„Du bist schön, meine Taube“ Kleinode beim Meller Orgelsommer

Von Conny Rutsch

Bereicherten den Orgelsommer mit Kleinoden: Max Ciolek (links) und Thomas Pauschert. Foto: Conny RutschBereicherten den Orgelsommer mit Kleinoden: Max Ciolek (links) und Thomas Pauschert. Foto: Conny Rutsch

Melle. Mit musikalischen Sonnenstrahlen verwöhnt zu werden versprach Stephan Lutermann, Kirchenmusiker an der St. Matthäuskirche, zu Beginn des dritten Konzertes im Meller Orgelsommer.

Melle An der Klausing-Orgel gastierte Thomas Pauschert, Organist aus Gladbeck, der das Konzert gemeinsam mit dem Osnabrücker Tenor Max Ciolek gestaltete.

Einmal mehr zeigte ein Organist die Wandlungsfähigkeit des historischen Instrumentes in der Matthäuskirche. Im Mittelpunkt des Abends standen nicht etwa die strahlend klingenden und oft bekannten Orgelwerke, sondern mit viel Sorgfalt ausgewählte Musik vom 16. bis 18. Jahrhundert. Solche selten gehörten Kleinode machen die Höhepunkte des Orgelsommers immer wieder aus.

Hohe Virtuosität

Das Programm war geprägt von italienischen und süddeutschen Werken. Mit einer Toccata von Johann Jakob Froberger (1616-1667) startete Thomas Pauschert seine Orgelkunst und zeigte mit hoher Virtuosität und einfühlsamer Registrierung seine Vorliebe für die Musik des 17. Jahrhunderts. Schon im nächsten Werk bewies er sein musikalisches Gespür auch als Begleiter. „O quam tu pulchra es“ – „Du bist schön, meine Taube“ übersetzte der Solist Max Ciolek den Motettentext von Alessandro Grandi (1577-1630). Mit den ersten Tönen nahm der Tenor seine Zuhörer gefangen. Wunderbar mischte sich seine Stimme mit den geschickt ausgewählten Registern der Orgel. Und er konnte sich auf seinen Begleiter bei jedem Tempowechsel absolut verlassen. Mit dem „Salve Regina“ von André Campra (1660-1774) sowie später dem „Deus, canticum novum“ von Grandi zeigte der Tenor eine unglaubliche Bandbreite seiner Interpretationskunst. Ersteres Werk ist geprägt von kleinen musikalischen und verzierten Seufzern, das andere vom Ausdruck des Jubels, den Max Ciolek mit stimmlichen Echowirkungen gekonnt in Szene setzte. Sein wunderbares Timbre hatte er zuvor schon bei dem Choral „Ich will den Herren loben allzeit“ von Heinrich Schütz hören lassen können.

Musikalischer Sonnenstrahl

Zwischendurch hatte Thomas Pauschert einen besonderen musikalischen Sonnenstrahl mitgebracht. Das „Andante für eine Walze in eine kleine Orgel“ F-Dur KV 616 von Wolfgang Amadeus Mozart bedient die Beliebtheit von Musikautomaten wie Flötenuhren im 18. Jahrhundert, für die berühmte Komponisten zu schreiben gebeten wurden. Wie eine kleine Arie kommt die Melodie daher, und der Organist spielte das hübsche Orgelwerk mit filigran-virtuoser Kunst. Das gleiche gilt für die Ciacona für Orgel von Georg Muffat (1653-1704), einem punktierten fröhlichen Auf und Ab, Manualwechseln, schnellen Läufen, die fast wie ein Klangteppich wirken. Der Abend endete mit einem Capriccio von Girolamo Frescobaldi (1583-1643), einer Tenorvokalise und diesmal dem gleichberechtigte, also eher etwas lauteren Orgelklang. Ein musikalisches Zusammenwirken der besonderen Extraklasse.

Spiel auf dem Carillon

Auf dem Weg in die Kirche hatte Gerd Kruse mit Werken aus der Zeit des Konzertprogramms von Bach bis Mozart auf dem Carillon des Rathausturmes die Besucher erfreut und in die perfekte Stimmung für den sommerlichen Orgelabend versetzt.

Max Ciolek ist den Mellern übrigens auch mit visuellen Werken bekannt. In seinem Grafikdesignbüro in Osnabrück entwirft er viele der Konzertplakate für Melle und setzt seiner internationalen Sängerkarriere damit einen Kontrapunkt.