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Rekordjahr: Fünf Paare Zehn Jungstörche werden in Melle flügge

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Melle. Was den Storchennachwuchs angeht, ist 2018 im Meller Stadtgebiet ein Rekordjahr. Zu den bereits etablierten Brutstörchen an der „Allee“ in Krukum und „In der Eue“ in Bakum sind in diesem Sommer drei weitere erfolgreich brütende Paare dazugekommen.

Sie finden sich auf dem „Hallau“ in Krukum, am Hof Mörixmann in Dratum-Ausbergen und ein weiteres Paar in Ahle direkt an der Grenze zu Groß Aschen. Derzeit machen insgesamt zehn Jungstörche Flugübungen auf ihren fünf Nestern oder sind bereits mit ihren Eltern unterwegs.

Ein Einzelkind

Am weitesten entwickelt ist das „Einzelkind“ auf dem Pferdehof Tönsing in Krukum. Der Jungstorch begleitet seine Eltern schon bei der Futtersuche. Auch die drei munteren Geschwister in Bakum haben schon fleißig das Schlagen mit den Flügeln geübt. Inzwischen verlassen sie den Horst schon für mehrere Stunden „In der Regel haben sie noch einige Wochen eine Nestbindung und kehren zum Ruhen und Übernachten auf den Horst zurück“, erläuterte Volker Tiemeyer, Vogelexperte der Meller Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON).

Im August geht es los

„Spätestens im August werden die früh entwickelten Jungstörche so selbstständig sein, dass sie sich von ihren Elterntieren trennen und sich einer nach Süden ziehenden Jungvogelgruppe anschließen“, prognostizierte Tiemeyer. Er wies aber ausdrücklich darauf hin, dass sich bei den Störchen vieles ändert: Immer mehr dieser ursprünglichen Zugvögel verzichten auf das Überwintern in Zentralafrika und bleiben in Portugal, Spanien, Frankreich und sogar vermehrt in Mitteleuropa. Die Stelzvögel sind auch immer weniger auf Frösche und Fische als Nahrung angewiesen, hauptsächlich stehen Käfer, Larven und Mäuse auf dem Speiseplan.

Nach frühem Brutbeginn kurz nach Ostern sind auch die beiden vital wirkenden Jungstörche auf dem „Hallau“ in Krukum kurz davor, flügge zu werden. Ganz ähnlich sieht es mit den beiden Jungvögeln am Hof Mörixmann in Dratum-Ausbergen aus. Dort waren ursprünglich sogar vier Küken aus vier Eiern geschlüpft.

Gruppen sind unterwegs

Etwas später hatte die Brut nahe der Windräder in Groß Aschen begonnen. Aber auch dort entwickeln sich zwei noch etwas kleinere Störche prächtig. Somit sieht es auf allen neu belegten Horsten nach jeweils zweifachem Nachwuchs aus. Neben den bewohnten Brutnestern sind in der Else- und Haseniederung auch immer wieder kleine und große Gruppen von bis zu 20 umherziehenden Störchen zu sehen.

„Mit einer solchen Schwemme von Störchen hätte ich vor einigen Jahren nie gerechnet“, räumte Tiemeyer ein. Offenbar ist das Nahrungsangebot noch groß genug. Er hält es aber eher für unwahrscheinlich, dass sich noch mehr Paare ansiedeln werden.


Ein Rückblick: So wurde die Flächenstadt Melle zum Storchenland: Es war 2013, als die beiden ersten erfolgreich aufgezogenen Jungstörche im Grönegau seit 86 Jahren gefeiert wurden. Die letzte dokumentierte echte Naturbrut gab es nach Informationen von Volker Tiemeyer im Jahr 1927 auf Gut Bruche.

Das Bakumer Brutpaar hatte sich vor fünf Jahren auf einem Nistangebot auf einem Telegrafenmast „In der Eue“ in Bakum niedergelassen. Solche Nistangebote waren in den Vorjahren an mehreren Stellen überall im Grönegau von Storchenfreunden errichtet worden.

Ein Jahr später wurde ein seit zehn Jahren bestehendes Nistangebot in Krukum auf dem Reiterhof Tönsing angenommen. So gab es 2014 bereits zwei Brutpaare. Der erste Krukumer Jungstorch verließ im September zusammen mit seinen Eltern das Nest an der Krukumer Straße „Allee“ und folgte anderen Störchen, die das Meller Stadtgebiet in Richtung Süden überquerten.

Parallel wuchsen in Bakum erneut zwei kleine Störche heran. Im Jahr 2015 wurden in Bakum gleich drei Jungstörche flügge, während es in Krukum einer von ursprünglich zwei kleinen Vögeln bis zur Flugreife schaffte. „Vier gesunde Jungstörche von zwei Nestern sind ein gutes Ergebnis“, freute sich damals der Ornithologe Volker Tiemeyer.

Die Bruterfolge setzten sich 2016 an beiden Standorten fort, in Bakum auch 2017. Im vergangenen Jahr scheiterte die Brut allerdings in Krukum, nachdem es im Frühjahr heftige Kämpfe konkurrierender Paare gegeben hatte. „Nachdem dieses Jahr drei Nester dazugekommen sind, haben wir wieder den Stand von 1880 erreicht“, schaut Volker Tiemeyer in die ornithologische Geschichte des Grönegaus zurück. Denn im Jahr 1880 wurde zuletzt von fünf Nestern berichtet, von denen sich übrigens eines „Auf dem Kuckuck“ in Gesmold befand.

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