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„Immer das Beste für die Gäste“ Bierwärmer: Fast ein Relikt aus alter Zeit

Von Conny Rutsch

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Melle/Buer. Es gibt ihn noch, aber benutzt wird er eigentlich nicht mehr. In einem Fachgeschäft für Haushaltswaren in Melle kann der Kunde ihn aber sogar noch kaufen. Die Rede ist von einem Bierwärmer. Das Meller Kreisblatt hat in einigen Gaststätten nachgefragt, wie es um den alten Tresenbegleiter denn heute steht.

Wenn ein Gast ein Bier wärmer trinken möchte, als es aus dem Zapfhahn in das Glas geflossen ist, dann bieten Gastronomen mehrere Möglichkeiten an.

In der Meller „Kaffeemühle“ etwa wärmt Gero Rastede das Bierglas vor dem Bierzapfen mit heißem Wasser auf. Ebenso hält es Jutta Elffering-Tiemann in der „Gerichtsklause“. „Einer meiner Gäste mag sein Alster lieber wärmer, dann stelle ich immer ein Bierglas mit heißem Wasser gefüllt auf Vorrat auf, damit es vorgewärmt ist“, erzählt sie.

Auch im „Bayerischen Hof“ wissen sich die angestellten Fachkräfte zu helfen: „Wir stellen das Bierglas ins heiße Wasser“, berichten sie.

Dabei wirkt ein professioneller Bierwärmer in einem frisch gezapften Bier sogar dekorativ: er sieht aus wie eine Zigarrenhülse mit Deckel und einem äußeren Henkel und wird in einem kleinen Ständer aufbewahrt.

Während das Bier im Glas auf seine Schaumkrone wartet, füllt der Gastwirt den Bierwärmer mit heißem Wasser. Ist das Bierglas servierbereit, dann wird der metallene Wärmehelfer in das Glas hineingehängt. Ein Selbstversuch mit einem Leihbierwärmer im „Postillion“ zeigte, dass sich das Bier tatsächlich relativ schnell auf eine angenehme Trinktemperatur erwärmt. Das Bier schmeckt nicht einfach nur kalt, sondern nach seinen ausgesuchten Zutaten. Inhaberin Stefanie Wendlinger erzählt, dass sie den Bierwärmer noch aus ihrer Ausbildungszeit in einem Bad Bentheimer Hotel kennt und er von älteren Herren, die das kalte Bier nicht vertrugen, nachgefragt wurde.

Hubertus Tommek, ehemaliger Hotelier und Gastwirt des früheren Hotel „Lumme“ in Melle, weiß aus der Zeit, als die Gaststätte noch „Im alten Pferdestall“ hieß: „Früher wurde das Bier noch unkontrolliert gekühlt. Die Brauereien lieferten Stangeneis. Dies wurde zerkleinert und unter dem Deckel der Zapfanlage als Stückeis in die Zinkbleichverkleidung eingefüllt. Wenn wenig Gäste am Abend Bier verlangten, waren die ersten Gläser natürlich sehr kalt. Und dann kam der Bierwärmer zum Einsatz“, erklärt er.

Und dann finden wir ihn doch noch, den Bierwärmer in einer Gaststätte: Im „Bremer Tor“ in Buer greift Manfred Birr zielgerichtet in den Tresenschrank und holt ihn hervor. „Im vergangenen Winter hatte ich einen Gast, der ihn benutzt hat“, erzählt er. Heute wird der Gerstensaft mit einer Bierbegleitkühlung vom Fass im Keller bis zum Zapfhahn auf gleichbleibender Temperatur gehalten, sodass eisgekühltes und magenunfreundliches Bier eigentlich nicht mehr vorkommt. Dazu fällt Hubertus Tommek noch etwas ein: „Gute Gastwirte bekamen von den Brauereien ein Thermometer geschenkt mit dem grünen Markierstrich auf acht Grad.“ Immer das Beste für die Gäste.

Ach ja, umkehrt funktioniert der Bierwärmer auch: mit Eisstückchen gefüllt, kühlt er ein zu warmes Getränk eben.


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