Schwere Vorwürfe gegen Badepersonal Nach Badeunfall in Melle: Kind weiterhin in der Klinik

Von Simone Grawe

Mehr als 1000 Gäste tummeln sich dieser Tage im Meller Wellenfreibad. Das Bild entstand in der vergangenen Woche. Foto: Simone GraweMehr als 1000 Gäste tummeln sich dieser Tage im Meller Wellenfreibad. Das Bild entstand in der vergangenen Woche. Foto: Simone Grawe

Melle. Über den Gesundheitszustand des vierjährigen Jungen, der am Samstagnachmittag in das Sprungbecken im Wellenfreibad in Melle gefallen war, gibt es keine neuen Erkenntnisse. Das erklärte Polizeisprecherin Anke Hamker am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion.

In den sozialen Netzwerken hat der tragische Unfall mit dem Kleinkind unterdessen eine große Welle an Reaktionen ausgelöst. Dabei wurden Vorwürfe gegen das Badepersonal erhoben, und auch vielfach die Frage gestellt, warum der vierjährige Junge offenbar unbeaufsichtigt in das Becken fallen konnte.

„Gefragt, ob ich helfen kann“

Ein Sanitäter, der sich gemeinsam mit einem der Schwimmmeister und einer Krankenschwester sowie zwei weiteren Ersthelfern um das verunglückte Kind gekümmert hatte, berichtete in einem Gespräch mit unserer Redaktion von weiteren Details. Nach seiner Schilderung sei es der Vater des vierjährigen Jungen gewesen, der ein anderes am Kopf verletzte Kind zu dem Badepersonal gebracht habe, um es behandeln zu lassen. Das Kind habe am Kopf stark geblutet, woraufhin sich alle vier Bademeister um die Kopfverletzung gekümmert hätten: „Ich habe noch gefragt, ob ich helfen kann,“ schilderte der Sanitäter. Dies hätte das Personal aber abgelehnt: „Die waren völlig überfordert“, so die Einschätzung des Sanitäters.

Zeitgleich müsse dann wohl der Vierjährige in das Sprungbecken gefallen sein. Zwei Jungen hätten dann den leblosen Körper des Vierjährigen entdeckt und das Badepersonal darauf hingewiesen. Die Mutter des Vierjährigen sei nicht im Freibad gewesen. Die Polizei konnte diese Angaben nicht bestätigen.

„Waren überfordert“

Henry Matz, ein Badegast aus Osnabrück, teilte gegenüber unserer Redaktion mit, dass er eine Anzeige gegen das Badepersonal wegen Verletzung der Aufsichtspflicht erstatten wolle. Es sei nicht nachzuvollziehen, so der Großvater einer zehnjährigen Enkelin, dass sich vier Rettungsschwimmer gleichzeitig um einen Kopfverband kümmerten, anstatt ein Auge auf die anderen Becken zu werfen.

Der tragische Unfall hatte sich am Samstagnachmittag gegen 16 Uhr ereignet. Der vierjährige Junge war offenbar unbemerkt ins Wasser gefallen. Er wurde von Ersthelfern reanimiert und nach den Erste-Hilfe-Maßnahmen mit einem Rettungswagen in ein Osnabrücker Krankenhaus gebracht.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN