Kakerlaken am Spieß Zwei Meller Abiturienten erkunden die Welt

Von Conny Rutsch

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Melle. Ihr Ziel war die ganze Welt. Das war im August 2017. Nun sind Kea Fronzek aus Buer und Fynn Linus Kölling aus Eicken seit einigen Wochen wieder zuhause.

Neun Monate und eine Woche waren sie mit Rucksack unterwegs und mussten sich an manchen Tagen beim Aufwachen klarmachen, wo sie gerade sind. Nach ihrem Abitur im vergangenen Jahr machten sie mit dieser Reise Erfahrungen, die mindestens so wertvoll sind wie binomische Formeln.

Start in New York

Sie starteten ihre Reise in New York, fuhren zwei Monate quer durch Kanada. Von Costa Rica aus überquerten sie die Ozeane und landeten in Neuseeland. „Seltsam, hier feiert man Silvester nicht“, erzählt Fynn. Also nicht spektakulär. Aber dann: Mit einem Helikopter flogen die beiden auf den Fox Gletscher und besuchten dann Mittelerde, will heißen, die Filmsets von „Der Herr der Ringe“ wie Mordor, das eigentlich ein Skigebiet ist, und Auenland.

Jets über der Oper

„Der Australia Day, Nationalfeiertag am 26. Januar, ist eine der größten Feiern, die wir je erlebt haben – inklusive Flugzeugträger und Jets vor und über dem Opera House in Sydney samt dreistündiger Feuerwerkshow. Von diesem Tag scheint in Europa noch nie jemand etwas gehört zu haben“, wundern sich die Weltenbummler. Und dann, mitten in Australien plötzlich Gartenzwerge, abertausende in einem Wäldchen namens Gnomesville. Sie fahren die längste gerade Straße Australiens mit „146 Kilometer purer Langeweile“, erzählen die beiden. An der Westküste besteigen sie 70 Meter hohe Bäume. Wie bitte? „Rundherum sind Stahlstangen in den Baumstamm geschlagen, auf denen man hinaufklettert.“

Zutrauliche Beuteltiere

Auf einer Insel vor Perth leben zutrauliche Beuteltierchen, die Quokkas, die sich gerne auch mal streicheln und fotografieren lassen.

Die Eindrücke, die Kea und Fynn mitbringen, sind mitunter seltsam. In Singapur erzeugen riesige künstliche Bäume Energie über Solarzellen. In Malaysia übernachten sie in einem Hotel in einem Einkaufszentrum, dem größten der Welt mit tausenden Shops inklusive Freizeitpark und Achterbahn.

Und weiter geht die Reise: in Bangkok traut sich Fynn etwas. Er probiert Kakerlaken, die geröstet auf einem Spieß stecken. In Vietnam besuchen sie die „Stadt der Schneider“, wo Maßgeschneidertes schnell und preiswert von hunderten Schneidern genäht wird. Es sei die schönste Stadt der Welt, erzählen Kea und Fynn. Sie ist ein Weltkulturerbe, komplett gelb und mit Lampions geschmückt.

Hunde geschlachtet

In Hanoi trauen sie ihren Augen nicht. Auf dem Markt gibt es Hunde zu kaufen, nein, keine lebenden, sondern geschlachtete zum Essen. Das tun die beiden jungen Leuten natürlich nicht, sondern besuchen einen Kochkurs. „Das Essen ist hier der Hammer“, erzählen sie: „Frühlingsrollen, Fischbällchen und Bananenblütensalat. Und in alles kommen erstmal zwei Esslöffel Zucker – auch in das Fleisch. Und zum Nachtisch gab es einen Kaffee mit einem rohen Ei darin.“

Viele Minen

Mit einer Propellermaschine fliegen Kea und Fynn von Vietnam nach Laos, das sie als noch nahezu unberührt beschreiben. Allerdings: noch vom Vietnamkrieg seien ein Drittel von Millionen Tonnen Minen nicht explodiert.

Mutig besteigen sie einen Berg, als Hilfestellung nur ein Stahlseil. „Der Ausblick war ebenso der Wahnsinn wie der Aufstieg“, erzählen sie. Bei einem laotischen Geburtstag dürfen sie mitfeiern. Getanzt wird im Kreis in der Gruppe und nur die Handflächen werden im Takt der Musik gedreht. Und mit der Sahne der Geburtstagstorte wird das Gesicht verziert. Eine andere Welt, die arm ist, aber ohne Bettler, wo der Tauschhandel blüht und Kinder kaum zur Schule gehen.

Ein besonders schönes Erlebnis beschreibt Kea aus Kambodscha: „Im Meerwasser leuchtet das Plankton strahlendblau.“

Kulturschock erlebt

Ihre Reise beenden sie mit dem Besuch der Hauptstädte Skandinaviens und erleben hier beinahe einen Kulturschock, einen finanziellen vor allem. Denn in Südostasien ist das Leben äußerst preiswert.

Was haben Kea und Fynn nun für sich mitgebracht von der Weltreise? Kea sagt, sie könne jetzt besser mit Fremden reden und sie sei dankbar für einen Kühlschrank, ein eigenes Zimmer und ein Bad. Und Fynn sagt: „Ich bin pragmatischer geworden“. Einen Rat haben sie für zukünftige Weltenbummler auch: Man solle dorthin fahren, wo man ein Auto oder einen Camper mieten kann, damit sei es leichter zu reisen und mehr zu sehen als nur mit Bahn und Flugzeug.

Und jetzt? Kea will Politikwissenschaft oder Jura studieren und Fynn Digitale Medien. In Bremen.


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