Roter Mond zunächst kaum zu sehen Expo-Sternwarte Melle mit Besucherrekord


Oldendorf. Damit hatte niemand gerechnet: 450 Besucher fanden im Laufe des Freitagabends den Weg zur EXPO-Sternwarte, um die Mondfinsternis unter besten Himmelsbedingungen mitzuerleben. Sie kamen nicht nur aus Melle und Umgebung, sondern auch aus dem westfälischen Bereichen Herford/Bielefeld bis hin zum Münsterland.

Obwohl das offizielle Programm erst ab 21 Uhr begann, warteten schon Dutzende von Interessenten ab 19:30 Uhr vor der Sternwarte. Die Mitglieder der EXPO-Sternwarte hatten drei Stationen vorgesehen: Erstens die Beobachtung des Planeten Jupiter und der Mondfinsternis am 1,12-Meter-Spiegel in der Sternwarte, zweitens die Präsentation des Finsternisablaufs und astronomischer Highlights in der Sternwarte und drittens die Beobachtung der Planeten Venus, Saturn und Mars, dazu den Ablauf der Mondfinsternis an einem mobilen Teleskop, das draußen vor der Sternwarte aufgestellt war. Zweimal konnte während der Beobachtungen der Durchgang der Internationalen Raumstation ISS miterlebt werden. Sie zog als leuchtend heller Punkt von Westen kommend über den Himmel.

Abendstern als Sichel

Venus war der erste Planet des Abends tief im Westen. Der Abendstern zeigt Sichelgestalten wie unser Mond. Am Außenteleskop konnte die kleine Venussichel sehr schön verfolgt werden. Auf dem Riesenplaneten Jupiter konnte im großen Spiegel nicht nur seine Wolkenstruktur beobachtet werden, darüber hinaus auch seine vier Galileischen Monde. Ein sehr informatives Zielobjekt war dann der 1,4 Milliarden Kilometer entfernte Saturn, doppelt so weit entfernt wie Jupiter. Der Anblick bereitete insbesondere den Kindern viel Spaß: „Oh, da ist ja ein Ring um den Saturn, ist das wirklich so?“ Jawohl! Das kleine Mädchen hatte das völlig richtig erkannt!

Viele Besucher hatten ihre Smartphones dabei und suchten schon mit einer passenden App, wo der Mond gegen 22 Uhr am Osthorizont über dem Wald auftauchen sollte. Enttäuschung zunächst: Der ist ja kaum zu sehen! Aber so ist das eben bei einer Mondfinsternis: Während der Totalität steckt der Mond völlig verdunkelt im Erdschatten, obwohl eigentlich heller Vollmond ist. Im Laufe der nächsten halben Stunde stieg Frau Luna dann höher in den Himmel. Und dabei wurde die kupferrote Farbe gut sichtbar, die im Kernschatten vom gestreuten Sonnenlicht in der Erdatmosphäre verursacht wird.

Mars als leuchtender Punkt

Unterhalb des Mondes kam etwas später Mars als leuchtender Punkt zum Vorschein. Zur Mondfinsternis stand der „Rote Planet“ in Erdnähe - „nur“ rund 58 Millionen Kilometer entfernt. Im Teleskop war der Mars jedoch nur als kleine orangefarbene Kugel zu erkennen, Besucher mit guten Augen sahen sogar einige dunkle Flecken auf seiner Oberfläche. Bis vor wenigen Wochen war der Mars noch von einem gewaltigen Staubsturm heimgesucht worden. Beeindruckend war im Außenteleskop zu verfolgen, wie der verfinsterte Mond allmählich aus dem Kernschatten der Erde heraustrat und schließlich wieder als „richtiger Vollmond“ mit seiner gleißenden Helligkeit die Landschaft erhellte.

Als dann gegen 1 Uhr die letzten Gäste die Heimfahrt antraten, ging ein unglaublich vielseitiger Abend zu Ende - nicht nur für die astronomisch Interessierten, auch für die Angehörigen der Sternwarte. Und so freuen wir uns schon auf den 12. und 13. August, wenn wir bei Neumond ungestört ein weiteres Schauspiel erwarten - die Sternschnuppen der Perseiden über der EXPO-Sternwarte am Meller Himmel.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN