Das Ebermaiersche Gebäude 250 Jahre Apotheke und Meller Stadtgeschichte

Von Uwe Plaß

Ebermaiers Apotheke an der Mühlenstraße um 1910 Foto: Privatarchiv Uwe PlaßEbermaiers Apotheke an der Mühlenstraße um 1910 Foto: Privatarchiv Uwe Plaß

Melle. Das rote Fachwerkhaus an der oberen Mühlenstraße in Melle fällt immer noch auf. Auch wenn es heute eine andere Nutzung hat, heißt es für viele Meller immer noch ganz selbstverständlich: Ebermaiers Apotheke.

Das Haus wurde nach dem großen Brand von Melle 1720 errichtet. Bereits zuvor befand sich an der Stelle eine Apotheke. 1767 übernahm Heinrich Christoph Ebermaier das Geschäft und begründete eine Apotheker-Dynastie. Eine 250-jährige Tradition nahm ihren Anfang, die untrennbar mit der Geschichte der Stadt verbunden ist.

Trotz zahlreicher Modernisierungen hat das Haus selbst viel von seinem ursprünglichen Erscheinungsbild bewahrt. Zwischenzeitlich beherbergte es auch eine weitere ganz wesentliche Meller Institution. Von 1836 bis 1850 war die Sparkasse darin untergebracht, die vom damaligen Apotheker mitverwaltet wurde.

Die Sparte Gifte

Viel mehr als heute bestand in der Vergangenheit die Hauptaufgabe eines Apothekers darin, selbst Arzneien herzustellen. Nicht nur Salben, sondern auch Pillen wurden früher meistens direkt in den Apotheken angerührt. Die heute gerne als Deko verwendeten alten Apothekergläser mit den fremd anmutenden Aufschriften zeugen davon. Der Verkauf industriell hergestellter Medikamente ist hingegen eine noch relativ junge Entwicklung.

Neben dem Verkauf von Heilmitteln waren die Apotheken aber auch für eine weitere Sparte zuständig: Gifte. Deren Abgabe musste unter Angabe des Käufers und des Verwendungszwecks genau protokolliert werden. In der Regel dienten sie zur Bekämpfung von Ungeziefer wie Ratten oder Mäusen bzw. zur Desinfektion. Aber auch manche Berufe wie etwa Fotografen benötigten diverse Gifte aus der Apotheke.

Mit Ehrenbürgerrecht

Apotheker gehörten „qua Amt“ zu den Honoratioren der Stadt. Bürgerschaftliches oder kommunalpolitisches Engagement war daher üblich. Familie Ebermaier machte hierbei keine Ausnahme. Bedeutend für Melle war besonders Ernst Ebermaier (1862–1936). Anlässlich seine 70. Geburtstags 1932 wurde ihm sogar das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Heutzutage würde man dies vermutlich im Rahmen eines großen Empfangs im Forum tun. Damals machten sich Bürgermeister und einige Mandatsträger einfach auf den Weg zur Apotheke und überreichten Ernst Ebermaier seine Urkunde schlicht zu Hause.

Apothekensterben kam

Ernst Ebermaier hatte sich insbesondere ab 1919 als Senator und stellvertretender Bürgermeister sehr für die Belange seiner Stadt eingesetzt. Schon von 1912 bis 1919 hatte er dem Bürgervorsteherkollegium angehört. Die Jahre während und nach dem Ersten Weltkrieg gehörten sicherlich zu den schwierigsten Zeiten der Stadtgeschichte. 1936 starb Ernst Ebermaier. Sein eindrucksvoller Grabstein befindet heute auf dem historischen Friedhof an der Friedhofskapelle.

Auch in der Folge ging die Geschichte der Apotheke weiter. Rudolf Ebermaier und danach Hans-Christoph Ebermaier führten den Betrieb weiter. Zum 200-jährigen Bestehen 1967 wurde im Grönenberger Hof ein großer Festempfang gegeben. 1999 war dann eine für Melle einschneidende Zäsur. Die Apotheke, die „schon immer“ in dem Fachwerkhaus an der Mühlenstraße beheimatet war, wechselte an den Dürrenberger Ring. In den alten Geschäftsräumen befindet sich heute ein Mobilfunkanbieter. Nach 240 Jahren endete 2007 auch die Familientradition. Die Apotheke wurde verkauft. Zehn Jahre später musste sie im Zuge des Apothekensterbens geschlossen werden.

Das Giftbuch aus Ebermaiers Apotheke ist im Besitz des Heimatvereins. Foto: Uwe Plaß

Das rote Haus an der Mühlenstraße ist heute Teil der Meller Meilensteine. Aber für viele Meller wird es bleiben, was es die meiste Zeit gewesen ist: Ebermaiers Apotheke.