Der Sensenmann vom Wiehen Rödinghausen: Klaus Degelau ist Dengel-Weltmeister

Von Meiko Haselhorst

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Perfektes Mähen mit perfekt geschärften Sensen – das ist das Hobby von Klaus Degelau aus Rödinghausen.

Rödinghausen Die Wiese ist pitschnass, gerade erst ist ein ordentlicher Schauer vom Himmel gekommen. „Perfektes Mähwetter“, findet Klaus Degelau. „Mit der Sense mäht es sich am besten, wenn’s nass ist“, erklärt der Rödinghauser. Aha. Doch bevor hier gemäht werden kann, geht es ans Dengeln. Ans was? Ans Dengeln, ans Schärfen der Sense – mit Hammer und Amboss.

„Aufgewachsen bin ich im Solling, umgeben von Landwirtschaft“, erzählt der 58-Jährige. Vater, Großvater und die meisten älteren Leute auf dem Lande hätten zum Mähen wie selbstverständlich eine Sense benutzt. Er selbst habe damit lange Zeit nichts am Hut gehabt und mit der Landwirtschaft insgesamt auch nicht. Stattdessen sei er Heizungsmonteur geworden. „In den 90er-Jahren gründeten sich dann hier und da Gruppen und Vereine, die es sich zur Aufgabe machten, das alte Wissen zu bewahren und weiterzugeben“, erzählt Degelau. Sein Vater sei da sehr aktiv gewesen – und überredete seine Söhne zum Mitmachen. Während sich der Bruder in Sachen Talent und Lust eher zurückhielt, fand Klaus Degelau mit seinen damals knapp 40 Jahren Gefallen an dem alten Handwerk.

Auf dem Dengelamboss

„Wir waren dann auch zusammen auf Schautagen, haben an Workshops und Wettbewerben teilgenommen“, erzählt Degelau. Im Mähen (nur Laien würden von „Sensen“ sprechen) sei er schon gar nicht schlecht gewesen, recht bald stellte sich allerdings heraus, dass ihm eine andere Sache noch viel besser lag: das Dengeln.

„Man bearbeitet die Schneide des Sensenblattes so lange mit dem Hammer, bis sie ganz dünn ist – und damit scharf“, erklärt Degelau das Prinzip in wenigen Worten. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. „Man braucht schon ein bisschen handwerkliches Geschick, um das zu lernen“, sagt der Rödinghauser.

Degelau benutzt zum Bearbeiten meist einen normalen Hammer und einen speziellen Dengelamboss, der oben spitz zuläuft. Man könne das Ganze aber auch umgekehrt machen – Dengelhammer und normaler Amboss, sagt Degelau. Spricht’s, schnappt sich Sensenblatt und Hammer, setzt sich unweit des Süßkirschbaums auf seinen selbst gebauten Dengelbock und dengelt lautstark drauflos, Zentimeter für Zentimeter. Etwa eine Stunde, sagt er, brauche er, bis das Blatt von oben bis unten so bearbeitet sei, „dass man vernünftig damit mähen kann“.

Dass er mit dieser Zeit schon ziemlich flott unterwegs ist, beweisen zwei beachtliche Erfolge, die er bei zwei Wettbewerben erzielt hat: 2012 im sächsischen Salbitz setzte er sich im Dengeln gegen insgesamt 45 Sensenmänner – unter anderem aus Polen, aus der Schweiz, aus Österreich und aus dem Baskenland – durch und wurde Dengel-Weltmeister. Und fast noch beachtlicher: Vier Jahre später schaffte er im ostfriesischen Wiesmoor das, wovon die Fußballnationalmannschaft derzeit nur träumt – er verteidigte seinen Titel.

„Hier ist die Trophäe aus Salbitz“, sagt Degelau und holt ein bunt bemaltes Sensenblatt hervor. „Haben die doch schön zurechtgemacht.“ Ein bisschen stolz darauf sei er durchaus. Und ein bisschen stolz darauf sei auch sein Vater gewesen – der habe die Triumphe seines Sohnes glücklicherweise noch miterleben dürfen.

„Und jetzt wird gemäht“, sagt Klaus Degelau, montiert das Blatt auf den Sensenbaum (so heißt der Griff), macht ein paar Schritte hinaus auf die regenfeuchte Wiese und zieht mit weit ausladenden Bewegungen die Sense über den ohnehin schon kurzen Klee. Das Ergebnis ließe die Greenkeeper der meisten lokalen Sportplätze vermutlich vor Neid erblassen. Womit bewiesen wäre: Klaus Degelau bekommt die Sense nicht nur scharf, er kann sie auch anwenden. Er ist der Sensenmann vom Wiehen.


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