Am 21. Juni ist Weltyogatag Meller Yogalehrerin zeigt Übungen für mehr Beweglichkeit

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Sieht schlimmer aus als es ist: Der Pflug ist eine der Grundstellungen der Yoga Vidya Reihe. Er dehnt die Rücken- und Nackenmuskulatur. Yogalehrerin Brigitte Heitz weist Redakteurin Kirsten Muck darauf hin, dass sie zurück in die liegende Position die Wirbelsäule langsam und mit der Kraft aus dem Bauch abrollen muss.Sieht schlimmer aus als es ist: Der Pflug ist eine der Grundstellungen der Yoga Vidya Reihe. Er dehnt die Rücken- und Nackenmuskulatur. Yogalehrerin Brigitte Heitz weist Redakteurin Kirsten Muck darauf hin, dass sie zurück in die liegende Position die Wirbelsäule langsam und mit der Kraft aus dem Bauch abrollen muss.

Melle. Am 21. Juni ist der Weltyogatag. Ein guter Grund für Redakteurin Kirsten Muck, nach jahrelanger Yogaabstinenz mal wieder einzusteigen und sich etwas Gutes zu tun. Sie trifft sich mit Brigitte Heitz in Wellingholzhausen. Heitz lehrt Yoga Vidya, eine von zig Yogaarten. Im Yoga Vidya gibt es verschiedene Grundstellungen, die eine Übungsreihe bilden. Und die probiert die Redakteurin aus.

Wir sind spät dran. Ich stopfe noch den Block und Stift in die Tasche. Der Kollege schnappt sich die Kamera. Ins Auto, los. Auf dem Weg nach Welling überlege ich, wann ich das letzte Mal richtig Sport gemacht habe. Vor fünf Wochen, vor sechs? Keine Ahnung. Das kann ja heiter werden, wenn ich mich gleich auf der Matte verknoten muss. Der Kollege ist froh, dass er nur die Kamera bedienen und sich ansonsten körperlich nicht betätigen muss. 

Doch es kommt anders als erwartet - für uns beide. Denn im Laufe der Yogastunde stellt sich heraus, dass ich doch gelenkiger bin als ich vermutet hatte. Und der Kollege kommt beim Herumkrabbeln auf dem Rasen ganz schön ins Schwitzen. 

Mit einem breiten Lächeln öffnet uns Brigitte Heitz die Tür. Wir gehen in ihren Garten. Auf dem Rasen liegt eine rote Yogamatte. Vor 13 Jahren hat die sympathische 53-Jährige ihre Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht. Seitdem gibt sie Kurse in Welling, die allerdings immer ausgebucht sind. Aber sie bietet im Sommer auch Yoga im Bürgerpark an. Heitz erklärt mir die Grundstellungen, die so klangvolle Namen wie Fisch, Pflug, Kobra, Heuschrecke oder Bogen haben. Meine Erinnerung an einen Yogakurs vor zwölf Jahren kehrt zurück. "Wichtig ist immer, dass wir achtsam üben", mahnt Brigitte Heitz. Also lieber etwas langsamer und behutsamer. Immer so, dass nichts weh tut und dass ich mich wohl fühle, rät sie mir. "Unser Problem ist ja, dass wir mit Ehrgeiz üben, weil wir alles im Leben mit Ehrgeiz machen", stellt sie fest. Doch Ehrgeiz hat im Yoga nichts zu suchen. 

Unser Problem ist ja, dass wir mit Ehrgeiz üben.Brigitte Heitz, Yogalehrerin


Zuerst die Shavasana

Angesichts des knappen Zeitfensters beginnen wir direkt mit der Shavasana, die Entspannung und Ruhe erzeugen soll. Eigentlich starten Yogaschüler mit Atemübungen. Die lassen wir heute weg. Ich liege also auf dem Rücken auf der Yogamatte, die Beine hüftbreit auseinander, die Arme locker seitlich von mir gestreckt. Einatmen, tief in den Bauch, langsam wieder aus. Brigitte Heitz führt mich mit ihrer sanften Stimme durch die Übung. Es dauert etliche Atemzüge, bis die Arme schwerer und der Atem tiefer werden. Aus der Hektik des Alltags direkt in die Entspannung zu hüpfen, ist gar nicht so leicht. 



Raus aus der Hektik, rein in die Entspannung: Shavasana heißt die Übung, die einem helfen soll, sich aus dem Alltag zurückzuziehen. Ganz ruhig auf dem Rücken liegen, entspannt ein- und ausatmen und zur Ruhe kommen.

