Weidefläche in Melle soll Ausgleichsfläche werden EU-Wahn in ländlicher Idylle

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Michaela Krüger möchte die 1,7 Hektar große Weidefläche oberhalb des jüdischen Friedhofs zu einer ökologischen Ausgleichsfläche umwandeln und stößt dabei auf eine paradoxe Gesetzeslage. Foto: Simone GraweMichaela Krüger möchte die 1,7 Hektar große Weidefläche oberhalb des jüdischen Friedhofs zu einer ökologischen Ausgleichsfläche umwandeln und stößt dabei auf eine paradoxe Gesetzeslage. Foto: Simone Grawe

Melle. Kann das im Sinne des Naturschutzes sein? Pächterin Michaela Krüger möchte in Buer eine ökologische Ausgleichsfläche schaffen. Die damit verbundenen Gesetze lassen ihr die Haare zu Berge stehen.

„Welch märchenhafte Idylle hier herrscht.“ Diesen Satz bekommt Michaela Krüger häufig von Besuchern zu hören, die ihren Arche-Hof oberhalb des jüdischen Friedhofs aufsuchen. Als Mitglied der Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen unterhält sie hier Pferde, Schafe, Hühner, Hunde und Katzen. Rundherum wenig Bebauung und ein traumhafter Blick in die Landschaft.

Wildblumenwiese

Seit 1996 hat sie eine 1,7 Hektar große Fläche hinter dem Bauernhaus, das sie und ihr Mann bewohnen, gepachtet. Die Fläche wird seither als Weidefläche genutzt. Auf mehreren abgeteilten Flächen grasen hier mehrere Exemplare des Bentheimer Landschafs, außerdem Pferde verschiedener Rassen. Wilde Himbeeren wachsen zwischen Pferdeweide und Stalltungen, hinzu gesellen sich eine Wildhecke, Brombeeren sowie diverse Wildblumen wie die gewöhnliche Braunelle, Scharfgarbe, Wiesenbärenklau, Rotklee, die wilde Möhre oder Herbstlöwenzahn.

„Etliche Sorten, die in den Samentüten zur Ansiedlung einer Wildblumenwiese zu finden sind. Hier haben sich Blumen, Hecke und Beeren allerdings ohne mein Zutun angesiedelt“, berichtet Michaela Krüger. Sie bietet auf dem Betrieb Reiten an und nutzt die seit 1996 gepachtete Fläche, die zuvor als Ackerfläche genutzt worden war, als Pferdeweide. Anfang des Jahres kündigte nun der Verpächter an, die Fläche verkaufen zu wollen.

„Völlig euphorisch“

Nach einigen Gesprächen mit dem Verpächter sowie mit mehreren Behörden wie zum Beispiel der Stadt und der Landwirtschaftskammer, entwickelte sich die Idee, das Areal als Kompensationsfläche anzubieten: „Ich war völlig euphorisch und habe mich gefreut“, blickt Michaela Krüger zurück: „Mir ist wichtig, dass die naturbelassene Fläche erhalten bleibt. Und sollte die Umwandlung in Dauergrünland klappen, wäre das ja im Sinne der Natur“, freut sich Michaela Krüger. Diese Freude geht allerdings nichts konform mit den geltenden Gesetzen.

Denn: Obwohl die Fläche künftig als Grünland genutzt werden soll – was auch dem Status quo entspricht – muss sie umgepflügt und ein Jahr als Ackerland betrieben werden: „Alles, was dort wächst, muss totgespritzt werden, danach wird ein Jahr Getreide angebaut, ehe dann wieder die Nutzung als Grünland möglich ist“, beschreibt die Pächterin das EU-weit geltende Prozedere. Das ist im Flächenantrag so vorgeschrieben.

6000 Euro gezahlt

Die Pächterin hat mittlerweile die geforderte Einmalzahlung in Höhe von 6000 Euro geleistet, um die Umwandlung zu forcieren: „Sicher, ich habe auch Fehler gemacht“, räumt sie ein: „Ich hätte die Fläche alle fünf Jahre umpflügen müssen, aber es ist schon paradox, was hier passiert. So viel Arbeit, so viele Kosten, und wozu ist das gut? Lasst uns endlich etwas gegen diese Gängelei tun. Wir Bauern haben doch auch so Arbeit genug“.

Unterm Strich hat Michaela Krüger das Verfahren letztlich akzeptiert. Sie kritisiert jedoch, dass die Natur darunter leidet. Ihr wirft man nach Worten von Michaela Krüger Knüppel zwischen die Beine.


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