Christian Niewöhner züchtet Edelrasse Japanische Wagyu-Rinder weiden auch in Melle-Buer

Von Norbert Wiegand


Buer. Eine Rarität auf Weiden in ganz Europa sind die japanischen Wagyu-Rinder. Vier Exemplare dieser seltenen Edelrasse grasen derzeit auf einer Wiese im Bueraner Ortsteil Wehringdorf: Mutterkuh „Tamgotchi“, die Jungrinder „Hanni“ und „Hanna“ sowie das erst drei Tage alte Kalb „Little Joe“.

Die insgesamt 15 Wagyu-Rinder des promovierten Tierarztes Christian Niewöhner sind großenteils Zuchttiere, die an verschiedenen Standorten in Markendorf und Wehringdorf als Mutterkühe und Jungrinder gehalten werden. Deren Nachkommen sollen das derzeit vermehrt nachgefragte Fleisch liefern, das von Spitzenköchen als Gourmet-Erlebnis bezeichnet wird.

Für ein Kilo Filet von diesen Tieren werden 250 Euro und mehr bezahlt, da kann ein Steak durchaus 70 Euro kosten. Neuerdings gilt auch Wagyu-Fleisch von kleinen Schlachtereien als „Hit“ auf privaten Feiern und spezielle Kochkurse werden inzwischen ebenfalls angeboten.

Zergeht auf der Zunge

„Das Wagyufleisch hat mit mehr als zehn Prozent einen wesentlich höheren Fettanteil als herkömmliches Rindfleisch“, erklärt Christian Niewöhner. Es handele sich dabei aber größtenteils um ungesättigte Fettsäuren. Deshalb gelte dieses zarte, fein marmorierte und leicht nussig schmeckende Fleisch mit seinen „guten Fetten“ zudem noch als außerordentlich gesund. „Das Fleisch schmilzt auf der Zunge, es ist durch seinen niedrigen Schmelzpunkt von sieben Grad ganz besonders weich“, so Niewöhner.

„Die Milchleistung der japanischen Kühe ist sehr gering, sie reicht gerade um ein Kalb groß zu ziehen“, erläutert der Züchter. Das drei Tage alte Kälbchen „Little Joe“ wird auf seiner Weide von einer Amme versorgt, einer Holstein-Frisian-Kuh. Vertreterinnen dieser deutschen Standard-Rasse werden bei den Nachzuchten auch häufig als „Leihmütter“ genutzt. Die Tochter „Hanni“ von der Wagyu-Mutterkuh „Tamagotchi“ will Niewöhner im September auf der Auktion in Münster-Albachten anbieten. Die Zuchtviehpreise liegen bei Auktionen je nach Erblinie und Erscheinungsbild der Tiere zwischen 2000 und 29000 Euro.

Ochsen werden 36 Monate alt

Der Bueraner Tierarzt ist Spezialist für Reproduktionsmedizin bei Rindern und betreut etwa ein Drittel der 140 Wagyu-Halter in Deutschland in einem Einzugsgebiet von der holländischen Grenze über das Münsterland bis nach Hannover. Den größten Teil seiner tierärztlichen Arbeit widmet Niewöhner aber immer noch dem ganz normalen, meist schwarz-bunten Milchvieh.

„Vor sechs Jahren haben wir die ersten Tiere und Embryonen gekauft, weil sich unser ganzes Tieraztpraxis-Team für die japanischen Rinder interessierte“, blickt der Wehringdorfer auf die Anfänge seiner speziellen Zucht zurück. Wegen der anhaltenden hohen Nachfrage nach Zuchttieren sind es vorläufig meist die Wagyu-Ochsen, die im Alter von etwa 36 Monaten geschlachtet werden. Ihr Futter besteht aus Weidegras, Heu und Heusilage, mit fortschreitendem Alter kommt mehr Kraftfutter und Maissilage dazu.

Die Edelrasse heißt in Japan „Kobe-Rinder“. Dieser Name ist geschützt und darf nur für Wiederkäuer aus Kobe und der direkten Umgebung verwendet werden. Deshalb werden die europäischen Verwandten als Wagyu-Rinder bezeichnet. Wie ihre japanische Urform sind sie nicht so robust und genügsam wie beispielsweise schottische Hochlandrinder. „Wagyus brauchen einen guten Stall als Schutz vor ungünstiger Witterung, eine gute Weide und satt Futter“, betont Christian Niewöhner.


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