Der Schulterstand

Wir starten mit dem Sonnengruß, einer Abfolge von verschiedenen Übungen aus dem Hatha-Yoga, die in fließenden Bewegungen geübt werden. Sozusagen die Aufwärmübung, bevor es an die schwierigeren Asanas (Übungen) geht. Die erste Asana wäre eigentlich der Kopfstand. Doch der ist für mich als Anfängerin zu schwierig. Deshalb gehe ich in den Schulterstand, uns besser bekannt als die Kerze. Er soll für Harmonie sorgen und die Flexibilität im Rücken erhöhen. Aber die Übung ist nichts für Rückenkranke. Wer Probleme im Nacken hat, sollte diese Übung nur in abgewandelter Form machen. "Wichtig ist, dabei den Rücken mit beiden Händen zu stützen. Bewusst und langsam üben!", erklärt Brigitte Heitz. Ein paar Minuten bleibe ich im Schulterstand, atme ruhig ein und aus. Dann geht es in den Pflug. Eine Asana, von der ich nie geglaubt hätte, dass ich sie ansatzweise hinkriege. Doch ich schiebe die Beine langsam gestreckt über mein Gesicht, bis meine Zehenspitzen hinter meinen Kopf wieder den Rasen berühren. Ganz gestreckt bleiben meine Beine nicht. Ist aber auch nicht schlimm. Eindruck macht die Übung trotzdem, zumindest beim Kollegen, der mit der Kamera neben mir im Gras kniet. Auch die Yogalehrerin ist erstaunt: "Fürs erste Mal ist das schon sehr gut." Ein bisschen ungemütlich wird die Asana allerdings schon, wenn man so zwei, drei Minuten in dieser Position verharrt. Der Übergang in die liegende Position sieht dann auch nicht mehr so geschmeidig aus. Ich muss mich mit den Zehen vom Boden abstoßen, um die Beine wieder in die Luft zu heben. Danach klappt das Abrollen der Wirbelsäule wieder so, wie es soll. "Genauso langsam, wie man reingeht, geht man raus", erklärt Brigitte Heitz.

Der Schulterstand ist die zweite Asana. Die Hände sollen dabei den Rücken stützen.

Der Fisch

Die Gegenposition zum Schulterstand und Pflug ist der Fisch. Er hilft, Verspannungen in den Schulter- und Rückenmuskeln, zu lindern, die eventuell im oder nach dem Schulterstand fühlbar geworden sind. Dafür lege ich die Hände unter den Po, hebe den Brustkorb und lege den Kopf in den Nacken. In der Brust spüre ich die Dehnung. Nach den beiden vorherigen Übungen tut das wirklich gut, sich mal so richtig zu strecken. 

Der Fisch ist die Gegenübung zum Schulterstand und Pflug. Yogalehrerin Brigitte Heitz kontrolliert bei Kirsten Muck, ob die Hände an der richtigen Stelle und dem Gesäß liegen.

Die Vorwärtsbeuge

Nach dem Fisch folgt die sitzende Vorwärtsbeuge. Diese Asana zeigt mir meine Grenzen auf. Meine Muskeln im Oberschenkel sind dermaßen verkürzt und steif, dass ich mit den Händen so gerade an die Fußgelenke komme. Ich sitze auf der Matte, Brigitte Heitz neben mir. "Der Rücken soll beim Vorbeugen gerade bleiben. Das ist leichter, wenn man auf den Sitzbeinhöckern etwas nach vorne rutscht", lautet ihr Rat. Ich rutsche nach vorne, soweit es geht, komme aber bei gestrecktem Rücken mit den Händen gerademal bis zu den Knien. Deprimierend! Auf der Matte neben mir sieht das alles viel besser aus. Auch der Kollege frotzelt später, dass ich auf den Fotos eine sehr gute Figur mache - solange Brigitte Heitz nicht mit im Bild ist.

Redakteurin Kirsten Muck muss bei der Vorwärtsbeuge kleine Brötchen backen: Lässt sie den Rücken gestreckt, kommt sie mit den Händen nur bis zu den Knien. Yogalehrerin Brigitte Heitz dagegen umfasst mühelos mit ihren Händen die Füße und hat gut Lachen.

