Ein Blick zurück auf MEL Die wahre Geschichte des Meller Kennzeichens

Von Uwe Plaß

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Melle. Am 11. Juni 2018 war es endlich soweit. Das alte MEL-Nummernschild ist als Option wieder da. Angesichts des „Glaubenskrieges“, der zuvor auf Stadt- und Landkreisebene geführt wurde, lohnt sich ein Blick in die Historie.

Am 1. Oktober 1907 trat erstmals eine für das gesamte Deutsche Reich geltende einheitliche Kennzeichnungspflicht für Krafträder, Pkw und Lkw in Kraft. Die Nummernschilder waren weiß mit schwarzer Schrift und schwarzem Rand. Für ein Land, welches damals schon über 60 Millionen Einwohner besaß, war die Anzahl der betreffenden Fahrzeuge allerdings noch extrem gering. Ungefähr 16.000 Krafträder, 10.000 Autos und nicht einmal 1000 Lkw gab es nur. Wer im damaligen Kreis Melle ein solches Fahrzeug besaß, bekam ein Nummernschild beginnen mit „I S“ – römisch Eins für Preußen und S für Provinz Hannover.

Schwarzes Schild, weiße Schrift

Im Prinzip änderte sich an diesem System bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nichts. Mit der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen gab es auch neue Kennzeichen. Nachdem die Briten zunächst ein dem heutigen System ähnliches Verfahren eingeführt hatten, schlossen sie sich 1947 dem Modell der amerikanischen und französischen Zonen an. Von nun an fuhren die Fahrzeuge mit schwarzen Nummernschildern und weißer Schrift.

BN 57 steht für Melle

Für den Kreis Melle stand am Anfang immer die Kombination „BN 57“ gefolgt von der individuellen vierstelligen Nummer des Fahrzeugs. BN bedeutete Britische Besatzungszone Niedersachsen, die 57 war die Kennziffer für den Kreis Melle. Wittlage beispielsweise erhielt die Kennung BN 61.

Die zunehmende Motorisierung machte jedoch ein neues System erforderlich, das mehr Kombinationsmöglichkeiten zuließ. Schon 1952 sollte daher das uns heute vertraute Kennzeichen mit Herkunftsangabe (Unterscheidungszeichen), Buchstabenkombination und Ziffernfolge (Erkennungsnummer) eingeführt werden. Aus gesamtdeutschen Erwägungen – Stichwort DDR – legte man dieses Vorhaben jedoch zunächst auf Eis. Am 1. Juli 1956 trat die Neuregelung schließlich in Kraft. Dies war die Geburtsstunde des MEL-Kennzeichens. Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen 1972 wurde aus dem Kreis Melle die Stadt Melle, die ihrerseits wiederum Teil des neuen „Großkreises“ Osnabrück wurde. Dies trat am 1. Juli 1972 in Kraft. Bis Mitte Oktober wurden die bisherigen Kennzeichen noch ausgegeben, dann war Schluss. Es gab nur noch OS.

Nicht identitätsstiftend

Im Zuge der Diskussion um die Wiedereinführung wurde vom Landkreis Osnabrück zum Ausdruck gebracht, MEL habe nur 16 Jahre bestanden und sei somit nicht identitätsstiftend. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass diese Ansicht falsch ist. 1956 waren im Kreis Melle lediglich 5346 Fahrzeuge zugelassen, davon 1355 Pkw. Ende 1969 waren es schon 12378 Fahrzeuge. Gerade die 1960er und frühen 1970er Jahre waren eine Epoche allgemeiner Mobilisierung. Auch Otto-Normalverbraucher konnte sich ein Auto leisten. Damit verbindet man sehr viel und dann natürlich auch mit MEL („Meine Erste Liebe“). Überdies war es allgegenwärtig auf den Meller Straßen. Auf jeden vierten Einwohner kam bereits ein Fahrzeug.

Bereits im Jahr 2000 kündigte Bürgermeister Josef Stock die wahlweise Wiedereinführung des Kennzeichens MEL zum 1. Juli an. Leider war dies damals nur ein gut gemachter Aprilscherz. Es sollte noch einige Jahre bis 2012 dauern, als der Bund im Zuge der Kennzeichenliberalisierung die Möglichkeiten einer wahlweisen Reaktivierung ehemaliger Kennzeichen erlaubte. Noch später war es dann auch im Landkreis Osnabrück soweit. Seit 11. Juni 2018 ist MEL wieder da. Ende gut, alles gut.


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