die Geschichte, die sich der Angeklagte ausgedacht hatte, war ziemlich ausgeklügelt: Markus S. (Name geändert) gab sich am 8. August 2017 in einem Bünder Sportgeschäft als Mitarbeiter eines Bielefelder Audi-Zentrums aus, der für sein Unternehmen hochwertige Sportbekleidung bestellen sollte.

„Ich bin schuldig“

Die Mitarbeiter des Sportgeschäfts glaubten ihm und bestellten die Ware, einen Tag später orderte der Meller per E-Mail sogar noch einmal Ware nach – für über 3000 Euro – und holte sie am 11. August ab. Auf das Geld wartete das Sportgeschäft jedoch vergeblich. Stattdessen verkaufte der heute 24-Jährige die Ware weiter.

„Ich war spielsüchtig“, erklärte der Angeklagte vor dem Amtsgericht Bünde. Er habe das gemacht, weil er Geld brauchte. Die Ware verkaufte er im eigenen Fitnessstudio sowie an Freunde und Bekannte. „Ich bin schuldig“, räumte der Angeklagte freimütig ein. „Ich habe viel Mist gebaut.“ Weitere Gerichtstermine kommen auf ihn zu. Zwei Verfahren liegen hinter ihm, mindestens sechs am Amtsgericht Osnabrück und Landgericht Bielefeld stünden noch aus, sagte der Mann. In einem Jahr habe er 100000 Euro Schulden angehäuft, das Geld bei Sportwetten verspielt.

„Da hatte ich noch ein Auto“

Bereits vor der Lügengeschichte im Bünder Sportgeschäft hatte der Angeklagte eine eidesstattliche Versicherung abgegeben und seine finanzielle Situation darlegen müssen, trug der Vorsitzende Richter am Bünder Amtsgericht vor. „Da hatte ich noch ein Auto“, sagte der Angeklagte. Inzwischen habe sich seine finanzielle Situation weiter verschlechtert. Er wohne bei seiner Mutter, ist arbeitssuchend. Die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann habe er vergangenes Jahr abgebrochen.

Erst mal abwarten

In einer Tagesklinik habe er gerade eine zweimonatige Therapie gemacht, erklärte der Angeklagte auf Anfrage des Amtsanwaltes als Vertreter der Staatsanwaltschaft. Momentan warte er auf einen Platz für eine stationäre Therapie, doch das könne bis zu drei Monate dauern. Seine Ausbildung wolle er fortsetzen, allerdings wisse er angesichts der vielen Verfahren nicht, wie sein Leben weiter verlaufe. Deshalb wolle er die erst einmal abwarten.

Er wirkt clever

Positiv zu bewerten sei, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt noch nicht vorbestraft gewesen sei und die Tat eingeräumt habe, meinte der Amtsanwalt. Weiterhin, dass er aus Suchtdruck gehandelt habe, eine erste Therapie absolvierte und auf einen stationären Therapieplatz warte. Auch sei es ihm in dem Geschäft recht leicht gemacht worden, ohne seine Angaben zu überprüfen. Negativ zu werten sei die beträchtliche Schadenshöhe. Der Amtsanwalt beantragte 90 Tagessätze á 5 Euro sowie den Schaden zurückzuzahlen.

Kreative und ausgeprägte kriminelle Energie

Dem folgte der Richter. „Unter Vorspiegelung einer falschen Identität“ habe der Angeklagte die Ware bestellt und sogar eine E-Mail-Adresse mit falschem Namen angelegt. Für so eine Geschichte müsse man sich schon ein paar Gedanken machen, um sie zu erfinden. Dazu bedürfe es einer kreativen und ausgeprägten kriminellen Energie. Durch die hohen Schulden sei der Angeklagte jedoch fast schon bestraft genug. Der 24-Jährige mache einen cleveren Eindruck, sagte der Richter. Er könne nur eindringlich auf ihn einreden und hoffe, dass er wieder auf den rechten Weg finde. Der Meller akzeptierte das Urteil, somit ist es rechtskräftig.


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