Drei Fragen: Swetlana Koslowskaja „Kinder lernen in Melle eine andere Mentalität kennen“

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„Danke und bitte höre ich viel öfter als in meiner Heimat“, sagt Swetlana Koslowskaja. Foto: Marita Kammeier„Danke und bitte höre ich viel öfter als in meiner Heimat“, sagt Swetlana Koslowskaja. Foto: Marita Kammeier

maka Melle. Deutschlehrerin Swetlana Koslowskaja begleitet seit 2006 fast jedes Jahr die „Gomel-Kinder“ aus Weißrussland beim vierwöchigen Ferienprogramm in Melle als eine von drei Dolmetscherinnen. Im Interview erzählt sie, wie die Kinder ausgewählt werden und welche Unterschiede zwischen Deutschland und Weißrussland ihr auffallen.

Frau Koslowskaja, wie sind Sie an den Dolmetscherjob gekommen, der in Weißrussland vermutlich heiß begehrt ist?

Das war ein sehr glücklicher Zufall. Es war schon früh mein Traum, einmal nach Deutschland zu reisen. An meiner Schule war es Pflicht für die Lehrer, Bildungskurse zu belegen und während dieser Zeit habe ich eine Frau kennengelernt, die eine Nachfolgerin suchte. Sofort habe ich meine Bewerbung an den Gesundheitsfonds der Stadt Gomel geschickt, und bei der nächsten Flugreise nach Deutschland war ich dabei. Der erste Deutsche, den ich damals am Flughafen in Hannover kennengelernt habe, war Pastor Christoph Stiehl.

Wie werden die Kinder ausgesucht, und was hat sich seit den Anfängen geändert?

Die Auswahl erfolgt von amtlicher Stelle. Die Kinder werden zum Teil aus der Stadt Gomel ausgesucht, die 200 Kilometer entfernt von Tschernobyl liegt sowie aus der Region im Umkreis bis zu 300 Kilometern. Bevorzugt werden dabei Schüler, die Immunschwächen oder gesundheitliche Spätschäden aus der Tschernobyl-Katastrophe aufweisen. Oft wachsen die Kinder vernachlässigt in schwierigen Verhältnissen auf, weil die Eltern trinken, schlagen oder Rauschgift nehmen. Inzwischen reisen wir in kleineren Gruppen, früher waren es mehr als 50 Kinder, jetzt sind es 40.

Welche Unterschiede zwischen den Ländern fallen Ihnen besonders auf?

In Deutschland gibt es mehr Diskussionen über alles Mögliche, zum Beispiel beim Essen oder über Nahrungsmittel. Dafür nehmen sich alle mehr Zeit. Die Menschen hier sind freundlicher und höflicher zueinander, spenden mehr Lob. Danke und bitte höre ich viel öfter als in meiner Heimat. Hallo wird auch zu Unbekannten gesagt, das ist komplett neu für mich. Die Ferienkinder aus Weißrussland lernen in Melle eine ganz neue Mentalität kennen.


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