Für Oberligist BC Melle am Start Billardspieler Modzel bereitet sich auf die EM vor

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Vor seiner ersten EM-Teilnahme: Billardspieler Thomas Modzel, der zuletzt für den BC Melle antrat. Foto: Heike DierksVor seiner ersten EM-Teilnahme: Billardspieler Thomas Modzel, der zuletzt für den BC Melle antrat. Foto: Heike Dierks

Billardspieler Thomas Modzel bereitet sich auf die größte Herausforderung seiner sportlichen Laufbahn vor: Der 45-Jährige nimmt vom 19. bis 31. Juli in der Seniorenklasse an der EM im Pool-Billard im niederländischen Veldhoven teil.

Melle/Herford Lampenfieber hat der Bad Oeynhausener, der in der abgelaufenen Saison für den Billard-club Melle in der Oberliga angetreten ist, nicht. Der studierte Musiker und ausgebildete Schauspieler hat schon ganz andere Nervenbelastungen gemeistert. Er ist vor 20000 Zuschauern auf großen Bühnen aufgetreten, etwa in Wien, Berlin oder in Russland. Durch seine schauspielerische Erfahrung kann sich der zweifache Familienvaterschnell auf neue Situationen einstellen. Das ist viel wert am Billardtisch. Denn beim Spiel mit den Kugeln komme es neben Technik und Fitness aufs Mentale an.

Es ist seine erste Teilnahme an einer Europameisterschaft, obwohl er von seinen Leistungen her schon in früheren Jahren hätte antreten können. Doch bisher hatte er sich dagegen entschieden. Auch weil so ein Turnier ein teures Privatvergnügen ist. Der Qualifizierte zahlt Unterkunft, Startgeld und Reisekosten selbst. Jetzt lässt sich Modzel auf das Abenteuer ein. „Ich habe nichts zu verlieren“, sagt er locker. In den drei Spielarten „8-Ball“, „14 und 1“ und „10-Ball“, in denen er an den Start geht, würde er aber jeweils gerne die Vorrunde überstehen.

Von großen Namen lässt sich der 45-Jährige nicht beirren. Doch er sieht Verbesserungspotenzial bei seiner Technik und würde gerne konstanter seine Leistung abrufen können. „An manchen Tagen spiele ich super gut. An anderen verhaue ich die einfachsten Bälle und weiß nicht, woran es liegt.“ Mentaltraining – etwa bei der Gartenarbeit – bringt den EM-Novizen weiter. „Ich stelle mir dann entscheidende Spielsituationen vor und erkenne zum Beispiel, dass ich nicht die nötige Körperspannung aufgebaut hatte oder zu siegessicher war.“

Modzel spielt auch Golf, um die Fokussierung auf den Punkt zu trainieren. Er sieht dabei große Parallelen zum Billard: „Es kommt darauf an, den Ball am Ende mit möglichst wenigen Schlägen einzulochen.“ Überdies trainiert er seine Tiefenmuskulatur, um auch bei langen Turnieren nicht schlappzumachen. Denn: „Billard ist eine Sportart.“ Sein leistungsorientiertes Spiel habe mit dem oft bierseligen Treiben in Gaststätten nichts zu tun.

Der anscheinend Nimmermüde, der auch schon Vize-Weltmeister im Backgammon geworden ist, betreibt eine eigene Schauspielschule in Bielefeld und eine Musikschule in Bad Oeynhausen. Da kommt keine Langeweile auf. Der Rheinländer hat mit Anfang 20 mit dem Billardspiel begonnen. Seit 2004 lebt er in Bad Oeynhausen. Der Musiker und Schauspieler hat länger in der Ersten und Zweiten Bundesliga gespielt. Wer hochklassig spielen will, muss im Zweifelsfall weit reisen. Fahrten von 600 Kilometern pro Spieltag sind keine Seltenheit, die Spieler zahlen alles selbst.

Nach Stationen etwa in Paderborn, Hannover, Münster und Bremen wurde vor einem Jahr der Billardclub Melle interessant, der in die Oberliga aufgestiegen war. „Melle ist für mich ja quasi um die Ecke.“ Allerdings reist Modzel nur zu den Spieltagen an. Unter der Woche trainiert der Hobbyspieler ohne Team im Sportpark Herford oder in Vlotho. Neben dem 45-Jährigen traten der Bremer Jens Wippermann, der Mindener Heinrich Aschemeier, der Meller Raphael Chelminiak und Manuel Hausner aus Rödinghausen an. Das Meller Team habe eine gute Saison gespielt und war einige Zeit auf Aufstiegskurs. Nun wurde bekannt, dass sich der Verein auflöst.

Neues Team: Wolfsburg

In der neuen Saison startet Modzel daher für Wolfsburg, entweder in der Regionalliga oder der Zweiten Bundesliga. Da stehen wieder Fahrten von rund 170 Kilometern pro Weg an. „Für den Sport muss man bescheuert sein“, sagt der Bad Oeynhausener daher lachend. Er ist bereit, auch in Zukunft so manche zeitliche und mentale Herausforderung anzunehmen. Die EM kann also kommen.


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