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Steuergeld ans Ufer gesetzt An diesem Meller Bootssteg fuhr noch nie ein Kanu ab

Von Christoph Franken

Betonstufen und ein Pfahl für die Halteleinen der Boote: Unbenutzt bleibt diese vom Steuerzahler mitfinanzierte Anlegestelle für Kanus. Foto: Christoph FrankenBetonstufen und ein Pfahl für die Halteleinen der Boote: Unbenutzt bleibt diese vom Steuerzahler mitfinanzierte Anlegestelle für Kanus. Foto: Christoph Franken

Bruchmühlen. Im Jahr 2015 als neues touristisches Angebot von der Stadt Melle geschaffen, aber noch nie benutzt: Der Bootsanleger unterhalb des Else-Wehres im Stadtteil Bruchmühlen. Ein kommerzieller Bootstouren-Anbieter aus Herford, der die Anlage betreiben wollte, ist stocksauer und steht nicht mehr zur Verfügung.

Die Idee wurde vor drei Jahren vom Stadtmarketing und der angrenzenden nordrhein-westfälschen Gemeinde Rödinghausen nicht nur begrüßt, sondern auch finanziell unterstützt. Dahinter stand nämlich der Gedanke, parallel zum beliebten Else-Werre-Radweg im Bereich der Else einen Bootsanleger zu schaffen, um das Gewässer für Kanu-Touren nutzen zu können. Ein Anbieter solcher Bootsfahrtenaus Herford wollte die Anlage betreiben.

Das kommunalübergreifende Projekt auf niedersächsischer Seite war vom Landkreis Osnabrück genehmigt worden. Anschließend wurde der Bootsteg aus Beton mit Einstiegsstufen unterhalb des kleinen Wehres realisiert. Die Bootsfahrten sollten von dort flussabwärts rund zwei Kilometer auf der niedersächsischen Else und dann weiter Richtung Bünde auf dem Flussabschnitt des Nachbarlandes stattfinden.

Aber dazu kam es nie: Ein Fischereiverein bezweifelte unter Hinweis auf europäisches Umweltschutzrecht, dass auf dem Streckenabschnitt solche Bootsfahrten zulässig sind. Und die Angler hatten recht: "Bei der Else im Stadtgebiet von Melle handelt es sich um ein sogenanntes FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Gebiet) und damit um ein europäisches Schutzgebiet", bestätigte Stadtsprecher Jürgen Krämer am Dienstag auf Anfrage. "Schutzgegenstand" sei unter anderem der Steinbeißer. Das ist ein nachtaktiver Fisch, der am Grund der Gewässer lebt. Darüberhinaus weise die Else naturnahe Abschnitte mit flutender Wasservegetation auf, die ebenfalls schützenswert seien", sagte Krämer.

In einem FFH-Gebiet darf nichts unternommen werden, was zu einer Verschlechterung der bestehenden Situation führt. Daher ist es erst mal Essig mit Kanufahren. Der potentielle gewerbliche Betreiber der Anlage , Andreas Brünger, Inhaber von "Indian Summer",  ist verständlicherweise entsprechend sauer und hat die Sache für sich abgehakt..

Ob es überhaupt eine neue Chance gibt, liegt nicht zuletzt an der Landkreisverwaltung. Die will bis Ende des Jahres eine Schutzgebietsverordnung erstellen. Nur darin kann eventuell  geregelt werden, ob sich beispielsweise Kanufahren mit den FFH-Erhaltungszielen in Übereinklang bringen lässt. Auf jeden Fall müsse für gewerblich angebotene Kanutouren auch dann eine "wasserbehördliche Benutzungserlaubnis" beantragt werden, erklärte der Stadtsprecher. Dazu habe der Betreiber dann aber auch eine FFH-Verträglichkeitsstudie vozulegen. 

"Ich werde das auf keinen Fall tun, denn ich lasse mich von den Behörden des Landkreises Osnabrück und der Stadt Melle nicht länger vera.....", sagte Andreas Brünger. Allein die Veträglichkeitsstudie würde ihn mehrere zehntausend Euro kosten. Der Landkreis habe die Anlage 2015 genehmigt, obgleich dort das FFH-Gebiet bereits sei 2013 bestanden habe. Brünger bezieht sich auf das Allgemeingebrauchsrecht des Flusses. Die Absage des Kreises vesrtößt seiner Meinung nach gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. "Der Landkreis sollte entsprechende Gerichtsurteile kennen", schimpfte er.

Für Brünger steht fest, dass seinerzeit der örtliche Angelverein "massiven Druck" gegen die Anlage ausgeübt habe. Dazu sei fast zeitgleich die öffentliche Kritik an einem Kahlschlag der Stadt an Bäumen und Büschen entlang des Else-Ufers gekommen. Zudem sei der Landkreis Osnabrück wegen seines miserablen Krisenmanagements bei einem Biogas-Anlagenunfall stark kritisiert worden und habe dafür in NRW einen Anti-Umweltpreis erhalten. Damals flossen tausende Liter Gülle in die grenznahen Gewässer und hatten ein Fischsterben ausgelöst. "Unter dem Druck sind die eingeknickt und wir hatten den Schaden", sagte Brünger. Er sei erfahren im Umgang mit Behörden in NRW, aber so etwas wie in Niedersachsen habe er noch nie erlebt. "Ich will mit den Zuständigen beim Landkreis Osnabrück und der Stadt Melle nichts mehr zu tun haben, für mich ist das gelaufen."





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