Für 1470 Schweine geplant Melle-Oldendorf macht gegen Mastanlage mobil

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Hier soll eine Schweine-Mastanlage gebaut werden. Oldendorfer und Bakumer kündigten Widerstand an. Foto: Christoph FrankenHier soll eine Schweine-Mastanlage gebaut werden. Oldendorfer und Bakumer kündigten Widerstand an. Foto: Christoph Franken

Oldendorf. Eine geplante Schweine-Mastanlage für 1470 Tiere im Stadtteil Oldendorf sorgt für Ärger. Anwohner haben gegenüber der Stadtverwaltung ihre Bedenken angemeldet und der Ortsbürgermeisterin Karin Kattner-Tschorn wurden 300 Unterschriften gegen das Vorhaben übergeben. Die Gründung einer Bürgerinitiative steht an.

Ein ortsansässiger Landwirt hat den Bauantrag bei der städtischen Bauverwaltung eingereicht, die eine Bauvoranfrage positiv beschieden hatte. Das Baugenehmigungsverfahren selbst läuft noch, erklärte Stadtsprecher Jürgen Krämer auf Anfrage.

Die Stadt ist zuständig, weil die Größe der geplanten Anlage eine magische Grenze unterschreitet: Ab 1500 Tieren würde das Bundes-Immissionsschutzgesetz greifen. Es sieht unter anderem Mindestabstände von 500 Metern zum nächsten Gebäude vor. Außerdem wäre für eine solche Anlage dann die Landkreisverwaltung als Genehmigungsbehörde zuständig.

„Durchsichtige Strategie“

„Die 500 Meter Abstand wären am geplanten Standort nicht gegeben, daher bleibt der Landwirt mit wenigen Tieren unter der Vorgabe“, kritisierte Martin Behrens im Namen vieler Anwohner. Auf die fehlenden Tiere aber käme es nicht an: Die Auswirkungen blieben doch die Selben. Insofern sei die vom Landwirt verfolgte Strategie durchsichtig.

Angst vor Gestank

Die Betroffenen befürchten zunächst einmal eine extreme Geruchsbelästigung. „Der Gestank zieht in den Ort“, sind sie sicher. Dazu komme, dass die Anlage auf eine Anhöhe schräg gegenüber der Turnhalle gebaut werden soll. Im Falle eines Schadens an den Gülletanks flössen die Schweine-Exkremente dann in Richtung eines angrenzenden Wasserschutzgebietes. Dessen Grenze liegt nach Angaben der Stadt 820 Meter vom geplanten Standort entfernt. Behrens rechnet mit einem Gülle-Anfall von rund 7,5 Millionen Litern jährlich.

Dazu kämen schwere Lkw, die die Anlage anfahren müssten. „Die schneiden dann den Radweg an der Oldendorfer Straße, der ja ein Hauptzubringer zu Grundschule, Freibad und Kindergarten ist“, sagte Behrens. Auch sei unklar, wer den Ausbau des neuen Abbiegers zur Anlage bezahlen solle. „Etwa die Stadt und damit wir als Steuerzahler?, fragte ein Anlieger argwöhnisch. „Nein, die Zufahrt wird durch den Bauherren finanziert“, sagte Krämer unserer Zeitung.

Angst um Landschaftsbild

Die Anlieger kritisieren zudem, dass die Anlage den landschaftlichen Charakter des idyllisch in die Landschaft eingebetteten Ortes nachhaltig zerstören würde. Auch zu diesem Vorwurf nahm der Sprecher der Stadt Stellung: „Bauvorhaben im Außenbereich dürfen das Landschaftsbild nicht beeinträchtigen. Dies wird im Baugenehmigungsverfahren überprüft.“

Besonders ärgern sich die Gegner der Anlage über die Informationspolitik der Stadt. Behrens sprach von „Verwaltungspolitik durchs Hinterzimmer“. „Nur wenige Betroffene seien überhaupt und dann sehr spät informiert worden, schimpften die Bakumer und Oldendorfer. „Selektiv“, nannte Hinrich Lau das Vorgehen des Bauamtes. Weder Verwaltung noch der ortsansässige Landwirt hätten sich bisher um einen echten und öffentlichen Dialog bemüht, sagten Anwohner während einer kleinen Kundgebung am geplanten Standort. „Von Bürgerbeteiligung im Planungsverfahren kann hier trotz der drastischen Auswirkungen keine Rede sein“, formulierte es Behrens.

Bald Bürgerinitiative

Dem widersprach Jürgen Krämer für die Stadtverwaltung: „Eine Offenlegung des Bauvorhabens im Sinne einer Öffentlichkeitsbeteiligung sieht der Gesetzgeber im Baugenehmigungsverfahren nicht vor.“

Die Projektgegner wollen nicht locker lassen. Behrens kündigte an, dass sich aus ihrer Mitte heraus in Kürze eine Bürgerinitiative bilden werden. Auch rechtliche Schritte schloss er nicht aus.


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