Naturschützer begeistert Jubel in Melle: Der Fischotter findet weitere neue Reviere

Von Christoph Franken

Ein junger Fischotter guckt neugierig aus seinem unterirdischen Versteck. Foto: Gert WestdörpEin junger Fischotter guckt neugierig aus seinem unterirdischen Versteck. Foto: Gert Westdörp

Melle. Melles Naturschützer sind begeistert: Das Vorkommen des Fischotters ist jetzt auch für Melle-Mitte nachgewiesen.

Nachdem der Fischotter (Lutra lutra) bereits an der Warmenau und der  Else bei Bruchmühlen ausgemacht werden konnte, wurden Spuren und Kot des bedrohten Tieres jetzt auch an der Else-Brücke über die Oststraße gefunden. Das geht aus einer einjährigen Untersuchung durch die Otter-Expertin Anja Roy hervor, deren Ergebnisse jetzt die Meller Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) vorlegte.

Demnach wurde binnen eines Jahres an den Gewässern Melles rund 25 mal ein Fischotter nachgewiesen. Ein Jahr lang hat die freiberufliche Wildtierbiologin und Otter-Expertin Anja Roy (Lienen) im Auftrag der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) die Meller Gewässer erkundet. Das Projekt wird von der EU und vom Land mitfinanziert.

Erstaunliche Erkenntnisse

Die Ergebnisse der Fachfrau sind erstaunlich: Nachdem Nachweise des Fischotters jahrzehntelang ausgeblieben waren, ist das nachtaktive Tier aktuell gleich mehrfach an der Warmenau und der Else bei Bruchmühlen festgestellt worden. Selbst an kleineren Teichanlagen und Nebengewässern der Else ließ sich der Fischotter blicken. „Mit einem derart positiven Ergebnis hinsichtlich der Vielzahl an Fischotter-Nachweisen haben wir nicht einmal in unseren kühnsten Träumen gerechnet“, freut sich Anke Kuddes vom städtischen  Umweltbüro und fügt hinzu: „Die Ergebnisse der Otter-Erfassung sollen Ansporn sein, sich verstärkt für die Aufwertung der hiesigen Fließgewässer einzusetzen“.

„Mit sehr viel Glück kann der Fischotter sogar in Melle-Mitte beobachtet werden“, zeigte sich auch Fritz Mithöfer für die Meller Jägerschaft erfreut. „Denn der Otter ist damit nun auch sprichwörtlich vor den Toren Melles aufgetaucht“, ergänzte Heinrich Kinnius vom Kreislandvolkverband. Landwirte, Jäger und die Stadt engagieren sich in dem Projekt gemeinsam mit der Stiftung. 

Gibt es bald Fischotternachwuchs?

Aufhorchen lässt zudem eine Einschätzung von Anja Roy: Sie hält es für möglich, dass sich die  Fischotter mittelfristig sogar in Melle fortpflanzen. Ein Weibchen kann bis zu vier Junge bekommen, die sie rund drei Monate säugt und weitere elf Monate auf ein eigenständiges Otterleben vorbereitet. „Eine Fischotter-Familie im Fließgewässer-Netz der Stadt zu beherbergen wäre im Zeitalter der stark rückläufigen Biodiversität ein Glücksfall und eine große Bereicherung für die Region”, sind sich die Kooperationspartner einig.

Mit den Ergebnissen aus der einjährigen Untersuchung ließen sich nun in einem weiteren Schritt sinnvolle Maßnahmen zur Optimierung des Otter-Lebensraums ableiten, erklärte Volker Tiemeyer vom Vorstand der SON. In den nächsten Monaten sollen die Untersuchungsergebnisse analysiert und auf Praxistauglichkeit geprüft werden. Vielfach gehe es dann beispielsweise darum, Brückenbauwerke für den Fischotter mit möglichst geringem Aufwand so aufzuwerten, dass der Otter die Durchlässe ohne Gefahr passieren kann. 

Tiemeyer ist sich sicher, dass mit der Aufwertung der Fließgewässer nicht nur der Lebensraum des Fischotters verbessert wird: „Auch vielen weiteren heimischen Tier- und Pflanzenarten kann auf diese Weise geholfen werden.”  Und nicht zuletzt erfreuten sich auch die Bürger an naturnahen Bächen und Flüssen im Stadtgebiet.