Teures Abbiegen Meller muss für Stinkefinger zahlen

Von Christina Wiesmann

Weil er einem anderen Autofahrer den Stinkefinger zeigte, muss ein Mann aus Melle 1000 Euro zahlen. Symbolfoto: Simone GraweWeil er einem anderen Autofahrer den Stinkefinger zeigte, muss ein Mann aus Melle 1000 Euro zahlen. Symbolfoto: Simone Grawe

Melle/Osnabrück. Im Mai vergangenen Jahres zeigte ein 28-jähriger Meller beim Abbiegen einem anderen Meller den Stinkefinger. Das kostet ihn nun 1000 Euro.

Bereits im Februar war vor dem Amtsgericht Osnabrück verhandelt worden. Seinerzeit verhängte das Amtsgericht 40 Tagessätze zu je 25 Euro gegen den Angeklagten. Der legte aber gegen das Urteil Berufung ein.

Am Freitag wurde der Fall somit vor dem Landgericht verhandelt und mehrere Zeugen sagten aus. Darunter auch der 29-Jährige aus Melle, dem der Stinkefinger gezeigt worden war. Er sagte aus, dass er im Mai 2017 die Bielefelder Straße in Richtung Neuenkirchen befuhr, als der Angeklagte aus der Wertherstraße herauszog und ihm die Vorfahrt nahm. „Er ist relativ knapp vor mir eingeschert“, sagte der Mann aus, „ich habe mich richtig erschrocken.“

Daraufhin habe er gehupt und auch mithilfe der Lichthupe auf den Vorfall reagiert. Der Angeklagte zeigte ihm daraufhin aus seinem Auto heraus den ausgestreckten Mittelfinger. Als beide Autos kurz darauf an einer Ampelkreuzung in Neuenkirchen zum Stehen kamen, sei er ausgestiegen und habe den Angeklagten in seinem Auto fotografiert. „Damit ich sein Gesicht hab, um ihn anzuzeigen.“

Die Aussage des Mellers wurde von seiner Bekannten, die ebenfalls im Auto saß, bestätigt.

Einfache Handbewegung

Der Angeklagte ließ über seinen Verteidiger verlauten, dass er keinen Stinkefinger in Richtung des Mellers gezeigt habe. „Das war eine einfache Handbewegung, mehr nicht“, so der Anwalt. Zudem sei der Meller selbst sehr dicht aufgefahren, wie die Schwester des Angeklagten in ihrer Zeugenaussage angab: „Er hat ständig Lichthupe gemacht und gehupt und bedrängt.“

Dass ihr Bruder den Stinkefinger gezeigt haben soll, will sie nicht gesehen haben.

Die Kammer verwarf die Berufung des Angeklagten schließlich. Die 1000 Euro muss der Meller damit für sein nicht angebrachtes Verhalten zahlen. Wie der Richter in seiner Urteilsbegründung darlegte, habe sich der Sachverhalt „so, wie ihn das Amtsgericht schon festgestellt hat“, bestätigt. Außerdem sei der Angeklagte bereits 2014 wegen eines ähnlichen Deliktes verurteilt worden. Damals hatte er bei einer Kontrolle Polizisten beleidigt.


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