Stadt will Tierbeweidung stoppen Keine Gnade für den Gnadenhof in Melle?

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Ländliche Idylle am Wulberg in Westerhausen: Kai und Julia Behncke sowie Nachbarin Sandra Hielscher (von links) bei der Tierfütterung auf dem Gnadenhof Brödel. Foto: Simone GraweLändliche Idylle am Wulberg in Westerhausen: Kai und Julia Behncke sowie Nachbarin Sandra Hielscher (von links) bei der Tierfütterung auf dem Gnadenhof Brödel. Foto: Simone Grawe

Melle. Für Kai Behncke war es ein trauriger Tag: Die Stadt hat ihn vor wenigen Tagen aufgefordert, die Stallungen und den Bauwagen auf der Gnadenhoffläche Brödel in Westerhausen zu räumen. Nun kämpft Behncke für den Erhalt der Tierbeweidung.

Landidylle pur: Auf dem weiträumigen Gelände am Wulberg grasen Schafe und Ziegen, ebenso zwei Ponys. Diverse Kleintiere wie mehrere Hühner und ein stolzer Hahn, Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen und Hund „Nelly“ komplettieren das Bild einer intakten Tierfamilie: „Es ist alles so entzückend, die Tiere sind hier sehr geschätzt“, betont Nachbarin Sandra Hielscher.

Frist bis 1. September

Mit dieser Idylle könnte es aber bald vorbei sein, denn mit dem Hinweis, dass Kai Behncke in einem allgemeinen Wohngebiet Ziegen und Schafe hält, hat die Stadt den Betreiber des Gnadenhofes aufgefordert, Stall und Bauwagen zu entfernen und den Standort der Weidetiere zu verlegen: „Die Nutzung ist baurechtlich nicht zulässig“, erklärt Bauamtsleiter Rainer Mallon auf Nachfrage unserer Redaktion. Bis zum 1. September hat die Stadt dem Gnadenhofbetreiber eine Frist eingeräumt, binnen derer die Fläche geräumt sein muss. Als Alternative steht Behncke eine gepachtete Fläche auf dem Kreimerhof in Oldendorf zur Verfügung.

„Wir wollen dem Betreiber nichts Böses, aber laut Baugesetzgebung ist in einem bebauten Ortsteil nur Wohnen erlaubt, auch Kleintierhaltung ist möglich, nicht aber das Halten von Ziegen und Schafen“, beruft sich der Bauamtsleiter auf geltendes Recht, wonach die Haltung von Schafen und Ziegen aufgrund von Emissionen in einem Wohngebiet nicht erlaubt ist. Diese Einschätzung teilt Kai Behncke allerdings nicht.

Unterschriftenliste

„Es fällt uns schwer zu akzeptieren, dass die Tiere wegsollen“, äußert sich Kai Behncke. Mit dieser Meinung steht er auch nicht allein. Mit wenigen Ausnahmen haben sich auch die Nachbarn auf einer Unterschriftenliste für den Verbleib der Tiere ausgesprochen.

Kai Behncke betont, dass die Hinterlassenschaften regelmäßig abgeäppelt werden. Insofern könne von Geruchsbelästigung keine Rede sein. Auch der Lärm könne bei einem Vergleich mit der angrenzenden Bahnlinie eigentlich keine Rolle spielen. Auch die Tatsache, dass sich der Großteil der Nachbarschaft mit den Tieren solidarisch erkläre, zeuge von einem Einklang von Mensch und Tier: „Seit Jahren hat es keine Beschwerden gegeben, wir wohnen auf dem Land, wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, untermauert der Gnadenhofbetreiber.

Tiere sorgen für Ruhe und Abwechslung, unterstreicht er: Sie stehen für das Kulturgut im ländlichen Raum. Zudem fördere die extensive Beweidung den Wildblumenwuchs und die Ansiedlung bestimmter Wildbienen und Vogelarten: „Die Tiere bringen Freude in unsere Herzen“, bemerkt Sandra Hielscher.

Anwälte eingeschaltet

Kai Behncke hat zwei Anwälte eingeschaltet, die nach ersten Gesprächen eine andere juristische Einschätzung der baurechtlichen Situation als die Stadt abgegeben hätten. Dies werde jetzt intensiv als „Instrument der lebendigen Demokratie“ geprüft, kündigt Behncke an.

Ausdrücklich weist er auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadt hin. Die Kommune habe sich stets „korrekt und auch durchaus kulant“ verhalten. Dies gelte nicht nur für das laufende Verfahren mit Einräumung einer großzügigen Frist, sondern auch mit Blick auf das Blühwiesenprojekt.

Auch die Zusammenarbeit bei der Anlage der Feuchtbiotope in Oldendorf sei ganz hervorragend gewesen. Dass die Tierbeweidung jetzt jedoch verboten werden soll, nur weil es das Gesetz so vorschreibt, bewertet Kai Behncke als „klein kariert“. Er hofft auf einen Ermessensspielraum seitens der Stadt.

Homepage: gUG Umweltschutz und Lebenshilfe.


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