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Melle hat den Schnitt um über 80 Zuschauer erhöht Freilichtbühnen trotzten dem miesen Sommer

Von Hermann Gerdes


Melle/Westerstede. Für die Freilichtbühnen war der Sommer 2011 wahrlich kein guter Sommer. 32 Aufführungen fielen allein in Niedersachsen dem Regen zum Opfer, unzählige Besucher machten sich im Wetter-Zweifel nicht auf den Weg zur Aufführung unter Baumkronen, Wolkenzug und Sommerhimmel. Dennoch: Es kamen zu den 17 Freilichtbühnen des Landes erneut mehr als 200000 Zuschauer. Die Gesamtbesucherzahl sackte leicht ab von 206400 auf 205500. Es gab 32 ausgefallene Aufführungen – sechs mehr als 2010.

1700 Aufführungen gab es auf den 89 Mitgliedsbühnen des Freilichttheater-Verbandes. Reinhard Jansen (Bad Bentheim), der Vorsitzende des Regionalverbandes Nord, will den Begriff „Sommer“ jedes Jahr neu definieren. „Ob der Sommer in diesem Jahr wirklich einer war, ist auslegungsbedürftig.“ Aber gleichwohl habe das eher wechselhafte Wetter der Spielfreude der vielen Akteure und der Begeisterung der Zuschauer keinen Abbruch getan. „So spiegelt denn die Statistik ein durchaus positives Ergebnis wider“, meint die Freilichtbühnen-Spitze. Mit einer Gesamtbesucherzahl von 852000 konnten in Deutschland 11000 Besucher mehr als in der Saison 2010 gezählt werden.

2012 wird für die Freilichtbühnen ein schweres Jahr. Fast überall beginnen bereits die Probenarbeiten, aber im Terminkalender konkurrieren die Fußball-Europameisterschaft im Juni und die Londoner Olympiade Ende Juli und Anfang August.

Die Bilanz der einzelnen Bühnen ist sehr unterschiedlich: Die Waldbühne Melle zog 11266 Zuschauer an – deutlich mehr als 2010, als 8939 Besucher kamen. Das „Tratsch im Treppenhaus“ und „Max und Moritz“ kamen auf einen Schnitt von 402 Besuchern in den 28 Vorstellungen.

Die Waldbühne aus dem kleinsten Freilichtbühnen-Dorf Ahmsen im Emsland, in der sich jeder zweite der gut 350 Einwohner für das Theater im Freien engagiert, erlebte einen deutlichen Einbruch. Mit 30323 Zuschauern (2010: 43406) belegen die Ahmsener aber immer noch Platz 1 in Niedersachsen. Nur dort werden nach wie vor mehr als 1000 Zuschauer pro Vorstellung gezählt.

Dafür probierte es die Deister-Freilichtbühne Barsinghausen in ihrem 81. Jahr – 1931 gab es erstmals „Andreas Hofer“ – mit Dürrenmatts „Alter Dame“. Im Deister steigerten sich allerdings die Besucherzahlen 2011 – von 16600 auf 18700. Keine der 50 Vorstellungen von „Kiss me Kate“, der „Mördergesellschaft“ oder „Mary Poppins“ fiel aus.

Die älteste Freilichtbühne Niedersachsens steht in Bad Bentheim. 1925 gab es die „Hermannsschlacht“, und Zeiten, als 1951 84000 Zuschauer die „Jungfrau von Orleans“ sahen, sind längst vorbei. Die einstige Erfolgsbühne konnte gegenüber dem Minus-Jahr 2010 zwar um fast 7000 Zuschauer zulegen, landete mit 19954 Zuschauern aber auf Platz 5 in Niedersachsen. Den „Mann mit der eisernen Maske“ wollten nur 2953 Zuschauer sehen. Mit „Dschungelbuch“ könnte sich der „Pippi-Langstrumpf“-Erfolg dieses Jahres – immerhin 17000 Zuschauer – fortsetzen.

Einen mächtigen Sprung nach vorne hat dagegen in den letzten Jahren die Waldbühne Kloster Oesede getan. Sie übertrumpfte mit 25160 Zuschauern sogar die Freilichtbühne Meppen (23616 gesamt, 868 im Schnitt). Im Erwachsenen-Theater kamen mit 14743 Zuschauern sogar mehr als nach Ahmsen: Die „Heiße Ecke“ war jedes Mal ausverkauft, und zu „Gypsy“ kamen auch jedes Mal 900 Zuschauer. So steht 2012 wieder neben „Mirinda Zauberwind“ und „Eine Hochzeit zum Verlieben“ erneut „Heiße Ecke 24“ auf dem Programmzettel.

Mit „Max und Moritz“ hatte die Freilichtbühne Lohne bei 16200 Zuschauern nach „Ronja“ in Ahmsen und „Pippi“ in Ahmsen die drittbeste Bilanz aller Kinderstücke. Mit „Rabatz im Zauberwald“ und „Funny Money – Geld verdirbt den Charakter“ sollen erneut mehr als 20000 Zuschauer gelockt werden.

Fazit: Das Freilichttheater erfreut sich als das besondere Theatererlebnis nach wie vor großer Beliebtheit bei breiten Bevölkerungsschichten. „Der wechselhafte Sommer spiegelt sich in der Statistik nicht wider“, meinte Reinhard Jansen.


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