Facettenreiche Improvisationskunst Abschluss der sommerlichen Orgelkonzerte in Melle

Von Petra Ropers

Faszinierende Improvisationskunst bot Daniel Skibbe an der Christian-Vater-Orgel. Foto: Petra RopersFaszinierende Improvisationskunst bot Daniel Skibbe an der Christian-Vater-Orgel. Foto: Petra Ropers

Melle Facettenreiche Improvisationen rundeten am Mittwoch die Reihe der Sommerlichen Orgelkonzerte ab: Mit Klangbildern zu „Himmel, Erde, Luft… und mehr“ setzte Organist Daniel Skibbe in der St. Petri-Kirche die Christian-Vater-Orgel in Szene.

Seine Improvisationskonzerte zum Abschluss des Orgelsommers sind längst klangvolle Tradition: Wenn Daniel Skibbe sich – mit nicht viel mehr als ein paar Zeilen aus einem Choral – an die Orgel setzt, ist außergewöhnlicher Musikgenuss garantiert. Dabei bedeutet Improvisation nicht, ein ganzes Konzert spontan gleichsam „aus dem Ärmel zu schütteln“. Er habe sich schon auf den Abend vorbereitet, verriet der Petri-Organist den vielen Musikfreunden, die bis hinauf zu den Emporen die Kirche füllten.

Vielgestaltige Ode der Schöpfung

Ihnen bot Skibbe ein Programm, das als vielgestaltige Ode an die Schöpfung stilistisch den Bogen vom Barock über die Klassik bis zur Moderne schlug. Der norddeutsche „Stylus fantasticus“ bildete passend zur Christian-Vater-Orgel den Ausgangspunkt mit einem improvisierten Präludium samt Fuge über Fragmente des Chorals „Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren“. Die aufmerksamen Zuhörer ließ das groß angelegte Werk immer wieder einzelne Choralfragmente erkennen, die Daniel Skibbe in den beiden Fugensätzen kunstvoll verarbeitete.

Im Stil einer barocken Partita mit Choral und sieben Variationssätzen hielt der Organist seine Improvisation über „Gott des Himmels und der Erden“. Mal als zweistimmiges Bicinium der Manuale, mal mit deutlich hervorgehobener Pedalbewegung verwandelte er die improvisierten Variationen zugleich in ein kurzweiliges Spiel mit den Klangfarben der Christian-Vater-Orgel. Deren Flötenstimmen standen bei der kleinen Sonatine über Motive aus bekannten Liedern zur Schöpfung im Mittelpunkt.

Dabei verband sich die Freiheit der Improvisation anregend mit der Orientierung an der klassischen Form. Da kam als erster Satz die Improvisation über „Geh aus, mein Herz“ in sommerlich-heiterem Allegro daher. Als Menuett ließ Skibbe die berühmten „Sternlein“ am Himmel nicht nur stehen, sondern galant tanzen. Bei seinem fesselnden Abstecher ins Auenland kamen dann nicht nur Tolkien-Fans auf ihre Kosten. Zwischen fröhlicher Hobbit-Geselligkeit und von düster-flirrenden Bässen durchdrungener Dramatik versetzte Skibbe die Besucher unvermittelt in die Welt des Herrn der Ringe.

Modern gehaltene Improvisation

Der sanfte, besinnliche Kontrast kam mit einer Meditation über den Choral „Schönster Herr Jesus“, bevor die modern gehaltene Improvisation über das titelgebende Kirchenlied „Himmel, Erde, Luft und Meer“ noch einmal alle Facetten von triumphaler Festlichkeit über zarte Empfindsamkeit bis zum vollen Klang der vereinten Register hörbar machte. Lang anhaltende Ovationen dankten dem Organisten für einen ebenso kurzweiligen wie niveauvollen Abschluss der Konzertreihe.

Eingeläutet wurde das letzte Konzert wie alle vorausgegangenen von Gerd Kruse am Carillon im Rathausturm. Werke von Beethoven, Liszt, Grieg und Rubinstein präsentierten sich im außergewöhnlichen Klanggewand der virtuos betätigten Glocken. Und das Carillon erklingt noch an zwei weiteren Abenden: Am Mittwoch, 8. August, lädt Gerd Kruse die Musikfreunde ab 20 Uhr zu „Classic meets Pop“ mit Werken von Bach bis Lloyd Webber ein. Eine Abendserenade folgt am Mittwoch, 15. August, ab 21.30 Uhr auf dem Rathausplatz.


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