„Guter Montag“ am 30. Juli Versammlung mit Tradition unter der Gerichtslinde in Buer

Traditionsgemäß findet der „Gute Montag“ unter dem Blätterdach der Gerichtslinde auf der Hilgensele statt. Archivfoto: StadtTraditionsgemäß findet der „Gute Montag“ unter dem Blätterdach der Gerichtslinde auf der Hilgensele statt. Archivfoto: Stadt

Buer Seit nachweislich 1594 wird in Buer der „Gute Montag“ begangen – eine Zusammenkunft, die mit einem Alter von nunmehr 424 Jahren zu den traditionsreichsten Bürgerversammlungen der Region zählt. Am Montag, 30. Juli, 19.30 Uhr, erlebt die Veranstaltung unter der Gerichtslinde auf der Hilgensele eine Neuauflage.

Während der Zusammenkunft wird Ortsbürgermeister Dieter Finke-Gröne Rückschau auf die vergangenen zwölf Monate halten und einen Blick in die Zukunft richten. Abgerundet wird der Abend durch das Verlesen der Niederschrift des letztjährigen „Guten Montags“, durch Grußworte der Gäste und durch die Aussprache mit den Bürgern. Im Anschluss findet ein geselliges Beisammensein statt.

Das Ziel dieser Bürgerversammlung bestehe aber auch darin, dass die Bürger mit den politisch Verantwortlichen ins Gespräch kommen „und aus erster Hand Neuigkeiten aus dem Bereich der Kommunalpolitik erfahren“, erläutert Dieter Finke-Gröne. Er weist abschließend darauf hin, dass der „Gute Montag“ bei Regenwetter im Feuerwehrhaus an der Stüvestraße 28 in Buer stattfindet.

Ein Blick zurück: Unabhängig vom Holzgericht oder Hölting, für das die gesamte Mark zuständig war, bildete die Bauerschaft in früheren Zeiten einen eigenen Gerichtsbezirk, an dessen Spitze gewählte Bur- oder Bauerrichter standen – ausgestattet mit eher bescheidenen Vollmachten. In den meisten Gemeinden wechselte dieses Amt jährlich. So auch in Buer, wo einst jeweils vier Richter amtierten. Manchmal waren die Amtsgeschäfte auch erblich an ein Gehöft gebunden, 1731 ist beispielsweise von einem Erbbauerrichter Plohr in Wetter (heute Linkermann-Fischer) die Rede.

Auf den teils als „Tie“, teils unter anderem Namen bekannten Versammlungsstätten traten die stimmberechtigten Bürger mindestens einmal im Jahr zusammen. In Buer heißt diese öffentliche Gemeindeversammlung, die nachweislich seit nunmehr 419 Jahren veranstaltet wird, „Guter Montag“. Sie fand im Juli statt, oftmals am ersten Montag nach „Jakobi“ (25. Juli).

Tie spielt besondere Rolle

Interessant ist der Bericht des Gemeindevorstehers Weymann vom 16. Juli 1894, als die Gemeinde die 300-jährige Wiederkehr des „Guten Montags“ feierte. Die Tatsache, dass neben dem Platz unter der Linde auf der Hilgensele auch der Tie einbezogen wurde – ein öffentlicher Versammlungsplatz östlich der heutigen Apotheke –, lässt vermuten, dass die Bueraner diesen Tag im Laufe der Jahrhunderte nicht immer auf die gleiche Weise gestaltet haben.

Der Tie hat in Buer sicherlich eine wichtige Rolle gespielt. Das lässt zum einen seine günstige Lage im Ortskern vermuten. Zum anderen deutet eine Nachricht aus dem Jahre 1718 darauf hin, dass „im Thy Garten, belegen oben dem buhrischen Vahle an der Klepbreden“, ein Schandpfahl stand.

Im Protokoll des „Guten Montags“ von 1775 ist nachzulesen, dass zur Bestrafung derjenigen, die aus dem Sunderbrook oder Buerschen Frehden Holz entwendeten, an der sogenannten Bauerschaftslinde ein Pfahl aufgestellt werden sollte, den Casper Hermann Walter für 29 Mariengroschen lieferte.

In diesem Zusammenhang scheint die Annahme berechtigt, dass die dörfliche Gerichtsbarkeit in Buer auch für die Ahndung ehrenrühriger Handlungen zuständig war.

Die Bloßstellung auf öffentlichen Plätzen muss für die Bestraften daher deprimierend gewesen sein.


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