Van Goghs Leben auf der Leinwand Kunstvolles Kino in lauwarmer Nacht in Melle

Von Marita Kammeier

Nach Sonnenuntergang beginnt der Film. Etwa 300 Besucher verfolgten „Loving Vincent“ auf dem Hof Seidel-Lott in Suttorf. Foto: Marita KammeierNach Sonnenuntergang beginnt der Film. Etwa 300 Besucher verfolgten „Loving Vincent“ auf dem Hof Seidel-Lott in Suttorf. Foto: Marita Kammeier

Neuenkirchen Es war ein Sommerabend mit Temperaturen um die 25 Grad, wie geschaffen für das Freiluftkino. Der zutiefst berührende Film „Loving Vincent“ entführte die Besucher in die farbgewaltigen Bilderwelten des berühmten Malers.

Es war bereits die sechste Veranstaltung auf dem Hof Seidel-Lott in Suttorf, zu der die Kulturhistorikerin Susanne Tauss vom Landschaftsverband Osnabrücker Land das Publikum begrüßte. Das diesjährige Motto „Raus ins Grüne“ passt perfekt zu Vincent van Gogh, der am liebsten in der freien Natur malte, betonte Holger Tepe von der Film- und Bildungsinitiative.

Die Filmreihe „Sommerflimmern -Kino auf dem Lande“ findet an 14 verschiedenen Standorten statt. Suttorf ist dafür bekannt, dass Kunst und Kultur in dem mehr als tausend Jahre alten Ort wertgeschätzt werden. „Wir wollen das gepflegte Ambiente der landwirtschaftlichen Betriebe zeigen“, erklärte der Hausherr Ulrich Seidel. Das sei jedoch nur machbar, wenn alle im Dorf mithelfen würden.

Bereits eine Stunde vor dem Beginn des Films waren daher fast alle Sitzplätze belegt. Den Start leiteten die Grönegauer Jagdhornbläser ein. Etwa 300 Besucher flanierten entspannt umher und interessierten sich für das von den Landfrauen Neuenkirchen, der Jägerschaft sowie der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz gestaltete Rahmenprogramm.

Leben wird lebendig

Nach Sonnenuntergang war es dann soweit: Die Filmpremiere „Loving Vincent“ unter der Regie von Dorota Kobiela eröffnete einen Blick in das Gesamtkunstwerk van Goghs. Mehr als einhundert Künstler wirkten mit. Es ist der erste Film, der nur aus Ölgemälden erschaffen wurde, und das Leben und Leiden des Malers in filmischer Umsetzung lebendig werden lässt.

Vincent van Gogh, ein Wegbereiter der modernen Malerei, verkaufte zu Lebzeiten nur eines seiner Bilder. Er malte bis zum Ende seines Lebens und erschoss sich angeblich in den Feldern von Auvers-sur-Oise. Doch die Wahrheit kam nie ans Licht. Der Tod zerstörte auch Vincents Bruder Theo.

Im Jahr 1891reiste der junge Armand Roulin in den tragischen Ort und suchte nach Hinweisen. In Gesprächen mit Personen, die den Maler in den letzten Jahren kennengelernt hatten, reagierten die Leute jedoch oft gereizt.

Malen in Wäldern und Feldern

Die Zuschauer nahmen intensiv teil am Leben Vincent van Goghs, der in nur acht Jahren vom Amateur zum erfolgreichen Maler avancierte. Am liebsten malte der Künstler in der Zeit von 8 Uhr bis 17 Uhr in Wäldern und Feldern. Er schnaufte wie eine Dampfmaschine und wurde ganz ruhig, wenn er das richtige Licht eingefangen hatte.

Das Rätsel um seinen Tod wurde nicht gelöst, doch die Begeisterung für die Kunstwerke van Goghs bleibt.


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