Sommerlichen Orgelkonzerte Ein Hauch von Italien beim Wandelkonzert in Melle

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Für einen anregenden und überaus kontrastreichen Auftakt des Orgelsommers sorgten Gerd Kruse, Stephan Lutermann und Andreas Opp. Foto: Petra RopersFür einen anregenden und überaus kontrastreichen Auftakt des Orgelsommers sorgten Gerd Kruse, Stephan Lutermann und Andreas Opp. Foto: Petra Ropers

Melle. Drei Organisten, drei kostbare Instrumente, ein klangvoller Abend: Mit einem niveauvollen Wandelkonzert begann am Mittwoch der Meller Orgelsommer.

Melle Bis Anfang August erklingen die Orgeln von St. Petri und St. Matthäus im wöchentlichen Wechsel und stets eingeläutet vom Glockenspiel im Rathausturm.

Von der Idee fasziniert

Pünktlich zum Auftakt des Orgelsommers meldete sich auch der meteorologische Sommer zurück. Die Organisten Stephan Lutermann, Andreas Opp und Gerd Kruse schienen es vorausgeahnt zu haben: Sie stellten - musikalisch ebenso stimmig wie meteorologisch – einen Komponisten aus dem sonnigen Italien in den Mittelpunkt des Wandelkonzertes. Orchesterwerke von Antonio Vivaldi dargeboten auf historischen Barockorgeln? Diese Idee faszinierte bereits Johann Sebastian Bach, der mehrere Concerti seines Zeitgenossen für die „Königin der Instrumente“ transkribierte.

Zunächst jedoch führte Stephan Lutermann an der Klausing-Orgel der St. Matthäus-Kirche weit zurück bis in die Zeit der Renaissance. Mit dem feierlich volltönenden Preambulum des polnischen Komponisten Mikolaj z Krakowa und den kurzen, von seinem Zeitgenossen und Landsmann Jan z Lublina in einer Orgel-Tabulatur gesammelten Werken brachte er das von den Zungenstimmen der Klausing-Orgel geprägte Klangbild alter Musik in die Kirche.

Einen deutlichen Kontrast bot Bachs Bearbeitung des Concerto grosso op. 8 Nr. 3 von Vivaldi. Das dreisätzige Werk verzauberte in den Ecksätzen mit heiterer, facettenreich registrierter Dynamik. Weiche, zurückhaltende Mehrstimmigkeit prägte nach einstimmigem Entrée das zentrale Adagio. Antonio Vivaldi erwies auf dem Carillon auch Gerd Kruse seine Reverenz: Mit Frühling, Herbst und Winter seiner „Jahreszeiten“ begleitete er – neben Werken von Bach - die Wege zu den Kirchen und machte damit einmal mehr den besonderen Stellenwert des Instrumentes hörbar.

Polen und Italien – Letzeres in Bach’scher Transkription – prägten auch den dritten Teil des Wandelkonzertes. Dabei überraschte Andreas Opp an der Christian-Vater-Orgel zum Auftakt mit schweren Klängen zum leichten Sommerabend.

Denn Jan Krittel Kuchars Fantasia in g-Moll fesselt mit eindringlichen, fast düster anmutenden Akkorden in den Ecksätzen eines an überraschenden Wendungen reichen Werkes. Trotz des Schlussakkordes in versöhnlichem Dur: Deutlicher hätte der Kontrast nicht sein können als zu den perlend herabfallenden Klangkaskaden im ersten Satz von Bachs Transkription des Vivaldi-Concertos op. 8 Nr. 11.

In fünf Sätzen spielte Andreas Opp zwischen strahlender Festlichkeit und lieblicher Zartheit mit spürbarem Vergnügen die konzertante Leichtigkeit der Christian-Vater-Orgel aus. Gemeinsam präsentierten Organisten so nicht nur ein überaus facettenreiches Bild der „Königin der Instrumente“. Sie belegten damit zugleich nachdrücklich, warum die Orgelmusik Ende vergangenen Jahres zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde. Dass dieses Weltkulturerbe gerade auch in Melle lebendig bleibt, ist nicht zuletzt den Musikfreunden zu verdanken, die mit ihrem Besuch der sommerlichen Orgelkonzerte dazu beitragen, die klangvolle Tradition lebendig zu halten.


Die weiteren Termine:

Am 4. Juli konzertiert der US-Amerikaner Christopher Holman (Houston) in St. Petri. Der Organist und Cembalist hat sich auf die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisiert und tritt an historischen Orgeln in ganz Europa auf. Am 11 Juli debütieren der Tenor Max Ciolek (Osnabrück) und der Organist Thomas Pauschert (Gladbeck) gemeinsam in der Matthäus-Kirche.

Mit Egbert Schoenmaker (Emlichheim) kommt am 18. Juli ein alter Bekannter in die Petrikirche. Beim Meller Orgelsommer spielt er unter anderem Stücke von Tielman Susato.

Mit Winfried Dahlke aus dem ostfriesischen Weener hat sich für den 25. Juli ein Mann angesagt, den Andreas Opp als „Ass unter den Organisten“ bezeichnet.

Wenn der Westerhausener Daniel Skibbe am 1. August mit seinen Improvisationen den Orgelsommer in St. Petri beendet, dürften ihn seine Fans schon erwarten.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN