Reifen, Felgen und ein BMW X 6 Es sieht schlecht aus mit Bewährung für Ex-Meller

Von Christina Wiesmann

Justitia hat auch in diesem Prozess das letzte Wort.Symbolfoto: dpaJustitia hat auch in diesem Prozess das letzte Wort.Symbolfoto: dpa

Melle. Als Händler in Melle soll er für rund 20000 Euro Autoreifen und -felgen gekauft haben – bezahlt hat er die Ware in 39 Fällen allerdings nicht. In einem Verfahren vor dem Amtsgericht Osnabrück war ein 36-Jähriger ehemaliger Meller deshalb im Juni vergangenen Jahres zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er ging in Berufung.

Im März hatte ihn das Amtsgericht zudem wegen Urkundenfälschung zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Denn: Der 36-Jährige gilt als Bewährungsversager, der Auszug aus dem Bundezentralregister belegt es. Seit 2011 gibt es dort Einträge, die dem Angeklagten neben Raub und Körperverletzung auch Anstiftung zum Diebstahl bescheinigen.

Ins Gefängnis will der Angeklagte aber offenbar nicht. Aktuell wird im Rahmen eines Berufungsverfahrens vor dem Landgericht Osnabrück verhandelt. Um zu klären, was sich vor mehr als drei Jahren in dem Meller Unternehmen abgespielt hat, sollen im August an weiteren Verhandlungstagen Zeugen vernommen werden.

Schneller Aufstieg

Unter anderem soll ein Mann geladen werden, der das Unternehmen des Angeklagten, als es in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, als Geschäftsführer – zumindest offiziell – für einige Zeit übernommen hat. Zuvor war er als Angestellter dort tätig.

Unklar ist der Kammer in diesem Zusammenhang auch, was mit einem BMW X6 passiert ist, für den die Versicherung nach einem Unfall knapp 20000 Euro Schadensersatz an die Mutter des Angeklagten überwiesen hatte. Von dem Geld landete beim offiziellen Geschäftsführer, auf dessen Namen das Auto lief, anscheinend nichts.

In der ersten Instanz hatte sich die Mutter auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen, ebenso wie die Schwester des Angeklagten, die in dem Unternehmen in der Buchhaltung beschäftigt gewesen sein soll und unter anderem die Autoreifen und -felgen für rund 20000 Euro mit bestellt haben soll.

Weitere Verfahren folgen

Der Angeklagte, der mittlerweise im Raum Nienburg wohnt, schweigt zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft sieht nach eigenen Angaben wenig Aussicht, dass unterm Strich für den Angeklagten noch eine Bewährungsstrafe verhängt werden kann. „Insgesamt sieht es schlecht aus mit Bewährung“, gab auch der Richter zu bedenken.

Am 13. und 14. August wird die Verhandlung fortgesetzt. Vielleicht können dann die Zeugen ein wenig Licht in die Geschichte bringen.

Wie die Kammer verlauten ließ, werden zudem gegen weitere Beteiligte separate Verfahren geführt. Dazu zählen sowohl die Mutter und die Schwester des Angeklagten als auch der Geschäftsführer, der nur auf dem Papier einer war. Ihn soll der Angeklagte unter anderem zu einem Einbruch und Raub in eine Mosterei angestiftet haben.


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