Noch heute haben seine Bilder viele Fans Der Künstler Hermann Schluer

Von Uwe Plaß


Melle. Er gehörte über Jahrzehnte zum Meller Stadtbild. Der Mann mit der Staffelei war ein vertrauter Anblick in Melle. Auch wenn er gerne lokale Motive malte, war Hermann Schluer aber beileibe kein Heimatmaler.

Melle Schluer wurde am 7. Dezember 1885 in Melle geboren. Sein Elternhaus befand sich an der Plettenberger Straße. Es ist daher nur verständlich, dass sich der Blick aus dem Fenster in die Wallgärten in vielen seiner Bilder wiederfindet. Sein Weg führte ihn jedoch nicht gleich zur Malerei. Ab 1900 absolvierte er zunächst eine Lehre als Modelleur für Architekturplastik in Bremen und besuchte anschließend die dortige Kunstgewerbeschule.

Kauernder Hase

Später ging er für weitere Studien nach Berlin, wo er angeblich sogar an der Ausgestaltung des Märchenbrunnens im Volkspark Friedrichshain beteiligt war.

Vermutlich kehrte er bereits vor dem Ersten Weltkrieg nach Melle zurück. Über eine Kriegsteilnahme ist nichts bekannt. In dieser Zeit nannte er sich noch ausschließlich Bildhauer. Eine Ironie, wenn man bedenkt, dass heute vermutlich nur noch eine seiner Skulpturen – der kauernde Hase – erhalten ist.

Wie die meisten Künstler war Schluer finanziell nicht auf Rosen gebettet. Er lebte bei seiner Mutter, die mit einem kleinen Laden mehr schlecht als recht für den Unterhalt sorgte. Regelmäßig stellte Schluer wie viele bildende Künstler Anträge auf staatliche Unterstützung.

Die entsprechenden Akten im Landesarchiv Osnabrück sind sehr interessant.

Schluer legte seinen Anträgen Werkverzeichnisse bei, und die Stadt Melle wurde zu einer Einschätzung seines künstlerischen Wirkens aufgefordert. Aus heutiger Sicht natürlich etwas befremdlich ist die Aussage Bürgermeister Meyer zum Gottesberges. Durchaus wohlwollend weist er in seiner Stellungnahme aber darauf hin, dass Schluer angeblich „krankhaft veranlagt“ sei. Nach dem Sprachgebrauch der damaligen Zeit hieß das schwul und war strafbar. Geschadet haben Schluer diese Gerüchte erstaunlicherweise nicht. Er erhielt mehrfach staatliche Unterstützung und konnte sogar während der NS-Zeit an Ausstellungen teilnehmen.

Schluer hatte zeitlebens keinen Mäzen und war weit davon entfernt, sich selbst zu vermarkten. Symptomatisch ist eine Antwort an die Behörden in Osnabrück.

Bild des Jammerns

Dort hatte man ihm vorgeschlagen, doch auch mal Werke zu verkaufen. Er erwiderte, das ginge nicht, da er seine bisherigen Werke überwiegend für seine künstlerische Weiterentwicklung bräuchte. Als Maler war er wohl Autodidakt.

Dennoch gelangten schon zu seinen Lebzeiten einige Werke in Privatbesitz, oft Auftrags- bzw. Porträtarbeiten. Selbst wenn er verkaufte, verlangte er aber nur sehr niedrige Preise. Es ist daher leider eine traurige Fortsetzung, was mit seinem Nachlass geschah. Schluer verstarb am 11. September 1970 im Altersheim in Buer.

Sein Atelier in der Haferstraße bot dort ein Bild des Jammers. Zerschlagene Skulpturen, Bilder, die chaotisch auf dem Boden lagen usw. Schließlich wurden seine Werke für kleines Geld verramscht.

Heute werden diese Bilder anders wertgeschätzt. Sie hängen in zahlreichen Privathaushalten und auch das Kultusministerium nennt mehrere „Schluers“ sein Eigen. Sie zeigen realistische Motive aus einem Melle, das es so nicht mehr gibt, Menschen, Landschaften, Stillleben usw.

Allen gemein ist, dass sie von einem wirklich großen Künstler unserer Region stammen. Die Stadt Melle würdigte dies 1996, als sie in Eicken-Bruche die Hermann-Schluer-Straße nach ihm benannte.


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