Die Schiefe Ebene

Weiter geht's zur nächsten Übung, der schiefen Ebene oder auch Tisch. Da kann ich wieder punkten. Denn die Halteübungen, bei denen nicht so stark gedehnt wird, klappen gut. Ich lege die Hände hinter den Körper, meine Finger zeigen nach hinten. Dann hebe ich das Becken und den Brustkorb. Den Kopf lasse ich vorsichtig nach hinten hängen.

Die Schiefe Ebene soll die Brustmuskulatur dehnen.

Die Kobra

Nach der Schiefen Ebene geht es in die Bauchlage. Einen Moment verschnaufen, entspannen. Denn die nächste Übung ist wieder anstrengend. Die Kobra stärkt die Rückenmuskeln. Eine Asana, die ich gut gebrauchen kann angesichts des stundenlangen Sitzens vor dem Rechner in der Redaktion. Für die Kobra lege ich die Hände neben die Ohren und hebe langsam die Brust vom Boden. "Und jetzt kann man noch die Hände ein paar Zentimeter vom Boden heben", schlägt Brigitte Heinz vor. Ganz schön anstrengend! Aber das darf Yoga auch sein.

Die Kobra stärkt die Rückenmuskulatur und erweitert den Brustkorb. Wichtig ist dabei, dass die Kraft aus dem Rücken kommt und nicht die Arme benutzt werden, um sich hochzudrücken.

Die Heuschrecke

Für die nächste Asana, die Heuschrecke, lege ich meine Fäuste nebeneinander unter die Oberschenkel. Zuerst hebe ich erst das rechte, dann das linke ausgestreckte Bein. Das ist dann die halbe Heuschrecke. Für die vollständige Heuschrecke muss man beide Beine so hoch wie möglich heben. Das Kinn bleibt dabei auf dem Boden. Die Übung kräftigt den unteren Rücken.

Halbe Heuschrecke heißt diese Übung. Sie stärkt den unteren Rücken.

Der Bogen

Den Bogen habe ich schon als Kind im Turnunterricht regelmäßig geübt. Für uns war das die Schaukel. Ich liege immer noch auf dem Bauch, die Hände umfassen die Fußgelenke und ich hebe die Beine und die Brust an. Dabei wird der Rücken durchgebogen. Alle Muskeln im Rücken arbeiten. Anstrengend!

Die Stellung des Kindes

Um dem Rücken nach letzten Übungen etwas Entspannung zu gönnen, gehe ich in die Stellung des Kindes. Ich setze mich mit geschlossenen Beinen auf die Fersen und lege die Stirn auf den Boden. Die Hände liegen mit den Handflächen nach oben neben den Füßen. Ruhig ein- und ausatmen. Ich merke, wie sich meine Rückenmuskulatur entspannt. 

Endlich mal wieder eine Übung zum Entspannen: In der Stellung des Kindes kann sich der Rücken von der Kobra, der Heuschrecke und dem Bogen erholen.

Der Drehsitz

Der Drehsitz ist wieder eine Übung für mich. Die kenne ich aus diversen Fitnessstudio-Kursen. Damit dehnt man nämlich gut die Oberschenkelaußenseite. Außerdem wird die Elastizität der Wirbelsäule gefördert. Dafür winkele ich mein rechtes Bein an und schiebe den linken Fuß unter dem rechten Bein hindurch. Der Rücken  bleibt gerade, die rechte Hand liegt nahe dem Becken flach auf dem Boden. Die linke Hand umfasst das Knie. 

Yogalehrerin Brigitte Heitz erklärt, worauf des beim Drehsitz ankommt: Das Gesäß muss komplett auf dem Boden und der Rücken gerade bleiben. Redakteurin Kirsten Muck muss noch an ihrer Haltung arbeiten.


Noch einmal der Drehsitz: Mit geradem Rücken dreht sich Brigitte Heitz und Kirsten Muck nach links.

Die Krähe

Oha! Das ist was für Fortgeschrittene, also nicht für mich. Die Krähe erfordert nämlich eine gute Balance und viel Kraft in den Handgelenken. Brigitte Heitz geht in die Hocke und legt die Handflächen schulterbreit flach auf den Boden. Ihre Finger sind gespreizt. Sie verlagert langsam das Gewicht nach vorne, sodass das Gewicht ihres Körpers auf den Handgelenken lastet. Die Zehen halten noch das Gleichgewicht. Dann hebt sie ab. Sieht toll aus! Bei dem Versuch, die Zehen auch nur einen Millimeter vom Boden zu heben, kippe ich fast nach vorne. Außerdem schmerzen die Handgelenke. Das lasse ich lieber.

