Künstlicher Stollen wird angelegt In Melle entsteht ein Quartier für Fledermäuse

Von Christoph Franken


Sie heißen Zwergfledermaus, Braunes Langohr oder Kleine Bartfledermaus. Für sie und ihre Verwandten wird ein neues, unterirdisches Quartier am Kellenberg im Meller Stadtteil Buer errichtet. Initiator dieses im Landkreis Osnabrück einzigartigen Vorhabens ist die Meller Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON).

Fledermäuse faszinieren gleichermaßen durch ihr anmutiges Aussehen und bizarres Verhalten, doch geeignete Unterschlupfmöglichkeiten für diese nachtaktiven Tiere werden immer seltener. „Ihnen muss schlichtweg unter die Armen gegriffen werden“, sagte Gerhard Hagensieker, der das Projekt für die SON maßgeblich leitet. Deshalb wird zurzeit im Rahmen des Vorhabens „Fledermaus-Stollen Melle“ im Großen Kellenberg ein untertägiger, begehbarer Hohlraum aus vier Tonnen schweren Betonprofilen gebaut.

Frostfreies Schlafen

Dafür müssen in den nächsten Wochen noch an unterschiedlichen Orten im Stollen Spaltenquartiere in Form von speziellen Hohlkammersteinen angebracht werden. Glatte Wände wären nämlich kein gutes Fledermaus-Versteck. Die Spaltenquartiere und das feuchte, jedoch frostfreie Mikroklima des Stollens sind besonders wichtig für überwinternde Fledermäuse.

Fledermäuse halten in der kalten Jahreszeit Winterschlaf in Hohlräumen unterschiedlicher Struktur. „In diesen Örtlichkeiten, die sich tief unter der Erdoberfläche in natürlichen oder künstlichen Hohlräumen befinden können, verbringen sie einen Großteil des Jahres, sodass dem Winterquartier eine elementare Bedeutung im Leben einer Fledermaus zukommt“, erläuterte Astrid Kienker, die sich gemeinsam mit weiteren Mitstreitern der SON für die Tiere einsetzt. Doch solche Hohlräume, die auch noch das für Fledermäuse passende Kleinklima aufweisen müssen, seien eine absolute Seltenheit.

Bauhelfer gesucht

Für das rund acht Meter lange Bauwerk, das mit finanzieller Unterstützung des Landkreises, der Stadt, der Sparkassen-Bürgerstiftung und privater Mittelgeber errichtet wird, sind noch weitere umfangreiche Detailarbeiten erforderlich. So ist beispielsweise die komplette Stollendecke einschließlich einer aufwendigen Überwallung aus Sand und Lehm durch ehrenamtliche Handarbeit umzusetzen. Nur so kann der Bau richtig isoliert und das für Fledermäuse wichtigen Kleinklimas im Stollen erzeugt werden.

Für diese Arbeiten werden noch fleißige Hände gesucht. „Und wir von der Stiftung werden den Helfern selbstverständlich mit Speisen und Getränken auf der Baustelle danken“, erklärten Florian Seifert und Volker Tiemeyer vom SON-Vorstand.

Wer bei der Errichtung des Fledermausstollens tatkräftig mit anpacken oder ihn finanziell fördern möchte, der sollte sich unbedingt mit der SON in Verbindung setzen: Telefon 05422/9289328 oder kontakt@son-net.de


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