Der Film „Kichka“ Premiere in Melle: Gegen die Mauern aus Schweigen

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Kamen zur Regionalpremiere von „Kichka – Das Leben ist ein Cartoon“ nach Buer: Maria Anna Potocka, Direktorin des Museums für Gegenwartskunst in Krakau, Regisseurin Delfina Jalowik und Produzent Jürgen Kaumkötter, Kurator des Zentrums für verfolgte Kunst in Solingen. Foto: Petra RopersKamen zur Regionalpremiere von „Kichka – Das Leben ist ein Cartoon“ nach Buer: Maria Anna Potocka, Direktorin des Museums für Gegenwartskunst in Krakau, Regisseurin Delfina Jalowik und Produzent Jürgen Kaumkötter, Kurator des Zentrums für verfolgte Kunst in Solingen. Foto: Petra Ropers

Buer. In der Kulturwerkstatt des Meller Stadtteils Buer feierte „Kichka – Das Leben ist ein Cartoon“ am Wochenende seine Regionalpremiere.

Das Grauen sitzt tief. Jahrzehnte lang beherrscht es hinter unüberwindbaren Mauern aus Schweigen das Denken, Fühlen, Handeln. Es sind Cartoons, die schließlich diese Mauern brechen. Eine Reise zueinander und in die Vergangenheit beginnt, die in einem bewegenden Dokumentarfilm festgehalten wird.

„Ich habe in Buer meinen Zivildienst gemacht“, verriet der Produzent des Films, Jürgen Kaumkötter, der zugleich für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Mit der unter anderem für hochkarätige Musikveranstaltungen bekannten Kulturwerkstatt fand er einen stimmigen Ort für die Regionalpremiere: Ganz in der Nähe befand sich einst die jüdische Synagoge, gleich nebenan zudem das Geburtshaus der jüdischen Schriftstellerin Ilse Losa. Die nach Portugal geflohene Bueranerin verarbeitete ihre Erlebnisse mit der Feder. Henri Kichka fand diesen Weg der Bewältigung lange Zeit nicht.

Als die Gestapo kam

Als 16-Jähriger in Brüssel zusammen mit seinen Eltern und zwei Schwestern von der Gestapo verhaftet, musste er drei Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern verbringen. Seine Mutter und Schwestern wurden ermordet, sein Vater starb auf dem Weg nach Buchenwald. Henri selbst überlebte. Doch seine Befreiung 1945 war nur eine äußerliche: Er sei ein Gefangener seiner Erinnerungen geblieben, stellt sein Sohn viele Jahre später fest.

50 Jahre stumm

Der Weg zu dieser Erkenntnis war lang. Denn das Grauen hatte Kichka über die Vergangenheit verstummen lassen. Und die Gegenwart wurde bestimmt von den Geistern der Toten, die in den Konzentrationslagern zurückgeblieben waren. Erst fast 50 Jahre später, am Krankenbett seiner Frau, schrieb er seine Lebensgeschichte auf. Zu dieser Zeit war sein Sohn bereits ein erfolgreicher Karikaturist und Cartoonist in Israel. Er griff das Geschriebene auf und verwandelte es in eindringliche Zeichnungen.

Und plötzlich bröckelt die zuvor so fest gefügte Mauer: Michel Kichkas Kunst ermöglicht es Vater und Sohn, miteinander zu kommunizieren. Gemeinsam arbeiten sie ihre Familiengeschichte auf, besuchen die Stätten der Vergangenheit, sprechen über das jahrzehntelang Unausgesprochene.

USA-Premiere bei UN

Der Film, der sie in der Regie von Delfina Jalowik dabei begleitet, ist eine deutsch-polnische Koproduktion des Zentrums für verfolgte Kunst in Solingen, dessen Kurator Jürgen Kaumkötter als Produzent und Drehbuchautor fungierte, und des Museums für Gegenwartskunst in Krakau mit Direktorin Maria Anna Potocka.

Uraufgeführt im Mai in Belgien, feierte „Kichka – Das Leben ist ein Cartoon“ wenig später im Uno-Hauptquartier in New York seine USA-Premiere. Jetzt kam der Film, der immer wieder auch Michel Kichkas eindrücklichen Cartoons einblendet und der trotz der Schwere des Themas von Leichtigkeit und Zuneigung geprägt ist, auch nach Buer.

Seine wichtigste Botschaft fasste der Cartoonist am Ende treffend zusammen: „Geschichte ist nichts Abgeschlossenes, sondern etwas Lebendiges.“


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