Sie kommentieren Samstag WM-Spiel Meller Freunde Bartels und Meinke für die ARD in Russland

Von Axel Rothkehl

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Ihre vierte gemeinsame Fußball-WM verbringen die in Melle aufgewachsenen Tom Bartels (r.) und Gerrit Meinke jetzt in Russland.Foto: ARDIhre vierte gemeinsame Fußball-WM verbringen die in Melle aufgewachsenen Tom Bartels (r.) und Gerrit Meinke jetzt in Russland.Foto: ARD

Sotchi/Melle. Zur Eröffnung der Weltmeisterschaft waren zwei Meller mittendrin. Tom Bartels und Gerrit Meinke lieferten den Live-Kommentar für die ARD aus Moskau.

Die beiden sind am Samstagabend um 20 Uhr wieder im Einsatz. Beim Spiel der deutschen Mannschaft gegen Schweden werden im „Ersten“ etwa 25 Millionen Zuschauer dem Sportjournalisten Bartels zuhören.

Sie standen mal wieder unter Zeitdruck. An ihrem sendefreien Tag waren Bartels und Meinke gerade noch rechtzeitig in Sotchi gelandet, schmissen die Koffer aufs Hotelzimmer und mieteten zwei Fahrräder. Damit zuckelten sie in eine Strandbar am Ufer des Schwarzen Meeres. Unter Palmen schauten sie in Liegestühlen das Spiel der DFB-Elf gegen Mexiko. Nebenan hockte eine Gruppe mexikanischer Frauen, „die bei Tor und Schlusspfiff komplett durchgedreht sind“, lacht Meinke.

Richtig Alarm gemacht

Fans aus Uruguay sorgten auf ihrem Flug von Moskau nach Rostov für Stimmung. „Drei davon haben richtig Alarm gemacht“, berichtet Meinke, „die wurden von der Miliz separat aus dem Flugzeug geholt“. Überhaupt gebe es ständig aufwendige Sicherheitskontrollen. „Die WM ist ein Prestigeprojekt von Wladimir Putin, dabei geht in Russland die Sicherheit auf Kosten der Demokratie“, ordnet Bartels ein, „wer hier anreist, der wird sich wohlfühlen. Aber nur wenn er nicht für Menschenrechte demonstriert und sich an Putins Regeln hält“.

Die Rollenverteilung des Meller Duos, das viereinhalb Wochen miteinander verbringt, hat sich schon bei jeweils drei Welt- und Europameisterschaften bewährt: Bartels kommentiert die Matches und Meinke souffliert ihm gelegentlich. Meist dann, wenn es um die Auslegung der Abseitsregel, versteckte Fouls oder die Taktik geht. Bartels verwandelt die verbalen Vorlagen Meinkes für den Zuschauer. Vor drei Jahrzehnten lief das andersherum. Damals bediente Bartels bei TuRa Melle mit feinen Pässen den Torjäger Meinke.

Jetzt in Russland arbeiten sie in zwölf Begegnungen bis zum Spiel um Platz 3. Den Kreml und das Lenin-Mausoleum kennt Bartels längst. Sightseeing sei kein Thema. „Wir machen unseren Job und wollen nebenbei alle Spiele im Fernsehen anschauen.“ Das schaffen sie kaum. Sie fliegen mehrfach zwischen den Städten Moskau, St. Petersburg, Rostow, Sotchi, Samara, Nischni und Kaliningrad hin und her.

Schon in Melle haben die beiden als Pennäler die Bolzplätze in den Stadtteilen gemeinsam abgegrast. Und oft karrten ihre Väter die Jungs zu Bundesligaklubs in Bielefeld oder Mönchengladbach. Im November 1980 war die Fahrt kürzer. Die Gladbacher mussten im DFB-Pokal beim Bünder SV ran. Nach dem Spiel kannten Tom und Gerrit keine Hemmungen, schlichen in die Kabine des Lieblingsklubs und verbrachten dort eine spannende Viertelstunde. „Die waren alle nett und haben um uns herum geduscht“, erinnert sich Bartels. Darunter auch der nackte Lothar Matthäus. Die beiden sammelten in den Nebelschwaden der Herrenkabine fleißig Autogramme.

Bartels ist in der Szene dafür bekannt, dass er sich auf den Kommentar akribisch vorbereitet. Das brachte ihm 2014 den Einsatz beim Finale von Rio und den Deutschen Fernsehpreis ein.

Mit Jogi per Du

Am Samstag zur Mittagszeit treffen Bartels und Meinke in Sotchi noch Co-Trainer Martin Schneider. „Da mangelt es nicht an Klarheit“, so Bartels, „der sagt uns, was die Mannschaft gegen Schweden vorhat und wie die Atmosphäre im Team ist“. Vor anderen Länderspielen sitzen sie auch mit Jogi Löw zusammen. Doch der sei bei einer Weltmeisterschaft „kaum greifbar“. Bartels ist mit dem Bundestrainer „per Du“, seit Löw vor 20 Jahren Trainer beim VfB Stuttgart war und Bartels als Jungreporter über den Klub für die „Sportschau“ berichtete.

Vater Dietrich Bartels wird am Samstagabend in Eicken das Spiel nur an der Seite von Frau Erika verfolgen. Wenn sein Sohn am Mikrofon sitzt, mag er „Public Viewing“ oder größere Wohnzimmerrunden nicht. „Verliert Deutschland, dann wird auch der Kommentator auseinandergenommen. Wahrscheinlich berührt mich das mehr als Tom.“ Vor dem WM-Finale 2014 hatte er jedenfalls noch einen Beruhigungsspaziergang gemacht.


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