Die Yogalehrerin macht die Krähe, und die Redakteurin die Kröte.

Die stehende Vorwärtsbeuge

Wir sind fast am Ende unserer Übungsreihe. Jetzt kommt wieder eine Dehnübung, die stehende Vorwärtsbeuge. Zuerst strecken wir uns, machen uns ganz lang. Wir stehen mit geschlossenen Beinen auf der Matte und ziehen mit der Ausatmung mit den Händen zum Boden. Geübte Yogaschüler berühren mit den Händen den Boden. "Man kann auch die Arme verschränken und hängen lassen. Das geht auch gut", sagt Brigitte Heitz. So schaffe ich sogar noch ein paar Zentimeter mehr. Irgendwie sind dadurch meine Arme schwerer. 

Die stehende Vorwärtsbeuge dehnt die Rückseite des Körpers. Wichtig dabei: Knie durchgestreckt lassen.

Das Dreieck 

Zum Schluss üben wir das Dreieck, eine Übung im Stand. Mit den Beinen stehen wir etwas mehr als schulterbreit auf der Matte. Kopf, Brust und Wirbelsäule sind gerade, wir schauen geradeaus. Den rechten Arm nehmen wir nach oben und neigen uns zur linken Seite. Die linke Hand liegt auf der Außenseite des linken Knies. Das dehnt die Seite. 

Die Übungsreihe ist beendet. Jetzt fehlt nur noch die Entspannung: Shavasana. Ich beende die Übung so wie ich sie begonnen habe. Ich liege auf dem Rücken, habe die Hände und Beine ausgestreckt und atme tief in den Bauch. Ungefähr zehn Minuten sollte man für diese Entspannung einplanen. Wir haben leider nicht so viel Zeit. Trotzdem genieße ich die vier Minuten. Die Redaktion ist gerade weit weg, die Familie, der Haushalt, die doofe Baustelle im Haus ebenfalls. Hier könnte ich länger liegenbleiben. Der Kollege knipst noch ein bisschen um mich herum. Dann rappele ich mich auf. 

15 Minuten später sitzen der Kollege und ich wieder im Auto. Ich bin tatsächlich entspannt! "Puh", stöhnt der Kollege, "ich merke aber, das ich was getan habe. Das Herumkriechen auf dem Boden beim Fotografieren! Puh!" Ich merke noch nichts. Der Muskelkater kommt erst am nächsten Tag.

Wussten Sie, dass...

  • ...Yoga im Dezember 2014 als Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt wurde?
  • ... 300 Millionen Menschen weltweit Yoga praktizieren?
  • ... in Deutschland über drei Millionen Menschen Yoga üben, darunter 80 Prozent Frauen?
  • ... bei Ausgrabungen in Indien eine 5000 Jahre alte Statue gefunden wurde, die eine Yogaübung zeigt?​
  • ... es mittlerweile sogar Ziegen-Yoga gibt? Bei dieser verrückten Yoga-Variante rollen die Yogis ihre Matte im Ziegenstall oder auf der Wiese inmitten der Vierbeiner aus. 


Für Körper, Geist und Seele

Yoga ist nicht bloß eine Aneinanderreihung von Übungen, die gelenkig und stark machen sollen. Yoga ist eine Art zu leben, die seit Tausenden von Jahren in Indien praktiziert wird. Yoga soll Körper, Geist und Seele in Einklang miteinander bringen. Zum Übungsplan gehören die Entspannung, Atemübungen, der Sonnengruß, die Asanas, eine Tiefenentspannung sowie die Meditation. 

Eine große Rolle spielt auch die Ernährung. Die sollte vegetarisch sein, nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Auch aus ethischen Gründen: Mit Getreide und Hülsenfrüchten können auf der Welt viel mehr Menschen ernährt werden als mit Fleisch. Yogis - Menschen, die Yoga praktizieren - versuchen nämlich, nicht nur im Einklang mit ihrem Körper und Geist zu leben, sondern auch im Einklang mit anderen Menschen und mit der Natur. 

Wer in Melle Yoga ausprobieren möchte, findet diverse Angebote von Sportvereinen, privaten Yogalehrern und dem Kulturzentrum Wilde Rose. Die meisten Lehrer bieten Kurse im Yoga Vidya an. Da jeder Yogaschüler in seinem eigenen Tempo übt, kann auch jeder mitmachen, egal ob er 20 oder 80 ist. 

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN