„Hat echt viel Spaß gemacht“ Meller Skate-Kids: Von Basics zu lässig in drei Tagen

Von Michael Hengehold

Beim Beim "Blunt" ragt das Deck über die Ramp empor, das untere Rollenpaar steht auf der Kante. Ein anspruchsvoller Trick, den Ole da versucht. Foto: Michael Hengehold

Melle.. Ole ist 13 und möchte endlich mal den Kickflip stehen. Vera (10) fährt am liebsten schnell. Und der zwölfjährige Philipp hat zwar Erfahrung mit dem Longboard, aber noch nicht auf Skateboards. Da kommt der dreitägige Workshop in der Turnhalle der Meller Grönenbergschule genau recht.

Eigentlich sollte das Training an der Skateranlage am Grönegaubad stattfinden, aber ausgerechnet zum Workshop-Beginn legt der Sommer eine Pause ein, es regnet ständig. Also kurzfristiger Umzug in die Halle, alle Kids werden angerufen. Nur nicht alle Erwachsenen, Vertreter des Workshop-Sponsors Innogy warten vergeblich am Skateplatz. Bis sie endlich eintreffen, stehen die 20 Kids über eine halbe Stunde rum, keiner sagt ihnen etwas.

Die Kids warten darauf, dass es losgeht. Foto: Michael Hengehold

„Ohne fährt hier keiner“

Dann geht es endlich los. Erst mal Dehnen, anschließend werden Helme, Knie- und Ellenbogenschoner ausgegeben. „Ohne fährt hier keiner“, erklärt Maik Giersch, einer der drei Trainer von Skate-Aid, einem Verein, der weltweit Projekte durchführt. Gegründet hat ihn Titus Dittmann, der Vater der deutschen Skateszene.

Ohne Schutz für Kopf, Ellenbogen und Knie geht nichts: Jan legt an. Foto: Michael Hengehold

Kurz von hinten schubsen

Etwa die Hälfte der Kids hat Erfahrung auf dem Deck und keineswegs nur die Jungs, beim Workshop sind acht Mädchen dabei.

Die Erfahrenen bilden eine Gruppe, die sich nur kurz mit der richtigen Fußstellung befasst und schnell zum Kurvenfahren übergeht.

Die Anfänger müssen derweil erst mal rausfinden, ob der linke oder rechte Fuß vorne steht. Geht ganz einfach: Kurz von hinten schubsen, der Fuß, der instinktiv nach vorne zum Abstützen genutzt wird, steht auch auf dem Board vorne.

Hacken hoch, Zehen hoch

Erste Übung: Draufstellen, einmal Schwung geben, rollen. Unsicher machen die Kids ein paar Meter. Dann zwei- oder dreimal Schwung geben und rollen. Als nächstes: Bremsen. Wer langsam fährt, hält den Fuß raus, bei höherem Speed springt man einfach nach vorne vom Deck. Klappt, die Hacken bleiben heil. Jetzt noch das Lenken: einfach Hacken oder Zehen hochnehmen, Gewicht verlagern. Schon sind die Basics vermittelt, kaum eine Stunde ist rum.

Hacken hoch, durch Gewichtsverlagerung wird gelenkt, zeigt Maik Giersch. Foto: Michael Hengehold

Sitzen statt stehen

Später geht es spielerisch weiter. Katamaran-Curling nennen die Trainer Maik Giersch, Sascha „Schorsch“ Korf und Jonas Steinert das. Zwei Kids setzen sich auf das Board und halten einander fest. Ein Dritter schiebt sie an. Wie beim Curling darf das Paar eine bestimmte Linie nicht überfahren, soll aber möglichst dicht ran. „So bekommen die Kids ein Gefühl für Geschwindigkeit und Gewichtsverlagerung und wie anders es sich anfühlt, auf dem Board zu sitzen, statt zu stehen“, erklärt Maik Giersch.

"Katamaran-Curling" auf Skateboards: Thies (links) und Finn-Luca sitzen auf ihren Boards, ein Dritter schiebt sie möglichst nah an eine Linie ran, nur nicht drüber. Foto: Michael Hengehold

Ein ziemlich runtergekommener Skateplatz

Zwei Tage später. Der Reporter schaut erneut vorbei. Morgens war die Gruppe noch am (ziemlich runtergekommenen) Skateplatz, aber da haben die Trainer schnell festgestellt, dass die Turnhalle doch ein schöner Ort ist. Die Politik hat zwar schon beschlossen, 150 000 Euro in eine neue Anlage aus Beton zu investieren, die Umsetzung wird aber noch dauern.

Ole versucht sich am „Blunt“

Erstaunlich: Die meisten Kids fahren nun mit einer Lässigkeit und Selbstverständlichkeit, die man in so kurzer Zeit kaum erwartet hätte. Schon werden Tricks auf der Miniramp probiert. Ole versucht sich am „Blunt“, ein Trick, den er in Osnabrück auf dem Skateplatz schon geschafft hat. Hier ist es nicht so einfach, „weil da kein Coping ist“, erklärt der 13-Jährige und meint eine runde Metallstange an der oberen Kante der Ramp, auf der sonst die Räder des Skateboards Halt finden. Ist schwerer, hat der Schorsch auch gesagt. Sieht aber ziemlich gut aus, was Ole da macht, auch wenn der Abschluss nicht recht gelingen will, der Drop-In. Dafür hat er schon zweimal den Kickflip gestanden, erzählt der Junge mit einem Grinsen im Gesicht. Ein anspruchsvoller Trick, für den man Monate braucht, bis er verlässlich klappt. Dabei dreht man das Board einmal um die Längsachse. Mit den Füßen, versteht sich.

„Ich bin hellauf begeistert“, lobt Jonas Steinert die Fortschritte. Fast alle haben durchgehalten und viel gelernt. „Hat echt viel Spaß gemacht“, findet Phillip.

Vom Long- aufs Skateboard umgestiegen ist der zwölfjährige Philipp. Foto: Michael Hengehold


Hilfestellung beim Drop-In: Bevor es die Rampe runtergeht (weil man dabei quasi in sie hineinfährt, heißt es Drop-In), gibt Sascha "Schorsch" Korf Evita Hilfestellung. Foto: Michael Hengehold


"Rock to Fakie" heißt dieser Trick, an dem Moritz sich versucht. Für die Fischaugen-Optik hat Trainer Jonas Steinert eine kleine Linse vor sein Handy geklemmt. Foto: Jonas Steinert