Projekt des Meller Komponisten Willem Schulz Ein ganzes Tal in der Schweiz wird zum Konzertraum

Von pm

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Melle. Der Meller Komponist Willem Schulz verwandelt mit seinem Projekt „listen!“ am Freitag, 29. Juni, und am Sonntag, 1. Juli das Muggio-Tal im schweizerischen Tessin in einen sich wandelnden Konzertraum.

Valle Muggio/Melle 25 Bläser, Streicher, Percussionisten, Sänger und Tänzer aus dem Norden Italiens und der südlichen Schweiz wirken bei der aufwendigen Inszenierung mit. Eingeladen vom Kunstverein MonteArte, entwickelt Schulz seit zwei Jahren das Konzept, in dem das Bergdorf Monte mit seinen verzweigten Straßen und Wegen, seiner urigen Architektur, seiner Kirche und seinen zauberhaften Winkeln und Nischen zu einem großen Instrument wird, auf dem gespielt wird, während weit übers Tal kraftvolle Blechbläser und Sängerinnen die vogelnestartigen Orte des Valle di Muggio miteinander vernetzen.

Musikalische Land-Art

Willem Schulz nennt seine landschaftsbezogenen Inszenierungen Musikalische Land-Art. So hat er über die Jahre schon sehr unterschiedliche Orte bespielt, wie die gesamte Insel Spiekeroog 1995 mit einem Orchester unter dem Titel „ting II“, die Region um Melle unter dem Titel „Odyssee“ im Jahre 1996, die Hamburger Hafen-City jährlich von 2002 bis 2008 unter dem Titel „tune I – VIII“ oder die Zürichsee-Promenade mit 350 Mitwirkenden 2002 unter dem Titel „listen“. „listen“ in einer weiteren Version wurde 2015 wiederum realisiert mit 300 Mitwirkenden der Musik- und Kunstschule Osnabrück. Und nun „listen“ im südlichsten Alpental der Schweiz.

Zehn Tage vor Ort

Um das Tal zu erleben, zu fühlen und zu recherchieren, fuhr Willem Schulz für zehn Tage dorthin. Er ließ die Orte auf sich wirken, lernte Menschen dort kennen, gab ein Solokonzert und entwickelte erste Ideen einer Bespielung. Hierzu gehörte auch eine Vorstellung, welche Besetzung das Ensemble haben sollte. Der Wunsch der Veranstalter war es, dass die Mitwirkenden aus der näheren und weiteren Umgebung kommen sollten. Als diese gefunden waren, schickte jeder ein Video nach Melle, in dem der Komponist einen Eindruck bekommen konnte, wie er oder sie mit dem Instrument und mit der Musik umgeht. Dies war enorm hilfreich, um für die Einzelnen passende Kompositionen zu schreiben. Diese konnten sie daraufhin individuell einstudieren. In einem zweitägigen Workshop wird die Inszenierung nun unter seiner Leitung gemeinsam erarbeitet.

Kirchenglocken korrespondieren

Eröffnet wird das musikalische Landschaftsereignis mit den miteinander korrespondierenden Kirchenglocken der Orte Monte und Bruzella. Über die Bergstraße nähert sich eine eigenartige Kapelle in bunter Kostümierung mit einem „Schrägen Marsch“. Ihr Weg zieht bis mitten ins Dorf zur Kirche. Das Publikum wird nun in die Stille der Kirche gebeten, wo eine äußerst intime Musik erklingt, ein Klang wie Duft und Geist, schwebend im Raum. In der Zwischenzeit hat sich das gesamte Ensemble auf lauter einzelne Positionen im Dorf verteilt. Balkone und Treppen, Nischen und Türen, sonnige Vorsprünge und dunklen Hohlräume werden über eine halbe Stunde durch Melodien, Rhythmen, Klänge, Tanz und Performance solistisch interpretiert.

Das Publikum ist eingeladen, das Dorf schweigend auf eigenen Wegen individuell zu entdecken. Dann bewegen sich alle Mitwirkenden von ihren verschiedenen Positionen zum zentralen Dorfplatz, wo sie zu einer stillen gemeinsamen Skulptur verschmelzen. Nun verwandelt sich dieser Dorfplatz zu einer großen liegenden Leinwand, auf der ein bewegtes abstraktes Gemälde entsteht, das an die Konkrete Kunst, etwa an die Bilder von Kandinsky erinnern könnte.

Anschließend erweitert sich der enge Raum des Dorfes in das große Tal: von exponierten Positionen an mehreren Orten im Tal verteilt, rufen sich Trompeten und Sängerinnen lang gezogene Töne, Motive und Solosequenzen zu. Nähe und Ferne – das ganze Tal wird hörbar.

Schließlich ertönt das Signal der anfänglichen Kapelle: Sie formiert sich erneut und zieht mit dem gleichen „Schrägen Marsch“ aus dem Dorf in die andere Richtung aus, mit dem sie gekommen ist, und überlässt das Tal wieder seinen eigenen Tönen.


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