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Melissa-Kathleen Wesseler macht Ausbildung zur Bürokauffrau Eine echte Kämpfernatur

Von Stephanie Kriege

Eine Ausbildung zur Bürokauffrau beim DRK Melle macht die behinderte 20-jährige Melissa-Kathleen Wesseler. Foto: Elvira PartonEine Ausbildung zur Bürokauffrau beim DRK Melle macht die behinderte 20-jährige Melissa-Kathleen Wesseler. Foto: Elvira Parton

Melle. Melissa-Kathleen Wesseler ist eine Kämpfernatur. Von ihrem Handicap lässt sich die 20-Jährige in ihrem Job in der Geschäftsstelle des Deutschen Roten Kreuzes in Melle nicht behindern.

Die junge Frau leidet an „MPS-Typ IV“. Die Abkürzung steht für Mukopolysaccharidose, eine sehr seltene Stoffwechselstörung, die durch einen defekten Eiweißstoff im Körper ausgelöst wird. Die Krankheit wirkt sich auf Knochen, Muskeln, Sehnen und die Organe aus. Melissa-Kathleen Wesseler ist nur 1,08 Meter groß, ihre Knochen können schnell brechen. Doch laufen kann die junge Frau entgegen der Prognose ihrer Ärzte immer noch. „Das habe ich meinen Eltern zu verdanken“, erzählt sie. Denn als die Krankheit im Grundschulalter diagnostiziert wurde, ließen die Wesselers einen speziellen Rollator anfertigen. „Meine Eltern wollten nicht, dass ich im Rollstuhl sitze.“ So lief die Tochter eben weiter, nun ist sie erwachsen und läuft immer noch. „Ich hoffe, dass mir der Rollstuhl erspart bleibt“, sagt Wesseler.

Die kleine Frau ist eine Kämpfernatur. Sie besuchte die Anne-Frank-Schule in Osnabrück und lernte zwei Jahre lang Wirtschaft an den Berufsbildenden Schulen in Melle. Anschließend absolvierte Wesseler Praktika in verschiedenen Büros. „Büroarbeit liegt mir eben, weil ich das körperlich gut bewältigen kann.“

Seit August 2010 macht sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau beim DRK Melle. Damit sie die Büroarbeit meistern kann, greift Wesseler zu kleinen Hilfsmitteln. Mit einem höhenverstellbaren Elektro-Roller kommt sie an die Akten im Regal, und weil sie nicht gut hören kann, hat ihr Telefon eben Lautsprecher.

Tacker und Locher sind ebenfalls elektrisch, weil die Auszubildende nicht so viel Kraft in den Händen hat. Diese Hilfsmittel wurden von der Agentur für Arbeit bezahlt, die außerdem monatlich knapp 300 Euro zur Ausbildung beisteuert.

Wesseler durchläuft während ihrer Ausbildung zwar alle Abteilungen, welche ihr am meisten liegt, weiß sie aber jetzt schon. „Die Lohnbuchhaltung macht mir total Spaß.“ Sie telefoniere nicht gerne, deshalb sei die Arbeit am Empfang nicht so ihr Ding gewesen.

Zur Arbeit fährt sie täglich mit dem Taxi, einmal in der Woche geht es zur Berufsschule nach Melle. Und am Wochenende fährt ihre Mutter sie nach Osnabrück. Denn Melissa-Kathleen nimmt an einem integrativen Musical-Projekt teil: „Ich spiele da den schlauen Kopf eines Gangsterduos.“