Er poliert Bauernkind-Image auf Meller will mit angesagten Klamotten ein Zeichen setzen

Von Antonia Wahmhoff und Christoph Franken

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Mit viel Kreativität wollen Lukas Meyer-Tonndorf, Jost Teepker, Jan Möllenbrink und Jannik Altpeter (von links)) das „Bauernkind“-Image verbessern. Foto: Antonia WahmhoffMit viel Kreativität wollen Lukas Meyer-Tonndorf, Jost Teepker, Jan Möllenbrink und Jannik Altpeter (von links)) das „Bauernkind“-Image verbessern. Foto: Antonia Wahmhoff

Neuenkirchen/Göttingen. Jüngste Schlagzeilen über Kinder von Landwirten, die in der Schule wegen ihrer Herkunft ausgegrenzt werden, waren für den Studenten Jost Teepker aus Melle und seine Freunde Auslöser für eine Initiative: Sie wollen das vermeintliche Schimpfwort "Bauernkind" positiv besetzen und schufen dazu eine Kollektion von Pullovern mit dem Schriftzug "Bauernkind".

„Mit breiter Brust zeigen, wer man ist und woher man kommt“ ist das Motto der fünf Freunde. Überbringer dieses klaren Statements sollen Pullover und T-Shirts mit dem Aufdruck „Bauernkind“ sein. Die Idee dazu schwirrte Teepker schon länger im Kopf herum. Der 24-Meller studiert Agrarwissenschaften in Göttingen. Als das Thema Mobbing von Bauernkindern sogar bundesweit Schlagzeilen machte, wollten er und seine Kommilitonen was tun: „Es bringt nichts, darüber zu jammern, da man muss einfach handeln.“ So hat er gemeinsam mit vier Göttinger Freunden die Aktion „Bauernkind“ ins Leben gerufen. „Das Wort ist in aller Munde. Es soll aber nicht abstempeln, sondern modern und dynamisch sein“, sagte Teepker. 

Erst nur für Freunde

Zunächst plante das Team das Projekt im kleinen Rahmen. In Zusammenarbeit mit einer befreundeten Mediendesignerin wurde ein erster Entwurf entwickelt und dann ein Satz Pullover für den engeren Freundeskreis bedruckt. „In der Uni und in unseren Heimatorten wurden wir daraufhin immer wieder auf die Pullis und den Slogan angesprochen“, freute sich Teepker. „Das positive Feedback bestärkte uns.“

Aus der Idee, die zwischen Masterarbeit, Bauernhof und Biergarten entstanden ist, wurde so ein angemeldetes Kleinunternehmen. Das hieß für die Studienkollegen, sich mit den Bestellwegen der Textilien ebenso vertraut zu machen wie mit Rechtsfragen, dem Datenschutz und einer Homepage mit Online-Shop (www.bauernkind.de). Neben kreativen Produktnamen aus dem Traktoren-Bereich wie „Klahs“, „Käis“ und „Doits“ legen die Agrarstudenten Wert auf eine nachhaltige Herstellung aus fair gehandelter Biobaumwolle und möglichst kurze Lieferwege. Parallel zum Uni-Alltag werden ständig soziale Netzwerke bespielt, Anfragen beantwortet und Pullover am WG-Küchentisch versandfertig gemacht.

 Statt Nutztierwissenschaften hieß die Herausforderung dann auch schon mal „Nähmaschine“, denn bei den ersten 30 Pullis legten die Freunde beim Einnähen der Etiketten in einer kleinen Göttinger Nähstube selbst Hand an. „Wir merkten aber schnell, dass unsere Stärken woanders liegen“, berichtete er mit einem Lächeln.

Ein Zeichen setzen

Mit den Kleidungsstücken wollen die Studenten ein Zeichen setzen: Es soll sich jeder angesprochen fühlen, der sich mit „Bauernkind“ identifizieren kann. „Wir sind uns bewusst, dass die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit aktuell keinen leichten Stand hat. Die Selbstwahrnehmung der Landwirte und die Außenwahrnehmung der Verbraucher sind oft sehr unterschiedlich“, weiß Teepker. Über die Aktion Bauernkind könnten aber beide Seiten  auf positive Weise ins Gespräch kommen. "Wir wollen darüber reden, was moderne Landwirtschaft bedeutet, und zwar aus der Innensicht – ehrlich und selbstkritisch.“ Klischees wollen sie mit ihrem Label aber nicht bedienen, da sind sich die Jungs einig.

Aktuell zieht „Bauernkind“ Kreise. Es gibt erste Bestellungen aus Süddeutschland und der Schweiz. Die Zukunft wollen die „Bauernkinder“ aber erstmal auf sich zukommen lassen. „Auf jeden Fall wollen wir auch den Kids etwas bieten“, verriet Teepker mit einem Zwinkern.

Drei Wochen Wartezeit

Wer über den Online-Shop bestellt, muss auf die Auslieferung rund drei Wochen warten. "Wir sammeln wellenweise die Aufträge und geben sie dann an den Hersteller weiter", erklärte Jost Teepker am Dienstag. Sobald die Lieferung eintreffe, werden sie dann von den Studenten verschickt. Er hält sich zur Zeit während der Semesterferien in Neuenkirchen auf.  


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