Üppig und feinsinnig zugleich Schoenmaker spielt beim Meller Orgelsommer

Von Conny Rutsch

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Er kennt die Christian-Vater-Orgel in Melle wie seine Westentasche: der niederländische Organist Egbert Schoenmaker. Fotos: Conny RutschEr kennt die Christian-Vater-Orgel in Melle wie seine Westentasche: der niederländische Organist Egbert Schoenmaker. Fotos: Conny Rutsch

Melle. Schwelgen im Barock und drum herum. Und wie. Der Organist, der das im dritten Konzert des Meller Orgelsommers ermöglichte, ist den Meller Orgelfans wohlbekannt. War er doch maßgeblich an der Restaurierung der Christian-Vater-Orgel in der Petrikirche beteiligt.

Von Egbert Schoenmaker ist hier die Rede. Er, der diese Orgel also wie aus der Westentasche kennt, griff schon zu Beginn des Konzertabends richtig in die Vollen. Strahlend, dramatisch, üppig registrierte er das Präludium E-Dur von Vincent Lübeck (1656–1740).

Weil diese Tonart aber in der historischen Stimmung der Vater-Orgel nicht klingt, spielte er es in C-Dur, wie Registrant Andreas Opp später erklärte.

Feinsinniges Gespür

Schon im ersten Werk setzte der Organist Zeichen seines ausgesprochen feinsinnigen Gespürs für die Stückeauswahl und spannende Registrierungen. Und das erreichte schon im folgenden Werk seinen Höhepunkt. Tielman Susato gehört als Komponist in die Renaissance-Zeit, und die Instrumentaltänze, die Schoenmaker selbst aus einer Susato-Sammlung für Orgel und Cembalo spielbar gesetzt hat, bildeten einen wunderbaren Kontrapunkt zur barocken Opulenz. In vielen der ausgesuchten Tänze, den Rondos und Co., ging es vor allem mit zarten Zungenregistern ins mittelalterlich-höfische Klang- und Kopfkino. Ein bisschen Kinderliedmelodie, ein bisschen Blockflötenchor oder Dudelsackspiel: Unglaublich einmal mehr, was die Vater-Orgel unter den Händen Egbert Schoenmakers zum Hörhochgenuss werden lässt.

Überraschende Klangmomente

Mit Kompositionen der Großen des deutschen Nordens zeigte der niederländische Organist den Facetten-Reichtum des Instrumentes ebenso wie die vorbachsche Tonkunst. Mit dem Choral „Vater unser im Himmelreich“ je von Heinrich Scheidemann (ca.1595–ca.1663) und Dietrich Buxtehude (1637–1707), dem großen Vorbild Bachs, beeindruckte Egbert Schoenmaker mit seiner Registrierkunst ein weiteres Mal. Ornamentartig ausgestaltete Oberstimmigkeit einerseits oder langsam vibrierende andererseits erzeugte überraschende Klangmomente ebenso wie ein fein durchhörbar registriertes Ricercar von Johann Jakob Froberger (1616–1667) vorher schon.

Dann das Capriccio in d von Georg Böhm, der ein Vierteljahrhundert vor Bach geboren wurde: kapriziös wahrhaftig, auch harmonisch und mit unverhofften Pausen versehen, ein Kabinettstück der Orgelkunst. Mit einem g-Moll-Präludium dieses Komponisten beendete Egbert Schoenmaker seinen großartigen Orgelabend. Mächtige, pochende Akkorde, seufzende Mordente und am Ende furios-strahlender Glanz wie zu Beginn setzten dem Genussabend ein pralles Ende.

Finger- und Fußfertigkeit

Erwähnt werden muss hier ausdrücklich, dass die Finger- und Fußfertigkeit eines Organisten das eine, die Kunst aber, eine historische Orgel so wandlungsreich und vielfältig in ihrem Klang darzustellen, eine Kunst im wahrsten Sinn des Wortes ist.

Wie zu jedem Orgelkonzert hatte Gerd Kruse am Glockenspiel im Rathausturm auch wieder die zum Abend sehr passenden Komponisten von Böhm über Pachelbel bis Walther gewählt und entzückte die aufmerksamen Zuhörer draußen schon auch mit eigenen Improvisationen.


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