Japaner zu Besuch im Grönegau Meller Esperantist hat Freunde in aller Welt

Von Martina Ewert


Melle Zwar auf dem Territorium der Stadt Melle aber auf einer sprachlich neutralen Ebene fand der Besuch des Japaners Kosaburo Tokiwa bei Manfred Kloweit-Herrmann statt. Beide vereint die Begeisterung, Esperanto zu sprechen.

Eine leicht erlernbare Plansprache, die keinem Land zuzuordnen ist. Jeder verlässt seine Muttersprache, um auf Augenhöhe zu kommunizieren. Kosaburo Tokiwa ist unterwegs zum Esperanto-Weltkongress in Lissabon, der Weg dorthin führt ihn über Meesdorf. Die internationale Gemeinschaft der Esperantisten lässt die Welt zusammenrücken.

„Waldbaden“

Kosaburo Tokiwa aus Japan war viele Jahre Mitarbeiter eines Automobilkonzerns. Vor 50 Jahren hat er begonnen, Esperanto zu lernen. Heiratete, wurde Vater von 3 Kindern, eine Tochter verstarb. Frau Tokiwa ist zu Hause geblieben, betreut den 103-jährigen Vater. Liebevoll erzählt Herr Tokiwa, dass er sich, auch wenn er den Aufenthalt genießt, auf die Rückkehr freut.

Seinen acht Enkelkindern möchte er die Sprache näher bringen. Für die er nun, im Alter von 70 Jahren, wieder mehr Zeit hat. Familie Tokiwa wohnt auf der nördlichsten Hauptinsel Japans, Hokkaido, in dem Ort Kyuusyuu. Die Gegend hier unterscheidet sich vom Grönegau, es ist karger, Vulkane waren hier aktiv.

Steile Berge bestimmen den Landstrich, es ist weniger bewaldet. Deutschland beschreibt er als „beruhigendes Land“ für ihn, meint die politischen Umstände aber auch einen Waldspaziergang, welchen er mit „Waldbaden“ gleich setzt. Er lernte Esperanto, um Kontakt zu anderen Kulturkreisen zu erlangen. Mahatma Gandhis gewaltfreies Eintreten für Freiheit und Unabhängigkeit war für ihn prägend, als junger Mann wohnte Kosaburo Tokiwa im Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. „Wenn die Menschen weltweit eine Sprache sprechen, sich verstehen, ist dies zwar kein Garant für Frieden, aber eine gute Grundlage“ so Kosaburo Tokiwa.

Humanistischer Ansatz

Schnell hört sich auch der Laie herein in die Sprache, und beide scheuen sich nicht, Wörterbücher zur Hand zu nehmen. Der Japaner greift technikaffin zum Smartphone, Kloweit-Herrmann schlägt im gebundenen Wörterbuch nach. Für den Gast aus Japan kommt hinzu, dass die Japanische Schriftsprache aus Logografie und Silbenschrift, nicht aus Buchstaben gebildet wird.

Wie findet man zueinander? Manfred Kloweit-Herrmann erzählt, dass er bereits drei Esperantisten in Melle zu Besuch hatte. Es gibt eine Liste der Esperantofreunde im Internet „Ich habe jemanden in meiner Generation gesucht, um Gemeinsamkeiten zu haben und über ähnliche Dinge sprechen zu können“ erzählt er. Via Skype kommunizieren die Esperantisten von Angesicht zu Angesicht oder schriftlich per E-Mail.

„Leider ist Melle nicht so beliebt als Ziel. Ein Esperantofreund aus Köln berichtet, dass Couchsurfer häufig bei ihm über das Netzwerk eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Diese, meist Rucksacktouristen, melden sich kurz über das Netz an – jeder kann kommen, wenn es passt, pennen, bekommt am Morgen einen Kaffee und trollt sich dann wieder“ beschreibt Kloweit-Herrmann das unkomplizierte Zusammenkommen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern. Esperanto hat, anders als Englisch, einen umfassenderen, humanistischen Ansatz. Englisch als Weltsprache muss man können, aber Esperanto verstehen Manfred Kloweit-Herrmann und Kosaburo Tokiwa als einen kleinen Teil der Welt, den man sich erobert. Es entstehen persönliche Beziehungen, manche eng, manche weniger eng. Ein Kleinod der Menschlichkeit.

Geheimsprache

Der Gastgeber überraschte zum Frühstück in einem Judoanzug, die Sportart hat der pensionierte Polizist früher ausgeübt. Und er erfuhr, dass Judo überwiegend von Hafenarbeitern im Umfeld des Gastes ausgeübt wird. Tokiwa selbst pflegt Kendo, einen japanischen Schwertkampf. So erfährt man Kleinigkeiten und Details über ein weit entferntes Land.

Nach dem Rathaus geht es weiter in den Grönenbergpark. Naturgenuss an der Friedenshöhe und den Saurierspuren standen auf der Agenda und die Bedeutung der Stolpersteine in Buer wurden dem Gast nahe gebracht. Zwei Tage verbringt der japanische Gast in Melle, bevor Manfred Kloweit-Herrmann ihn nach Hannover zum Flughafen bringt und es weiter nach Lissabon geht.

In der jüngeren Generation erfährt Esperanto, die seit 1887 als Plansprache existiert, derzeit eine Faszination als Art Geheimsprache, erzählt Kloweit-Hermann weiter. Klare Strukturen und die Möglichkeit, viel ableiten zu können, erleichtern das Lernen. Und er macht Mut, die Sprache zu lernen und „Amico en la tuta de la mondo“ - Freunde in aller Welt zu entdecken.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN