Elftklässler siegten Gleich zwei Latein-Landessieger am Gymnasium Melle

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Vor der imposanten Kulisse der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel präsentierten die frischgebackenen Latein-Landessieger Chiara Oberwestberg und Armin Eric Maiweg die Urkunden des Altphilologenverbandes. Foto: Bastian AlbertVor der imposanten Kulisse der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel präsentierten die frischgebackenen Latein-Landessieger Chiara Oberwestberg und Armin Eric Maiweg die Urkunden des Altphilologenverbandes. Foto: Bastian Albert

Melle. Latein ist ein Steckenpferd von Chiara Oberwestberg (17) und Armin Eric Maiweg. Latein? Ja, seit der 6. Klasse am Gymnasium in Melle widmen sich die beiden der Amtssprache des alten Römischen Reiches und kehrten jetzt sogar als Landessieger aus Wolfenbüttel zurück.

Sie hatten am altsprachlichen Wettbewerb Rerum Antiquarum Certamen teilgenommen, den der Niedersächsische Altphilologenverband regelmäßig veranstaltet. Ziel ist es, die Alten Sprachen Latein und Griechisch über den Schulunterricht hinaus zu fördern.

16 junge Leute nehmen am Meller Gymnasium am Leistungskurs Latein teil. Fünf von ihnen bestanden die Vorprüfungen für den Wettbewerb, vier von ihnen entschieden sich danach, auch eine 25-seitige Hausarbeit für Wolfenbüttel anzufertigen. „Das bedeutete einen erheblichen Mehraufwand“, betonte Albert. Loog lobte in diesem Zusammenhang die vier Gymnasiasten, die bis dahin schon Erstaunliches geleistet hätten.

Chiara Oberwestberg und Armin Eric Maiweg erzielten mit ihren Arbeiten jeweils die Bestnote von 15 Punkten. Diese hervorragenden Leistungen in Klausur und Hausarbeit veranlassten die Wettbewerbsjury dazu, die beiden Meller zu zweien der zwölf Landessieger zu küren. Die wurden jetzt zur letzten dreitägigen Wettbewerbsrunde nach Wolfenbüttel eingeladen. Dort präsentierten sie in einem Colloquium selbst gewählte Themen der Antike und diskutierten darüber fachlich und inhaltlich mit allen Teilnehmern.

Vivisektion in der Antike

Chiara befasste sich in ihrem Vortrag mit dem bereits in der Antike begonnenen Verfahren der Vivisektion, also Menschen- und Tierversuchen, sowie deren Bewertung aus heutiger Sicht.

Armin hingegen konzentrierte sich auf die Frage, ob und inwiefern die Römer, insbesondere einzelne Herrscher wie Cäsar oder Augustus, als Faschisten bezeichnet werden können.

Parallel dazu wurden die Teilnehmer von Jurymitgliedern in zwei Einzelgesprächen auf Herz und Nieren geprüft. Dabei ging es nicht nur um die Kenntnisse im klassischen Latein, sondern es wurden auch detaillierte Fragen zum eingereichten Lebenslauf und zu Allgemeinwissen auf hohem Niveau gestellt. Schließlich winkten den Besten der Besten zwei Stipendien der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Menschenwürde damals und heute

Die ergatterten Chiara und Armin zwar nicht, aber beide sind beeindruckt und begeistert vom hohen Niveau der intensiven Fachgespräche, die die jungen Leute in Wolfenbüttel untereinander führten. „Dabei ging es um anspruchsvolle Themen wie Abtreibung, Menschenwürde, philosophische Strömungen oder den Vergleich politischer Systeme“, berichtete die 17-Jährige. „Unterscheidet sich zum Beispiel der Begriff Menschenwürde in der Antike von unserer heutigen Auffassung dazu?“, konkretisierte der Gymnasiast eines der Diskussionsthemen.

In der altehrwürdigen Herzog-August-Bibliothek wurde dann im Beisein hochkarätiger Fachleute, der Lehrer und der Familien die Ehrung der Landessieger vorgenommen. Den Festvortrag hielt der Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität Berlin, Andreas Degkwitz.

„Eine gute Grundlage“

Warum habt ihr in der sechsten Klasse Latein statt Französisch gewählt? Diese Frage beantworteten die beiden frischgebackenen Landessieger nach ihrer Rückkehr in Melle völlig locker. „Ich hatte schon früh Interesse an Medizin, und da ist Latein für ein späteres Studium sinnvoller als Französisch“, sagte Chiara. Und Armin verwies auf sein frühes hohes Interesse an römischer Geschichte und Sprache. „Außerdem bildet Latein eine gute Grundlage für das Lernen aller romanischen Sprachen.“

Gleich zwei von insgesamt zwölf Latein-Landessiegern am Gymnasium hat es in Melle noch nie gegeben. Entsprechend stolz sind nicht nur Chiara und Armin Eric, sondern auch Bastian Albert als ihr Leistungskurslehrer Latein und der stv. Schulleiter Ulrich Look.

Ehre für die Region

„Für ein sogenanntes Landgymnasium in Konkurrenz zu den Traditionsgymnasien in Großstädten ein toller Erfolg“, freute sich Look. Zudem hätten funktionierende Elternhäuser oft einen großen Einfluss darauf, ob junge Leute in höhere Bildungsbereiche vorstoßen könnten.

Albert bezeichnete die Tatsache, dass das Gymnasium gleich zwei Landessieger hervorgebracht hat, als „besonderen Erfolg und Ehre für die Region“.


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