Vier Hotspots? Das Land prüft noch Wie stark ist die Schadstoffbelastung der Meller Luft?

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Die Ecke Oldendorfer Straße/Weststraße in Melle-Mitte wurde als potenzieller Hotspot ausgemacht. Doch ob hier tatsächlich eine Luftschadstoffbelastung herrscht, muss erst noch überprüft werden. Foto: Karsten GrosserDie Ecke Oldendorfer Straße/Weststraße in Melle-Mitte wurde als potenzieller Hotspot ausgemacht. Doch ob hier tatsächlich eine Luftschadstoffbelastung herrscht, muss erst noch überprüft werden. Foto: Karsten Grosser

Melle. Wie stark ist die Schadstoffbelastung der Luft in Melle? Messstellen gibt es im Stadtgebiet nicht und deshalb auch keine belastbaren Daten. Gleichwohl wurden in einer umstrittenen Studie des Landes Niedersachsen vier potenzielle Hotspots in Melle identifiziert. Und nun?

Ende Mai hat Hamburg als erste Stadt in Deutschland zwei Straßenabschnitte für ältere Dieselautos und Lastwagen gesperrt. Messungen hatten ergeben, dass dort die Stickstoffdioxidbelastung über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter liegt. Im vergangenen Jahr wurde diese Schwelle im Jahresmittel bundesweit in 65 Städten überschritten, darunter Osnabrück und Bielefeld. Das gab das Umweltbundesamt jüngst bekannt. Und Melle?

Vier potenzielle Belastungsschwerpunkte in Melle

Das Land Niedersachsen hatte im vergangenen November die Ergebnisse von Modellrechnungen veröffentlicht, die potenzielle Orte mit hoher Luftschadstoffbelastung identifizieren sollten. Im Fokus: Stickstoffdioxid und Feinstaub. In der sogenannten Hermelin-Studie hatte das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt (GAA) in Hildesheim auch potenzielle Belastungsschwerpunkte in Melle ausgemacht. Nach Angaben der Stadt Melle sind die darin genannten Hotspots:

  • an der Oldendorfer Straße/Höhe Einmündung Weststraße in Melle-Mitte
  • an der Buerschen Straße in Melle-Mitte zwischen der Einmündung Mühlenstraße und dem ehemaligen Standort des Jugend- und Kulturzentrums „Altes Stahlwerk“
  • an der Straße „Am Ring“ in Wellingholzhausen
  • am Osnabrücker Tor an der historischen Bueraner Kirchhofsburg

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) kritisierte jedoch schon vor geraumer Zeit, dass man mit diesen Daten im November 2017 nicht in die Öffentlichkeit hätte gehen sollen. Das Projekt sei von seinem Vorgänger Stefan Wenzel (Die Grünen) angeschoben worden. Die Ergebnisse fußten wegen fehlender realer Daten teilweise auf nicht validierten Daten zum Straßenverkehr oder auf Daten aus dem Jahr 2011. Deshalb müssten berechnete Schafstoffwerte in keiner Weise der Realität entsprechen.

Daten werden überprüft

Nach Angaben des Umweltministeriums in Hannover werden derzeit die Modellberechnungen der Hermelin-Studie überprüft und aktualisiert. Dieser Prozess soll bis Ende Juni abgeschlossen. Bislang habe das GAA Hildesheim keine Messungen in Melle durchgeführt, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Über etwaige Messungen werde erst nach Vorlage der neuen Berechnungsergebnisse entschieden werden.

Keine Messstellen in Melle

Auch die Stadt Melle betreibe derzeit keine Messpunkte, welche die Konzentration von Stickstoffdioxid und Feinstaub in der Luft bestimmen, sagte Stadtsprecher Jürger Krämer. Die Einrichtung solcher Messstellen sei kurzfristig auch nicht geplant. Auch im Rathaus warte man derzeit auf die Ergebnisse der aktualisierten Modellrechnungen.


Was bedeutet Hermelin?

Hermelin ist eine Abkürzung für „Hotspot-Ermittlung und Emissionskataster lagebezogen in Niedersachsen“. Im Jahr 2013 hatte das Umweltministerium in Hannover dem Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt in Hildesheim den Auftrag gegeben, Orte mit den wahrscheinlich höchsten Luftschadstoffbelastungen in Niedersachsen zu ermitteln. Die im November 2017 veröffentlichen Ergebnisse basierten auf modellhaften Berechnungen, nicht auf tatsächlich gemessene Werte. Grundlage dafür waren landesweit vorhandene Daten zu Topographie, Gebäuden, Straßen, Verkehrszahlen, gewerblichen Quellen, Hausbrand, Landwirtschaft und Meteorologie. Derzeit werden die umstrittenen Projektergebnisse laut Umweltministerium gemeinsam mit den potenziell betroffenen Kommunen einer Prüfung unterzogen, bei der die aktuellen Verkehrszahlen einbezogen werden. Gemeinsam mit den Kommunen werde dann entschieden, ob sich die Hinweise auf einen „Hotspot“ verdichten und eine Messung der Luftqualität veranlasst wird.

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