Heißer und cooler Job Arbeiten in Melle: Hitzestau oder 20 Grad minus

Von Simone Grawe und Martin Heuer


Melle. Schwitzen bei 45 Grad Hitze oder Frieren bei 20 Grad minus: Im Grönegau liegt die Spanne zwischen dem heißesten und coolsten Job weit auseinander.

Was für ein Supersommer: Fast nur Sonnenschein, kein Regen und Temperaturen um die 30 Grad. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen, auch dann, wenn man einfach gar nichts tut.

Von Berufs wegen schwitzen, das müssen die Kollegen, die das Dach der Sporthalle an der Haferstraße neu decken. Dachdecker Andreas Degen verpasst im Auftrag seiner Firma dem Flachdach eine zweilagige bituminöse Dichtung.

Dazu muss der 48-Jährige das Material von 550 Rollen Dachbahnen verschweißen. Aus Sicherheitsgründen muss er dabei seine volle Montur tragen, mit schweren Schuhen und langer Hose.

Die ohnehin schon tropische Temperatur von nahezu 50 Grad auf dem Dach erhöht sich dabei um ein Vielfaches: „Der Brenner hat Temperaturen von 140 bis 180 Grad, die Schweißbahnen kommen sogar auf Temperaturen von 180 bis 200 Grad“, erklärt Degen. „Bloß nicht drauftreten, die färben ab“, warnt er.

„Viel Wasser trinken“

Seit drei Monaten ist der erfahrene Dachdecker mit seinen Kollegen schon vor Ort, täglich von 7 bis kurz vor 16 Uhr“. „Danach geht es erst einmal in den Schatten. Und viel Wasser trinken“, lautet das Rezept von Degen, der immerhin einen schwachen Trost hat: „Die höchsten Temperaturen werden hier erst gegen 17 Uhr erreicht.“

Die Dacharbeiten neigen sich dem Ende entgegen. Ob sein künftiger Arbeitsplatz allerdings kühler ist, steht noch in den Sternen.

Das andere Extrem ist das Arbeiten bei 20 Grad minus. Auf diese Temperatur muss sich gegenwärtig Noel Gürlich einstellen. Er hat das zweite Ausbildungsjahr zum Mechatroniker für Kältetechnik und Kälteanlagenbau bei der Firma Kintscher fast beendet und kontrolliert in diesen Tagen eine neue Kälteanlage in einem Lebensmittelbetrieb.

„Der hat‘s gut“, betont Uwe Strothmann, der auf Nachfrage unserer Redaktion den Arbeitsplatz des jungen Mannes beschreibt: „Der coolste Job der Welt“, meint der Geschäftsführer.

Er hat einen Kollegen gebeten, ein Foto des Azubis an seinem coolen Arbeitsplatz zu machen: Gefrorene Brötchen und gecrashtes Eis im Hintergrund, oben unter der Decke der neu installierte Kühler, davor Noel Gürlich, Dick eingemummelt mit Pullover, langer Hose und Jacke: „Lebensmittel müssen immer gekühlt werden“, sagt Uwe Strothmann.

Im Umfeld von 60 bis 80 Kilometern installieren die Fachleute Kälte- und Klimaanlagen in Büro-, Wohn- und Produktionsräumen.

Außerdem müssen Kälteanlagen in Kühl- und Tiefkühlräumen gewartet und repariert sowie umweltfreundliche Wärmepumpen eingebaut werden. Ob Einzelhandel, Gewerbe oder Industrie: „Klimasysteme und Kälttechnik sind in vielen Sparten gefragt“, sagt Uwe Strothmann.


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